Gelebter Lokalpatriotismus

Der zweite Lockdown trifft viele Geschäfte hart – Jeder Einkauf ist auch ein Zeichen der Solidarität

Vereint gegen das Ausbluten der Innenstadt: Viele Freiburger Geschäfte leiden immens unter den wirtschaftlichen Pandemiefolgen. Eine neue Initiative appelliert nun an den Lokalpatriotismus der Menschen.Man stelle sich vor, die Pandemie ist irgendwann vorbei, doch in der Freiburger Innenstadt stehen reihenweise Geschäfte leer. Dieses Szenario treibt gerade viele, die dem Handel nahestehen, um. Der zweite Lockdown hat den Einzelhandel kalt erwischt – auch wenn diesmal die Geschäfte offen bleiben dürfen. Zwar sind beim Einkauf coronakonform alle Hygieneauflagen umgesetzt, doch viele Kunden bleiben fern. Aus diesem Grund hat die Aktionsgemeinschaft „z’Friburg in der Stadt“ die „Kauf lokal“-Kampagne ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Menschen zu sensibilisieren.
„Wir haben seit Monatsbeginn Frequenz-Rückgänge um die 50 Prozent in der Innenstadt“, berichtet Lena Sutter-Kiefer, die im Vorstand der Händler-Aktionsgemeinschaft sitzt. „Insolvenzen sind leider ein realistisches Szenario. Dadurch, dass wir schon mal einen Lockdown hatten, sind die Reserven bei vielen aufgebraucht. Vermutlich wird es daher sogar unvermeidlich sein, dass einige für immer schließen“, erklärt sie.
Im Rahmen der Kampagne wollen die Händler deutlich machen, dass jeder Freiburger letztlich von einem gesunden Handel profitiert: So würden in der Innenstadt sehr viele Arbeits- und Ausbildungsplätze wegfallen, wenn die Leute dauerhaft nicht mehr kämen. Indirekt hängen zudem auch Branchen wie Gastronomie und Handwerk daran. Und natürlich zahlt der Handel Gewerbesteuer, von der die Allgemeinheit profitiert, zum Beispiel indem davon Spielplätze gebaut werden. „Mit der Kampagne ,Kauf Lokal’ möchten wir die Leute dafür sensibilisieren, dass sie, wenn sie ihre eigene Stadt unterstützen wollen, dies am besten durch den Einzelhandel tun“, betont Sutter-Kiefer.
Natürlich sei der Onlinehandel aktuell der große Profiteur, weil einfach viele Leute zu Hause blieben und von dort aus bestellen würden, so die Handelssprecherin. „Was viele aber nicht wissen, ist, dass auch viele Freiburger Geschäfte hervorragende Online-Shops haben. Auch da bekommt man die Ware bequem nach Hause geliefert, unterstützt aber gleichzeitig Menschen vor Ort“, erklärt Lena Sutter-Kiefer, die selbst ein Geschäft für Schreibwarenbedarf führt. Mit einem gemeinsamen Internetauftritt soll den Freiburgern die Idee, von zu Hause aus lokal einzukaufen, nähergebracht werden.


Hoffen auf den Dezember
Doch natürlich ersetzen diese Einkäufe nicht das stationäre Geschäft. Peter Spindler, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Südbaden, spricht von einer „sehr schwierigen Situation“. Sollte der sogenannte „Lockdown Light“ in den Dezember verlängert werden, wäre dies „katastrophal“. Spindler betont, dass Gesundheitsschutz oberste Priorität habe, der Handel setze jedoch alles um, um ein sicheres Einkaufen zu gewährleisten. „Ein belebteres Weihnachtsgeschäft im Dezember wäre schon sehr wichtig. Wir alle hoffen, dass wir da noch ein bisschen was aufholen können. Dafür müsste natürlich auch die Gastronomie wieder aufmachen, denn viele Leute verbinden nun mal das Einkaufen mit einem Cappuccino oder einem Mittagessen“, weiß Lena Sutter-Kiefer.


Sven Meyer


Mehr Informationen gibt es unter: www.freiburg-zeit.de/kauf-lokal

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