„Dann wird es ganz schwierig“

Was würde ein erneuter Lockdown für die Wirtschaft bedeuten? IHK-Hauptgeschäftsführer Dieter Salomon im Interview

Herr Salomon, bislang ist die südbadische Wirtschaft mit einem blauen Auge davon gekommen. Nun steigen die Corona-Fallzahlen wieder an. Was würde ein erneuter Teil-Lockdown für Auswirkungen auf die Wirtschaft haben?Dieter Salomon: Ein zweiter Lockdown oder auch nur ein teilweiser Lockdown würde in vielen Branchen, die durch die Maßnahmen im Frühjahr schon geschwächt sind, nicht mehr zu verkraften sein. Ich glaube, weder Deutschland noch unsere Region könnten sich einen zweiten Lockdown leisten, ohne langfristig wirtschaftlichen Schaden zu nehmen.

An welche Branchen denken Sie da?

Salomon: Beispielsweise an die Hotellerie und Gastronomie, aber auch an große Teile des Einzelhandels sowie die Event- und Messebranche. Alle, die da dran hängen wie Messebauer oder Schausteller, stehen jetzt schon mit dem Rücken zur Wand. Diese Branchen leben davon, dass Menschen zusammenkommen und sich dabei wohl fühlen. Sollte es wirklich nochmal zu einem Lockdown kommen, wird es ganz ganz schwierig.

Welche Maßnahmen sollten Ihrer Meinung nach jetzt ergriffen werden, um einen zweiten Lockdown für die Wirtschaft zu vermeiden?

Salomon: Wir können eigentlich nur hoffen, dass diese verschärften Maßnahmen, die nun beschlossen wurden, wirken und die Inzidenzzahl wieder runtergeht. Je vernünftiger und rücksichtsvoller sich die Menschen verhalten, desto wahrscheinlicher ist es, einen Lockdown zu vermeiden. Diesen Zusammenhang sollten eigentlich alle Menschen verstehen. Es geht ja bei diesen Maßnahmen auch darum, dass Schulen, Kindergärten und Universitäten weiter geöffnet sein können.

Droht eine Insolvenzwelle?

Salomon: Für denkbar halte ich das durchaus. Die Frage ist eher, wie groß diese Welle sein wird. Die Soforthilfe-Maßnahmen, die die Bundes- und Landesregierung im Frühjahr eingeleitet haben, waren wirkungsvoll, in dem Sinne, dass sie geholfen haben, die Durststrecke zu überwinden. Wenn nun aber nochmal sehr harte Maßnahmen kommen sollten und das Pandemiegeschehen das öffentliche Leben lahm legt, werden das einige angeschlagene Unternehmen wirtschaftlich nicht überleben. Wenn man Merkels Botschaft „Bitte bleiben Sie zu Hause“ ernst nimmt, bedeutet das, dass man nicht mehr unbeschwert auswärts essen gehen oder im stationären Handel einkaufen gehen kann. Das hat für diese Branchen Auswirkungen.

Wäre eine erneute vorübergehende Schließung der Grenzen zu unseren Nachbarstaaten verkraftbar?

Salomon: Ich bin froh, dass es nur singuläre Stimmen aus der Politik waren, die dies gefordert haben. Die Grenzschließungen im Frühjahr hatten sehr negative Konsequenzen und haben viel Vertrauen zerstört. Wir hier am Oberrhein – und das gilt für alle Seiten – profitieren wirtschaftlich extrem von der Durchlässigkeit der Grenzen. Daher sollte allen daran gelegen sein, die Grenzen offen zu halten.

Wie erleben Sie persönlich bisher das Pandemie-Jahr, was macht Ihnen in diesen Zeiten Hoffnung?

Salomon: Ich erlebe gerade zum zweiten Mal in diesem Jahr, dass sich mein Terminkalender auf seltsame Weise und mit steigendem Tempo leert. Reale Meetings und Dienstreisen werden gerade alle abgesagt, dafür nehmen die Online-Meetings zu. Das betrübt mich, denn das hatten wir schon mal. Was mir Hoffnung macht ist, dass wir aus der ersten Welle gelernt haben und besser wissen, wie man mit dem Virus umgeht und welche Maßnahmen uns schützen. Interview: Sven Meyer

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