„Alle im Verein sind traurig“

Für den Bau einer neuen Eishalle ist aktuell kein Geld da, sagt die Stadt: Was sagt EHC-Präsident Michael Müller?

Die Stadt hat die Pläne für eine Multifunktionsarena auf der Messe auf Eis gelegt. 68 Millionen Euro Baukosten seien in Corona-Zeiten nicht finanzierbar, sagt das Rathaus. Dem EHC Freiburg, für dessen Eishalle 2024 die Betriebserlaubnis endet, läuft die Zeit davon. Präsident Michael Müller spricht sich im Interview mit Matthias Joers für ein Investorenmodell aus.

Die Stadt sagt, dass eine neue Eishalle derzeit nicht finanzierbar ist. Welche Reaktionen haben Sie daraufhin erhalten?

Müller: Alle im Verein sind traurig. Für uns geht es nun darum, den Dialog aufrecht zu erhalten. Wir drängen darauf, die Planungen weiterzuführen und eine kaufmännische Lösung zu suchen.

Braucht es kreativere Wege bei der Frage der Finanzierung?

Müller: Ja. An der Messe gäbe es tolle Rahmenbedingungen. Es muss ja kein Investorenmodell mit irgendwelchen Läden sein. Vielleicht schafft man es, innovative Unternehmen mit einer guten Gastronomie anzusiedeln.

Hat die Stadt Mannheim gezeigt, wie es geht? Dort finanzierte die Firma SAP die 2005 eröffnete Halle und erhielt dafür die Namens- und teilweise auch Nutzungsrechte. Die Stadt bezahlt die Arena 30 Jahre lang ab, danach gehört sie ihr ganz.

Müller: Das wäre ein Weg. Dietmar Hopp (SAP-Gründer) hat der Stadt die Halle ja nicht geschenkt. Er hat in einer Hochzinsphase von 5 bis 7 Prozent entschieden, die jährlichen Zinsen zu bezahlen. Aktuell ist die Zinsphase bei fast 0 Prozent. Die Stadt bekäme günstiges Geld, also muss man etwas drum herum bauen.

Kennen Sie Investoren, die bereit wären, in Freiburg mitzumachen?

Müller: Ja, es sind Investoren da. Aber es ist zu früh, darüber zu reden. Es braucht jetzt eine Machbarkeitsstudie für die Finanzierung. Was kann der EHC bezahlen, was geht mit Hilfe von Sponsoren, wie kann man eine Drittvermarktung erreichen? Wer käme als Bierbrauer in Frage, wer als Energieversorger? Zu was wäre die FWTM bereit? Und: Was kann die Stadt finanziell leisten? Wenn sie im Jahr 2 Millionen Euro zuschießen könnte, sähe die Welt schon ganz anders aus.

Auch viele Ratsfraktionen sagen, dass noch nicht genug Informationen auf dem Tisch liegen.

Müller: Dann muss man genau da weitermachen. Man muss den Dialog suchen. Was ist denn die Alternative? Zumachen? Sollen wir dann auch das Augustinermuseum schließen, Bäder und Theater? Wir können doch nicht alles zumachen in Freiburg.

Was stellen Sie sich konkret vor?

Müller: Nur mal angenommen, Sie bekommen da einen Apple Store oder einen Amazon-Shop rein. Wenn es gelingen würde, das so zu integrieren, dass es eine clevere Lösung wird, wäre das eine gute Sache. Jedenfalls besser, als etwas zuzumachen.

Wie stehen Sie zur Idee einer Finanzierung über ein Crowdfunding?

Müller: Grundsätzlich ist das denkbar. Aber es muss eine tragfähige Lösung her, so dass der EHC als Verein überleben kann und es einen Mehrwert für die Bürger gibt.

2021 soll erneut entschieden werden. Die Bürgermeister sagen aber auch, jetzt auf das „Prinzip Hoffnung“ zu setzen. Ist das genug?

Müller: Das Prinzip Hoffnung ist schon in Ordnung. Aber dann muss man die Zeit jetzt nutzen. Auch wir im Vorstand müssen uns erst darüber klar werden, wie wir mit der Situation umgehen. Die Gespräche laufen.

Andere Städte bauen weit günstigere Eishallen, z.B. Bietigheim, für angeblich 20 Millionen Euro. Die Stadt Freiburg sagt, solche Zahlen seien unrealistisch. Ist Bauen hier so viel teurer?

Müller: Ein Aspekt, der die Kosten in die Höhe treibt, ist das Ziel, eine Multifunktionshalle zu bauen. Wenn ich mir das leisten kann, ist das gut. Wenn nicht, sollte man es sein lassen. Hinzu kommt: Wenn die öffentliche Hand baut, ist das in vielen Bereichen sehr gut, aber in technischer Hinsicht oft übertrieben. Die baulichen Vorgaben für die öffentliche Hand sind häufig mit sehr hohen Kosten verbunden.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass die Betriebserlaubnis für die alte Echte-Helden-Arena über 2024 hinaus verlängert werden kann?

Müller: Da müssen Sie einen Statiker fragen. Die Stadt tut ihr Möglichstes. Ich hätte es gerne anders: Wir haben den Neubau jetzt technisch untersucht. Der nächste Schritt wäre zu prüfen, welche finanziellen Mittel man generieren kann. Ich gebe dem Gemeinderat absolut Recht. Es sind noch sehr viele Fragen offen.

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