Hoffnung auf mehr Normalität

Ab März sollen kostenlose Corona-Schnelltests für alle Bürger kommen – Großauftrag für Freiburger Firma

Die Impfkampagne gegen das Corona-Virus stottert in Deutschland nach wie vor. Gleichzeitig werden die Rufe nach Öffnungsperspektiven lauter. Ein Weg zu mehr Freiheit in der Coronakrise und ein Mittel, um die Zeit bis zum Impfen zu überbrücken, könnten Schnelltests sein. Vom Gesundheitsminister kommen diesbezügliche große Ankündigungen und eine Freiburger Firma ist bei den Schnelltests vorne mit dabei. Am Dienstag verkündete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn via Twitter, dass ab dem 1. März jeder Bürger Anrecht auf kostenlose Corona-Schnelltests bekommen soll. Zunächst müssten diese noch durch geschultes Personal, zum Beispiel in Apotheken, vorgenommen werden. Zeitnah sollen sie jedoch für den Heimgebrauch freigegeben werden. Man habe sich bei den Herstellern ausreichend Kontingente gesichert. Voraussetzung dafür, dass bald jeder zuhause den Test selbst anwenden kann, ist die Zulassung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und offizielle Zertifizierungsstellen.
Ein Großauftrag des Bundesgesundheitsminsteriums in Höhe von mehreren Millionen solcher Tests ging bereits im November beim Freiburger Familienunternehmen Concile GmbH ein. Das Ministerium war auf die Freiburger aufmerksam geworden, weil sie exklusiv als Vertriebspartner für den koreanischen Hersteller BioNote agieren. Dessen Schnelltests, die ein Ergebnis in 15 Minuten liefern, weisen in Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation sehr gute Ergebnisse auf. Das Prinzip des Tests: Er kann mittels eines speziellen Tupfers, der mitgeliefert wird, als Nasenabstrich-Test durchgeführt werden, bei dem nur ein Abstrich aus dem vorderen Nasenbereich ausreicht.
Die Concile GmbH hat den Zulassungsantrag für den häuslichen Selbstgebrauch eingereicht. Produktmanagerin Petra von der Lage hofft, dass es jetzt „ganz schnell geht“. Für die Zertifizierung sei vor allem eine Anpassung der Gebrauchsanleitung notwenig, so dass wirklich jeder Laie fehlerfrei den Test anwenden kann.
Im Grunde geht es bei den Antigen-Schnelltests darum, Infektionen schneller festzustellen und dadurch die Ausbreitung einzudämmen. „Die Anwendungsgebiete sind sehr weit gefächert. Zum Beispiel in Kliniken oder Arztpraxen kurz vor operativen Eingriffen, damit man sicher gehen kann, dass keine Infektion eingeschleppt wird. Vor allem Risikogruppen sollen geschützt werden“, erklärt Petra von der Lage. Auch in Pflegeheimen können mittels Schnelltests Personal, Besucher sowie Bewohner regelmäßig auf das Corona-Virus getestet werden.


Kein Allheilmittel
Darüber hinaus wäre ein Einsatz aber auch in Handel, Kultureinrichtungen, vor allem aber auch in Schulen und Kitas, aber auch für Unternehmen sinnvoll. Die Selbsttests seien ein „echter Gamechanger“, um wieder mehr Kinder in den Regelbetrieb zurückzuholen und dennoch größtmögliche Sicherheit für das Personal zu gewährleisten, erklärte beispielsweise Bundesfamilienministerin Franziska Giffey.
Aber ein Allheilmittel sind die Tests nicht: Schnelltests zeigen keine so hohe Verlässlichkeit auf, wie die viel aufwendigeren PCR-Tests. Letztlich weist ein Antigen-Test nur nach, ob jemand gerade infektiös ist oder nicht. Bei Personen mit einer hohen Viruslast wirken die Schnelltests laut Expertenmeinung tatsächlich sehr zuverlässig. Bei Personen ohne Symptome oder mit mildem Verlauf können die Schnelltests jedoch in einzelnen Fällen fälschlicherweise auch negativ ausfallen. Als sinnvolle Ergänzung in der Pandemie-Bekämpfung sind sie jedoch unerlässlich.

Sven Meyer



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