Das lange Warten

Seit Anfang November sind Bars und Restaurants geschlossen – ein Ende ist ungewiss

Ende Januar werden es rund drei Monate sein, seitdem wir alle auf Gastronomiebesuche verzichten müssen. Doch wann wird der Restaurantbesuch wieder möglich sein? In der Branche rechnet man mit einer Verlängerung des Lockdowns.

Endlich mal wieder ein frisch gezapftes Bier oder eine Lasagne, wie sie nur der Lieblingsitaliener hinbekommt – wäre das nicht schön? Wohl wenige Dinge vermissen die Menschen in Südbaden so sehr, wie die geselligen Abende in ihren Stammrestaurants und –Kneipen. Doch wie es aussieht, muss sich die Bevölkerung noch eine ganze Weile gedulden. Freiburgs Wirte rechnen mit einer Verlängerung des Lockdowns für ihre Branche. „Wir rechnen nicht damit, dass wir vor Anfang März aufmachen dürfen“, erklärt stellvertretend Toni Schlegel, der in Freiburg mehrere Hotels und Gasthäuser, darunter den „Rappen“ am Münsterplatz und das Restaurant Greiffenegg-Schlössle betreibt. Auch von Seiten des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA geht man nicht von einer Öffnung vor März aus – und auch dann nur unter Auflagen, wie etwa eine streng begrenzte Gästezahl.Alexander Hangleiter, DEHOGA-Geschäftsführer der Geschäftsstelle Freiburg, spricht von einer sehr angespannten und teils bedrückenden Stimmung. Viele Gastronomen hätten kaum die Möglichkeiten, größere Rücklagen zu bilden, die würden in Anbetracht der ungewissen Perspektive sehr nervös werden, zumal bis jetzt in den meisten Fällen noch nicht mal die Novemberhilfe ausgezahlt sei. „Wer eine einfache Gaststätte in Innenstadtlage betreibt und monatlich hohe Pacht zahlen muss, steht mit dem Rücken zur Wand. Einige warten wirklich sehr sehnsüchtig auf die Hilfe und wissen nicht mehr, wovon sie leben sollen“, weiß Hangleiter.Für das Personal kommt es knüppeldick Generell, so der DEHOGA-Boss,sei die von der Bundesregierung beschlossene „außerordentliche Wirtschaftshilfe“, wenn sie denn mal ausgezahlt würde, jedoch ein gutes Mittel – gerade vor dem Hintergrund, dass das weggefallene Weihnachtsgeschäft für die Betriebe außerordentlich schmerzlich gewesen sei. Vereinzelt gibt es sogar Stimmen, die kritisieren, die Hilfszahlungen seien zu großzügig bemessen: Dazu muss man jedoch wissen, dass staatliche Leistungen, etwa die Überbrückungshilfe oder Kurzarbeitergeld für Mitarbeiter mit der November- und Dezemberhilfe verrechnet werden. Für viele Mitarbeiter kommt es trotzdem knüppeldick, da sie zu einem guten Teil auch vom Trinkgeld leben. Das bedeutet: Gerade für das Servicepersonal stellt sich die Lage derzeit prekär dar. „Von vorzeitigen Lockerungen kann derzeit niemand ausgehen, wahrscheinlich wären sie sogar kontraproduktiv, da niemand – nach einer kurzen Zeit der Öffnung – einen dritten Lockdown erleben möchte“, so Hangleiter. Doch je nachdem, wie lange die Zwangspause noch weitergeht, steigt das Risiko, dass einige Betriebe so sehr in finanzielle Schieflage geraten, dass sie aufgeben müssen. Die von der Bundesregierung angekündigte Überbrückungshilfe III würde lediglich einen Teil der Fixkosten abdecken. „Es gibt durchaus Betriebe, die schon jetzt das letzte Tafelsilber verkauft haben und nicht mal mehr im Stande sind unseren Mitgliedsbeitrag zu zahlen. Erst heute Morgen hatte ich wieder ein Telefonat, wo auch Tränen geflossen sind“, berichtet DEHOGA-Chef Alexander Hangleiter.Multigastronom Toni Schlegel hat das Glück, über Rücklagen zu verfügen. „Es wird aber dennoch Zeit, dass endlich die versprochenen Gelder fließen und eine Perspektive erkennbar ist“, sagt er. Persönlich empfinde er einen großen „Frust“, zusätzlich treibe ihn Sorge um die Mitarbeiter um, die nur mit Kurzarbeitergeld an ihre Grenzen kämen. Dennoch malt er nicht schwarz. Sobald sich die Situation entspanne, und daran hat er keinen Zweifel, würden die Gäste zurückkommen. „Alle sehnen sich doch danach, endlich wieder auszugehen“, sagt er.Bis dahin heißt es, auf die Zähne beißen und mithelfen, das Infektionsgeschehen zu bremsen. SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach sprach jüngst Klartext: „Wenn wir den Inzidenzwert von 25 nicht unterschritten haben, werden wir die Gastronomie nicht öffnen. Wer ihnen was anderes verspricht, der verspricht Unwahres“. Es könnte also noch ein längerer Weg werden. Sven Meyer

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Ein frisch gezapftes Bier im Brauereiausschank – wer möchte das nicht? Die Sehnsucht auszugehen, ist bei vielen groß. FOTO: PR