Spontankäufe unerwünscht

Haustierboom in Zeiten von Kurzarbeit und Lockdown – auch in Freiburg sind Hunde und Katzen beliebt wie nie

Die Freiburger bleiben zu Hause und haben teilweise so viel Freizeit wie selten zuvor – dafür sorgt aktuell die Corona-Pandemie. Bei vielen wächst deshalb das Bedürfnis nach einem tierischen Begleiter durch den Alltag und die Nachfrage nach Hund, Katze und Co. ist besonders hoch. 

„Ja die Nachfrage war deutlich höher als sonst“, konstatiert Tina Majdecki vom Tierschutzverein Freiburg, der das Tierheim in Lehen betreibt, „allerdings sind das oft nicht die Interessenten, die man sich wirklich wünscht“, setzt sie etwas resigniert hinzu. Oft seien es Menschen, die sich aufgrund von Homeoffice oder Kurzarbeit spontan für ein Tier entscheiden würden, teilweise auch sehr unüberlegt. „Das weckt in uns dann stets die Befürchtung, dass das Tier schon nach kurzer Zeit wieder bei uns landet“, so Majdecki. Darum will gut Ding Weile haben. Wer glaubt, er könne ins Tierheim spazieren und sofort den süßen Welpen mit nach Hause nehmen, liegt deshalb falsch. Das Personal des Tierheims nimmt die Interessenten genau unter die Lupe, zudem gibt es bei Hunden erst mehrere Gassirunden zum Kennenlernen von Tier und Mensch. Erst dann fällt die Entscheidung.

Doch die gestiegene Nachfrage hat auch gute Seiten, wie Christian Bürgi vom Tier-Center Hochdorf berichtet, der regelmäßig Hunde aus Tierheimen in Rumänien und der Slowakei in neue Hände vermittelt. Viele seiner bisherigen „Langzeitgäste“ konnten in den vergangenen Monaten in gute Hände vermittelt werden. Auch er schaue sich die Menschen gut an, die bei ihm einen Hund vermittelt haben wollen. „Es muss auch zusammenpassen“, erklärt er, nicht jeder Hund passe in jeden Haushalt. „Da geht es um Verträglichkeit und um Temperament“, weiß Bürgi. Auch nach der Vermittlung hält er zu den neuen Besitzern Kontakt. Deshalb ist er sich sicher: „Meine Hunde bleiben auch nach der Pandemie in ihrem neuen Zuhause.“

Der Trend zum Hund ist landesweit belegbar, wie aktuelle Zahlen eines großen Haustierversicherers zeigen: „Auffallend ist, dass allein die Gesamtzahl der bei Agila-Haustierversicherung gemeldeten Hunde in Baden-Württemberg im Vergleich zum Vorjahr um rund 10 Prozent angestiegen ist“, erklärt Sven Knoop, Agila-Experte. Hunde allgemein gewinnen also im Südwesten immer weiter an Beliebtheit. „In schwierigen Zeiten erleben Menschen ihre Hunde umso mehr als Freunde und Seelsorger“, weiß der Experte.

Bei Zoo Burkart, dem Freiburger Zoofachgeschäft, merkt man von dem Boom dagegen noch nichts. Vor Weihnachten seien die Verkäufe etwas angestiegen, berichtet Tanja Burkart, aber aufs Jahr gesehen liege man auf Vorjahresniveau. Dennoch bestätigt Burkart, dass viele Kunden Käufe beispielsweise vorgezogen hätten: „Wer sich schon lange einen Hund wünscht, hatte in den vergangenen Monaten endlich die Zeit, das Vorhaben anzugehen.“ Zudem hätten die Kunden die Lockdownphasen genutzt um Gehege oder Aquarien auf Vordermann zu bringen und zu erneuern.

Tina Majdecki vom Tierheim Freiburg hat auf jeden Fall viele Interessenten unverrichteter Dinge wieder fortgeschickt. „Viele wollten auch Welpen haben, die gibt es bei uns nur höchst selten“, so die Tierschützerin. Sie kann nur vermuten, dass aktuell der illegale Welpenhandel Hochkonjunktur hat. Ähnliches vermutet auch Tanja Burkart: „Ein seriöser Züchter hat viele seiner Welpen bereits im Vorfeld vergeben, wegen Corona gibt es ja nicht mehr Würfe, Spontankäufe sind also eher etwas Seltenes.“ Deshalb wählen viele womöglich den schnellen Kauf im Internet.

Tina Majdecki und ihr Team machen sich auf jeden Fall auf eine Zunahme von ungewollten Tieren nach der Pandemie gefasst. Bleibt zu hoffen, dass diese dann wieder in ein glückliches Zuhause vermittelt werden können.

Claudia Kleinhans

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Sich eben mal schnell ein Tier anzuschaffen ist meist keine gute Idee, so ein Kauf sollte immer gut überlegt sein. Foto: Bonzami Emmanuelle