Der Unmut wächst

Ausbleibende Hilfen, unsichere Perspektiven: Viele Branchen stehen mit dem Rücken zur Wand

Die Nachrichtenlage war schon mal besser: Bundesregierung und EU haben den Impfstart reichlich verstolpert, die Virus-Mutation könnte noch für großes Ungemach sorgen, staatliche Hilfen stocken, arbeitende Eltern müssen sich um die Betreuung des Nachwuchs kümmern und verzweifeln daran nicht selten, während die Innenstädte wie ausgestorben wirken. Dass es ab dem 15. Februar zu Lockerungen für Handel und andere  Branchen kommen wird, glaubt kaum jemand. Existenzängste nehmen zu.

„Während es für die Industrie noch einigermaßen gut läuft, sind viele Dienstleister speziell auch in Freiburg, aber auch die Gastronomie, die Hotellerie, der Einzelhandel und die Veranstaltungsbranche sehr gebeutelt. Die ein oder andere Betriebsaufgabe ist uns bereits bekannt geworden und die Fragen danach, was ein Insolvenzverfahren bedeuten könnte, häufen sich“, berichtet IHK-Hauptgeschäftsführer Dieter Salomon.
Wie die Realität vieler betroffener Betriebe derzeit aussieht, machte vor einigen Tagen die Tanzschule Gutmann  publik: „Leider sind, außer einer für unsere Unternehmensgröße minimalen Abschlagszahlung, bislang keine von den im November und Dezember vollmundig angekündigten Hilfen bei uns angekommen“, hieß es unter anderem. Die getroffenen Corona-Maßnahmen könnte das Unternehmen „absolut nachvollziehen“. Für den Umgang mit dem ansonsten immer so hochgelobten Mittelstand fehle  den Geschäftsführern inzwischen jedoch jedes Verständnis. Man selber arbeite auf  Events, wenn es sein muss, auch die Nächte durch – weil es Teil des Jobs sei. Dies erwarte man nun auch von den verantwortlichen Politikern in Anbetracht der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Dass die Auszahlung der Hilfsgelder   schleppend läuft, bestätigt die IHK, die deswegen intensiv mit den Bundesministerien im Gespräch sei, um Druck auszuüben. Schnellere Hilfen könnten zumindest für Schadensbegrenzung sorgen, heißt es.

„Ein riesiges Problem“

Auch aus der Freiburger Gastronomie ist zu hören, dass staatliche Hilfen zum Teil bis dato nicht geflossen seien. Die verbliebenen Umsätze durch „to-go“-Essen beliefen sich jedoch nur auf 10 bis maximal 20 Prozent des Normalumsatzes. „Wie soll man mit diesen Umsätzen die Fixkosten decken? Wie kann man die Zukunftsperspektiven der Mitarbeiter im Betrieb sichern? Diese wandern zum Teil schon in andere Bereiche ab“, berichten die Betreiber des mexikanischen Restaurants YepaYepa. Auch dort fühlt man sich von der Politik „im Regen stehen gelassen“.
 Alexander Hangleiter, Freiburger Dehoga-Geschäftsführer, bestätigt das: „Es ist ein riesiges Problem, dass die Hilfen bei vielen immer noch nicht angekommen sind, obwohl das Wirtschaftsministerium gerne beschwichtigt. Offenbar gibt es aber technische Probleme. Dieser Missstand  muss dringend behoben werden.“
Doch wie geht es weiter?  „Planungssicherheit wäre am besten. Diese kann derzeit verständlicherweise niemand garantieren. Mit den Mutationen ist wieder alles offen und es sind keine Prognosen möglich“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Salomon. Eine schrittweise Öffnung sei aus seiner Sicht realistisch, wenn die Infektionsketten wieder nachverfolgt und unterbrochen werden könnten. Salomon geht davon aus, dass  „sich das Gesicht der Innenstädte gravierend verändern“ wird und viele Händler, Hotelliers und Gastronomen auf der Strecke bleiben werden. Alle Akteure sollten sich Gedanken machen, wie man der Verödung der Innenstädte Einhalt gebieten könne.
Sven Meyer

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