Harsche Kritik am Rathaus

Im Rahmen der Konjunktur-Pressekonferenz übt Freiburger Händlerin scharfe Kritik an Oberbürgermeister Martin Horn

Desinteresse am Schicksal des Einzelhandels: Diesen harten Vorwurf hat Henrike Beck, Geschäftsführerin des Freiburger Traditionsunternehmens Stiegeler am Augustinerplatz, gegenüber der Freiburger Stadtverwaltung in der Corona-Krise geäußert. Spielräume für den Handel würden nicht genutzt. Stattdessen habe sie den Eindruck, dass Regularien in Freiburg im Vergleich zu anderen Standorten besonders streng ausgelegt werden. Eigentlich müsse die Innenstadtentwicklung „Chefsache“ sein, aber davon sei nichts zu spüren in der Stadt. Stattdessen habe sie den Eindruck, das Rathaus habe „den Handel aufgegeben“, da „bald eh alles online“ geschehen werde im Handel. Sie wolle „kein OB-Bashing betreiben“, so die Unternehmerin mit Blick auf Rathauschef Martin Horn (parteilos), der zurzeit in Elternzeit ist. Aber auch aus der Elternzeit heraus könne man das Schicksal des Handels wichtig nehmen, wenn man wolle, so die Freiburger Händlerin.
Ihre Firma werde im kommenden Jahr 120 Jahre alt. Ob man das Jubiläum noch feiern könne, sei dahingestellt. Beck äußerte ihre Kritik im Rahmen einer Pressekonferenz der IHK zur aktuellen wirtschaftlichen Situation in Industrie und Handel am Oberrhein. IHK-Präsident Steffen Auer zufolge würden mittlerweile bis zu zwei Drittel der Betriebe in Gastronomie und Handel Eigenkapital aufzehren. Er erwarte „Tausende unverschuldete Pleiten“ in diesen Branchen, so Auer. Andere Geschäftsbereiche wie Baugewerbe und Industrie seien hingegen teilweise kaum oder deutlich weniger betroffen von der Corona-Krise. Motor der Erholung werde die Industrie sein, so Auer, der der Politik allerdings ebenfalls ein chaotisches Krisenmanagement beispielsweise beim Thema Corona-Inzidenz und zu viel Bürokratie bei den Hilfsleistungen vorwarf. (bp)

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