Corona: Freiburger, die der Krise trotzen

Die Corona-Pandemie ist eine Kraftanstrengung für uns alle – deshalb ist es umso wichtiger, wenn Menschen mit positivem Beispiel vorangehen

Stellvertretend für die vielen Freiburg, die trotz Krise weitermachen und alles geben, wollen wir hier vier Menschen und Projekte vorstellen, die Hoffnung machen. Und damit zeigen, dass man auch in Pandemiezeiten den Mut nicht verlieren darf.

Gemeinsam stark
Thomas Walz, Leiter des Veranstaltungsmanagements bei der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau und Tilo Buchholz vom Popsupport Freiburg können wohl getrost als die Väter der regionalen Streamingplattform #infreiburgzuhause bezeichnet werden. Leider, mit einer kurzen Unterbrechung im Sommer, ist Kultur in Freiburg kaum noch erlebbar. Für Thomas Walz war deshalb bereits im Frühling schnell klar, dass der Freiburger Kulturszene irgendwie durch die Krise  geholfen werden musste, reihenweise waren die Einnahmen weggebrochen. Die Idee einer Streamingplattform war geboren, „es war Raum für Kreativität da“, so Walz. Mit der FWTM und Tilo Buchholz fand er einen starken Partner, der bei der Umsetzung unterstützen konnte. „Ende Mai ging die Plattform an den Start“, so Walz, „und bis heute fanden immerhin mehr als 50 Veranstaltungen statt. Das Resultat: Wir konnten insgesamt rund 130.000 Euro an die Freiburger Kulturwirtschaft ausschütten.“

Niemals aufgeben
Seit 13 Jahren steht Juri Habieda in seiner Bar Juris am Schwabentorplatz hinter der Theke – bis im März für ihn, wie auch für viele andere, erstmal Schluss ist mit Cocktail shaken und Drinks mixen. Zwar durfte Habieda im Sommer kurz öffnen, doch seit November ist die Bar wieder geschlossen, aktuell ist keine Öffnung in Sicht. Doch die Hände in den Schoß legen kommt für Habieda nicht in Frage. „Ich darf die Bar nicht öffnen und die Leute dürfen sich ihre Drinks nicht bei mir abholen“, erklärt Habieda, „da kam mir die Idee: Wenn die Gäste nicht zu mir kommen, komme ich eben zu meinen Gästen.“ Seitdem liefert Habieda seine frischen Cocktails  in und um Freiburg. Eingeschweißt, mit separater Garnitur und sogar kleinen Knabbereien können Moscow Mule, Maracuja Split und mehr nun auf dem heimischen Sofa genossen werden. Habieda bewältigt den Lieferservice ganz alleine, Urlaub hat er seit Ende 2019 keinen mehr gehabt. Aber klagen will er dennoch nicht: „Mein Job ist für mich keine Arbeit, sondern macht mir Freude, auch und gerade jetzt in der Pandemiezeit.“ Der Lieferdienst ersetze zwar nicht die Einnahmen aus der Normalbetrieb, „aber immerhin bleibe ich so in Kontakt mit den Kunden und kann meine Kasse etwas aufbessern“, so Habieda.

Spontan und kreativ
Auch wenn die Fitnessstudios aktuell geschlossen sind, sorgt man bei  Rückgrat Freiburg trotzdem für Bewegung – und zwar digital. Bereits im ersten Lockdown im Frühjahr hatten Rudolf Plüddemann und sein Team schnell reagiert und voll auf Internet und Co. gesetzt, das zahlt sich aktuell aus. „Wir haben seit März ein kleines Filmstudio eingerichtet, hier können wir Trainingseinheiten aufzeichnen und für jeden der Interesse hat, online stellen“, erklärt Plüddemann. Und das heißt tatsächlich für jeden. Denn auch wer kein Mitglied bei  Rückgrat Freiburg ist, kann aktuell von dem digitalen Sportangebot in Sachen Fitness profitieren. „Wir wollen, dass in diesen Zeiten jeder die Möglichkeit hat, auf unsere Angebote zurückzugreifen“, unterstreicht Plüddemann. Die Rückmeldung auf der Videoplattform Youtube ist durchweg positiv, wie Kommentare und Likes zeigen. Rund 20.000 Ansichten hat beispielsweise das von Plüddemann selbst veröffentlichte Trainingsvideo.  Ein Konzept für die Zukunft? „Wir haben uns aktuell einen großen Pool an Videos geschaffen“, so Plüddemann, „der wird nach dem Lockdown unseren Mitgliedern in einer speziellen App weiterhin zur Verfügung stehen.“ Ob es die digitalen Angebote auch noch nach dem Lockdown geben wird, will Plüddemann noch offen lassen: „Wenn der Bedarf da ist, werden wir das in Betracht ziehen. Momentan bereiten wir uns aber auf die Zeit nach dem Lockdown vor und können es kaum erwarten, bis es für uns wieder losgehen darf.“

Chancen nutzen
Für Boris Gröner und Andreas Schöler, Gründer und Inhaber der One Trick Pony Bar in Oberlinden, war 2020 ein Jahr der Höhen und Tiefen. Nach dem Lockdown im Frühjahr konnten sie fünf Monate wieder öffnen, nun ist bereits seit November wieder gähnende Leere in dem stylischen Kellergewölbe angesagt. Immerhin: Nun macht sich bezahlt, dass Gröner und Schöler bereits für schlechte Zeiten vorsorgten, als noch keiner solche vermutete. Denn schon lange vor der Pandemie pachteten sie das kleine Ladengeschäft direkt über ihrer Bar. „Wir hatten bereits damals den Plan, hier vielleicht irgendwann ein Geschäft für hochwertige Spirituosen und Barzubehör zu eröffnen“, berichtet Gröner. Doch erstmal verpachteten sie den Laden weiter, kümmerten sich vorrangig um ihre Bar. Als diese dann im Lockdown schließen musste, und der aktuelle Mieter sein Geschäft aufgab, war den beiden schnell klar, das nun der richtige Zeitpunkt für ihren kleinen Laden gekommen war: das Chin-Chin war geboren. Hier verkaufen sie nun, auch online, sowohl ihre Eigenkreationen in Flaschen abgefüllt, als auch alles andere, was man in einer Bar so braucht. Claudia Kleinhans



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