Freiburg im Alarm-Modus

Stadt wappnet sich für gefährliche Phase: Zahl der neuen Corona-Infektionen nähert sich einem kritischen Wert

Corona und kein Ende… Virologen haben steigende Zahlen an Neuinfektionen für den Herbst vorhergesagt und genau das tritt derzeit ein. Die Stadt Freiburg ist deshalb in Alarmbereitschaft, wie Oberbürgermeister Martin Horn am Montag erklärte. Eine Verschärfung der Maßnahmen scheint nur eine Frage von Tagen zu sein. Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz ist der Wert, auf den alle schauen. Er sagt aus, wie viele Menschen in der untersuchten Region in sieben Tagen neu erkrankt sind, und zwar nicht in absoluten Zahlen, sondern bezogen auf jeweils 100.000 Einwohner der Region. „Wir bereiten uns als Stadt darauf vor, dass wir bald die 7-Tages-Inzidenz von 35 Infizierten auf 100.000 Einwohner überschreiten. Zu den Maßnahmen, die dann ergriffen werden, kann auch das verpflichtende Tragen einer Mundnasen-Bedeckung im öffentlichen Raum und strenge Obergrenzen, was private Zusammenkünfte im öffentlichen und privaten Raum betrifft, gehören“, erklärt René Funk, der Leiter des Amtes für öffentliche Ordnung in Freiburg. Funks Amt steht im regelmäßigen Austausch mit dem Gesundheitsamt, um die Anpassung der Maßnahmen zu beraten. Am heutigen Mittwoch tagt der Krisenstab erneut.
Das einzig Positive scheint derzeit zu sein, dass sich die Dynamik der Corona-Neuinfektionen viel langsamer als im Frühjahr verhält. Derzeit verdoppeln sich die Fallzahlen nur alle 14 Tage, zur Hochphase im März waren es alle 3,5 Tage. Ein Grund zur Entwarnung ist dies trotzdem nicht, wie Hajo Grundmann, Institutsleiter für Infektionsprävention an der Uniklinik erläutert: „Wenn es so weitergeht, hätten wir an Weihnachten im reinen Stadtgebiet rund 230 Fälle pro Tag. Das entspricht dann einer Zahl von 700 Neuinfektionen pro Woche pro 100.000 Einwohner. Gegenwärtig sind wir bei 27. Das wird auch für unsere Kliniken und Intensivstationen eine große Herausforderung“, so der Mediziner. Und trotz vieler Fortschritte: Eine sicher heilende Therapie gibt es nach wie vor nicht.
Das Dramatische an der Situation sei, dass derzeit nicht absehbar ist, wie die Gesellschaft die Ausbreitung in den Griff bekommen könnte. „Aus der Bevölkerung heraus sind derzeit keine Verhaltensänderungen ersichtlich. Motor der Verbreitung sind die Kontakte. Das Sinnvollste wäre es, diese Kontakte konsequent auf ein Minimum zu beschränken. Es würde sich schon positiv auswirken, wenn wir unsere täglichen ungeschützten Kontakte um 50 Prozent reduzieren könnten“, betont Grundmann.


Regelmäßige Kontrollen
Jede Form von Kontakten birgt ein potenzielles Risiko. Der Vollzugsdienst führt daher regelmäßig Gaststätten-, Frisör- und Einzelhandelskontrollen durch. Es gibt einige wenige schwarze Schafe, was mit entsprechenden Bußgeldern geahndet wird. „Die Mehrzahl verhält sich aber vorbildlich“, so Amtsleiter Funk. Was jeder Gastronomiebesucher wissen muss: Auch Gäste müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn sie sich im Lokal abseits des zugewiesenen Platzes bewegen. Wer dies nicht einhält, erhält ein Zutrittsverbot.
Wie geht’s nun weiter? „Mein Eindruck ist, dass die Infektionen weiter stark steigen werden, zumal im Winter weniger gelüftet und in Innenräumen weniger Abstand gehalten wird“, sagt Funk. Eine Besserung, so vermutet er, werde erst im Frühjahr eintreten, und vor allem, wenn eine Impfung verfügbar sei. „Bis dahin, davon bin ich überzeugt, wird der 7-Tage-Inzidenz-Wert in ganz Deutschland über 50 steigen“, so Funk. Schöne Aussichten sind das nicht, aber – auch wenn man Hajo Grundmanns Aussagen sieht – realistische.

Sven Meyer



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