Ein paar Tote zum Jubiläum

Freiburg-Krimis werden 25 Jahre alt – Gastautor entwirft irre Zeitreisen-Handlung

So viele Jubiläen, da muss man doch auf den Putz hauen: Freiburg wird 900 Jahre alt, die Freiburg-Krimis von Renate Heyberger und Udo Marquardt erscheinen seit 25 Jahren. Das alles zusammen verlangt nach außergewöhnlichen literarischen Würdigungen. Und so ist der aktuelle Freiburg-Krimi „Die Tote aus der Playboy-Bar“ nicht nur ein hervorragender Krimi, sondern auch eine Premiere. Erstmals griff ein Gastautor zur Feder und der nahm sich dann auch noch gleich die Freiheit, den Krimiheldelden Jean-Marie Hämmerle 50 Jahre zurück in die Vergangenheit zu schicken. Damals feierte Freiburg sein 850. Stadt-Jubiläum. Und Hämmerle verliert als Zeitreisender sein Herz an eine Bar-Dame aus der sagenumwobenen Freiburger „Playboy-Bar“...
Gastautor Jörg Schöning, im wirklichen Leben Filmredakteur in Hamburg, habe den Einfall gehabt, die Zeit zurückzudrehen, so Verleger Hans-Albert Stechl: „Das ist ihm so gut gelungen, dass er uns als Gastautor herzlich willkommen war“, sagt er über den Jubiläums-Roman, der Freiburg in einer Zeit wiederauferstehen lässt, als der OB Eugen Keidel hieß, linke Studenten die Weltrevolution planten und die Wirtin Gina Wildkatze in der Playboy Bar der Inbegriff des Verruchten im ganzen Schwarzwald war.
Die Story des Romans ist so verrückt wie reizvoll: Der Zeitreisende Jean-Marie Hämmerle, der zu Beginn des Buchs eigentlich nur zum Gesundheits-Check beim Hausarzt gehen wollte, wird als Dokumentarfilmer angeheuert, um den Freiburger Jubiläumsfilm zu drehen. Und verhindert dabei nebenbei eine Verschwörung der Großindustrie, die Schlimmes mit dem beschaulichen Rheintal vorhat.
Aber auch einen „regulären“ neuen Freiburg-Krimi, verfasst vom bewährten Autorengespann Renate Heyberger und Udo Marquardt, hat Verleger Hans-Albert Stechel am Start: „Ritterspiele und Randale“ verschlägt den Leser in die Welt der Mittelalter-Freaks und Reichsbürger, ist also topaktuell, und kaltblütig gemeuchelt wird auch zur Genüge. Fast erwischt es auch Hobby-Ermittler Hämmerle, der hier seinen 14. Fall zu lösen hat, seit er 1995 die Bühne der literarischen Welt betreten hat.


Alt-OB war ganz heiß darauf,in den Krimis aufzutauchen
Jeder neue Hämmerle-Krimi sei sein aktueller Lieblingsfall, so Verleger und Jurist Hans-Albert Stechl, dessen Verlag mit den Freiburg-Krimis mittlerweile eine Gesamtauflage von 110.000 erreicht hat. Und in denen die Autoren immer darauf achten, neben ihren mehr als Karikaturen gezeichneten Protagonisten auch Figuren aus dem richtigen Leben in der Stadt einzubauen. Auf die Füße getreten sei man damit noch keinem, so Stechl. „Eher umgekehrt: Alt-OB Rolf Böhme zum Beispiel war ganz erpicht darauf, immer wieder darin vorzukommen“.
Schon der erste Band „Katzenkiller“ sei 1995 ein Erfolg gewesen, so Stechl rückblickend: „Renate Heyberger und Udo Marquardt arbeiteten vor über 25 Jahren in der Redaktion beim legendären Freiburger Lokalradio“. Danach hätten beide weiter zusammenarbeiten wollen. Und so sei eben die Idee für die Freiburg-Krimis entstanden: „Damals gab es kaum Regional-Krimis“, so Stechl. „Heute hat ja fast jeder Stadtteil einen...“ Der Hauptfigur habe man „badisch-elsässische Wurzeln“ verpassen wollen. Daher der Name Jean-Marie Hämmerle.
Hämmerle ist als Protagonist der Freiburg-Krimis übrigens nicht der einzige Ermittler, dessen Entstehungsgeschichte sich bis in die Redaktionsräume des einstigen Freiburger Senders „Radio FR1“ zurückverfolgen lässt: Auch der ehemalige FR 1-Redakteur und heutige Pressesprecher der Badenova, Roland Weis, schreibt seit Jahren Regio-Krimis, die allerdings im Hochschwarzwald spielen und bei denen der Hauptakteur ein gescheiterter Zeitungsredakteur namens Alfred ist. Gut möglich, dass die beiden auch mal einen Fall gemeinsam lösen würden, sagt Verleger Stechl: „Hämmerle ist so speziell, dass er es sich wahrscheinlich vorstellen könnte, mal mit Reporter Alfred zusammen zu arbeiten.“ Man müsste ihn aber vorher persönlich befragen...


Bernd Peters


INFO: Jörg Schöning: Die Tote aus der Playboy Bar“ (148 S.) und Renate Heyberger/Udo Marquardt: Ritterspiele und Randale (118 S.), erschienen im Sternwald Verlag in Freiburg, je 10.80 Euro.

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