Italienische Träume

Nationalspieler in Hochform: Bringt Grifo den SC zurück in die Spur?

Am Sonntag geht es für den SC Freiburg um wichtige Bundesliga-Punkte im Heimspiel gegen Mainz. Begleitet wird die Partie von den Folgen des positiven Corona-Tests von Changhoon Kwon. Beste Laune dürfte dagegen bei Vincenzo Grifo herrschen, der von der italienischen Serie A träumt.Wer wollte nicht in einer Mannschaft spielen, deren Spieler so klangvolle Namen wie „Lasagna“ oder „d’Ambrosio“ haben? Noch dazu, wenn es das Team des eigenen Heimatlandes ist? Für Vincenzo Grifo ist dieser Traum längst in Erfüllung gegangen. Seit 2018 gehört er der italienischen Nationalmannschaft an. Die Bilanz seiner bislang vier Einsätze für Italien: vier Siege, zwei Vorlagen und nun erstmals zwei Tore. Gegen Estland erzielte er am Mittwoch in typischer Grifo-Manier das 1:0: Sein sehenswerter Fernschuss klatschte vom Innenpfosten ins Tor der Esten. Zum 4:0-Endstand steuerte Grifo außerdem einen souverän verwandelten Elfmeter bei.
Drei Tage danach erschien ein Artikel in der italienischen Sportzeitung „Gazzetta dello Sport“, in der Grifo über einen weiteren Traum sprach. Ein Traum, der sich – zum Glück für Freiburg – bislang nicht erfüllte. Denn nach wie vor liebäugelt der 27-Jährige mit einem Wechsel in die italienische Serie A. Zweimal, so Grifo, sei ein Transfer in die erste italienische Spielklasse bereits gescheitert. Als damals 18-Jährigen habe ihn Lazio Rom unter Vertrag nehmen wollen. Er lehnte nach Rücksprache mit der Familie, in deren Nähe er wohnen bleiben sollte, ab. „Ich war zu jung“, sagte Grifo. Vor einem Jahr kam dann ein Anruf aus der Toskana. „Die Fiorentina wollte mich 2019 unter Vertrag nehmen, ich spielte noch immer für Hoffenheim“, sagte er. AC Florenz verpflichtete dann Franck Ribery und Kevin-Prince Boateng, Grifo entschied sich in Deutschland zu bleiben – und fest zum SC Freiburg zu wechseln. Ganz aufgegeben hat Grifo den Traum, eines Tages im Heimatland seiner Eltern zu spielen, aber offenbar nicht. „Ich würde gerne einmal in der Serie A spielen, aber ich muss rational sein. Mit 27 Jahren verändere ich mich nur für eine echte Chance“, sagt er.
Während man sich in Italien immer noch etwas verwundert die Augen reibt über diesen Deutsch-Italiener, der bis 2018 nur den wenigsten Tifosi ein Begriff gewesen ist, kennt man Grifos Wert in Freiburg sehr genau.
Trotz der Mehrfachbelastung durch die Länderspiele schwimmt der Linksaußen auf einem sportlichen und emotionalen Hoch. Beim SC Freiburg zählte er zuletzt zu den Besten auf dem Platz und traf bereits zweimal. Dem angeknacksten Selbstvertrauen der Freiburger Mannschaft kann es nur gut tun, wenn er nun gut gelaunt wieder zum Team stößt.


Kwon in Quarantäne
Ein Stimmungsdämpfer ist dagegen der positive Corona-Test von Changhoon Kwon. Am Wochenende verließ er das Quartier der südkoreanischen Nationalmannschaft, in der sechs Spieler und zwei Betreuer positiv getestet worden waren. In Freiburg unterzog sich der 26-Jährige in Absprache mit dem Gesundheitsamt einem weiteren Coronatest. Auch dieser fiel positiv, wie der Verein am Montagabend erklärte. Kwon muss sich nun bis einschließlich 25. November in häusliche Quarantäne begeben. Dem Bundesligisten fehlt Kwon damit im wichtigen Heimspiel gegen Mainz.


Matthias Joers

Zurück