Bewegende Zeiten

Vom Trimm-Dich-Pfad im Wald zur Sportstadt mit vielfältigem Angebot: In 50 Jahren hat sich viel getan in Freiburg

Von 63 Sportvereinen mit rund 26.000 Mitgliedern in den 70er Jahren auf aktuell 175 Sportvereine mit inzwischen 93.000 Mitgliedern: Sport in Freiburg ist populär wie nie zuvor. Und vor allem ist er vielfältiger denn je. Dazu tragen gleichermaßen die Vereine, die Fitnessstudios und die Stadt Freiburg bei. Ein Rückblick auf ein halbes Jahrhundert Freiburger Freizeitsportgeschichte.18 Fitnessstudios in Freiburg sind aktuell über Google zu finden. Als Rudolf Plüddemann, Inhaber der Rückgrat-Fitnessstudiogruppe, in den 80er Jahren hier in Freiburg sein Studium begann, gab es nur ein einziges, wie er sich erinnert: „Das war eine echte Muckibude in der Nähe der Schwabentorgarage, die später in den Bahnhof umzog“, erzählt er. Den Ruf der Hantel-Hölle für Muskelprotze haben die Studios inzwischen längst hinter sich gelassen. „Statt der Ästhetik und der Kraft ist inzwischen vermehrt der gesundheitliche Aspekt in den Vordergrund gerückt“, erklärt Plüddemann.
Seien in den 90ern, als Plüddemann sein erstes Fitnessstudio eröffnete, erst rund drei Prozent der Menschen regelmäßig in ein Fitnessstudio gegangen, seien es inzwischen zehn Prozent, die regelmäßig trainierten – und das quer durch alle Altersgruppen. Als Konkurrenz zu den etablierten Sportvereinen sieht sich Plüddemann nicht: „Das ist kein Gegeneinander sondern ein Miteinander“, unterstreicht er, „viele Vereinssportler gehen gleichzeitig bei uns trainieren.“
Ähnlich sieht das auch Walter Hasper von der Freiburger Turnerschaft 1844. Weder Fitnessstudios noch andere Vereine sieht er als Konkurrenten, im Gegenteil: „Je mehr Sport die Menschen treiben, umso besser, egal wo“, so Hasper. Es war 1978, als er Geschäftsführer beim Traditionsverein wurde. Er blickt mit Stolz zurück auf mehr als 40 Jahre Vereins- und Sportgeschichte in Freiburg. „Ende der 60er und in den 70er Jahren begann der Freizeitsport in der Gesellschaft Fuß zu fassen“, weiß Hasper, „dazu trug auch maßgeblich die Kampagne der Bundesregierung und des DOSB rund um die Trimm-Dich-Pfade bei.“ Gab es früher noch wenige Sportvereine, mit Freizeitsportangeboten, habe sich deren Zahl dann rasant nach oben entwickelt. Die zunehmende Anzahl an Menschen, die Schreibtischtätigkeiten nachgingen, hätten für weiteren Zulauf gesorgt. „In den 80ern hat sich dann so etwas wie eine alternative Bewegungskultur entwickelt, Spiel und Spaß, das gemeinsame Erleben von Sport wurde immer wichtiger“, so Hasper. Inzwischen bietet die FT 1844 Angebote vom Säugling bis zur Seniorin. „Wir haben eine Infrastruktur aufgebaut, die für einen Verein doch recht einzigartig ist“, unterstreicht Hasper. Zu Recht: Die FT besitzt nicht nur mehrere eigene Hallen, auch für Angebote des Freizeitsports, auch ein eigenes Schwimmbad, Fitnessstudio sowie Grundschule und verschiedene Kitas bietet der Verein.


Sportliche Räume abseits etablierter Strukturen
Dass dieses Glück nicht alle haben, weiß Michael Thoma vom Sportreferat der Stadt Freiburg: „Allgemein kann gesagt werden, dass sich die Zahl der Sporthallen in Freiburg zwar nach oben verbessert hat, jedoch angesichts der sportwilligen Freiburger Bürger und der wachsenden Zahl der Bevölkerung noch immer Sporthallen fehlen. Freie Hallenzeiten sind nach wie vor eine begehrte Ressource.“
Nicht nur deshalb wird auch immer mehr Raum für Sport jenseits der etablierten Vereins- und Studiostrukturen geschaffen. Zunehmend wollen Menschen ganz individuell Sport betreiben. „Abseits von den klassischen Sportanlagen wurden in diesem Jahr besondere Bewegungsanlagen gebaut: zum Beispiel das Parcouring im Dietenbachpark, die Street-Workoutanlage im Seepark, der Pumptrack in Zähringen, der Skatepark im Dietenbachpark und zuletzt der Bewegungspark im Sternwald“, so Ulrike Hegar, Leiterin des Sportreferats der Stadt Freiburg.
Zusätzlich gebe es in jedem Stadtteil Möglichkeiten für die Bevölkerung informell Sport zu treiben, beispielsweise an zahlreichen Tischtennisplatten, auf Beachvolleyballanlagen, Bolzplätzen oder Grünflächen. Bewegung ist beliebt, weiß Hegar, daher würden in neue Stadtteile oder bei deren Umgestaltung solche Freiflächen für Sportbegeisterte immer mit eingeplant.

Claudia Kleinhans

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