„Mehrfach Gespräche angeboten“

Interview: Baubürgermeister Martin Haag über fertige Straßen am Stadion und den Rechtsstreit um Abendspiele

Parkplätze für Autos und Busse, Fuß- und Radwege, ein Boulevard und die neue Suwonallee – in 18 Monaten Bauzeit hat die Stadt das neue SC-Stadion fertig erschlossen und fast alle Straßen freigegeben. Im Interview mit Matthias Joers spricht Baubürgermeister Martin Haag darüber, aber auch über den Rechtsstreit um die Anstoßzeiten.

Welche Bedeutung hat die neue Suwonallee für die Stadt ?

Martin Haag: Zunächst mal ist die Suwonallee die Erschließungsstraße für das neue SC-Stadion. Insofern freue ich mich riesig, dass sie jetzt freigegeben werden kann. Die Freigabe dokumentiert auch den Abschluss der Bauarbeiten. Aber es ist sehr viel mehr: Wir geben auch die Parkplätze frei, den Busbahnhof und den Fußgänger-Boulevard, der von der Straßenbahn bis zum Stadion geht. Das ganze Stadionumfeld ist eigentlich fertig. Insofern ist das ein wichtiger Tag in Richtung Stadion.

Aber es ist schon so, dass die Suwonallee nicht nur dem Stadion zugute kommt? Das war ja immer das Argument der Stadt, um an die Zuschüsse des Landes für den Bau des Stadions zu kommen.

Haag: Ja. Die Straße hat viele Aufgaben. Sie erschließt auch die 11. Fakultät der Universität. Die Technische Fakultät wächst und wächst, es werden ständig neue Institutsgebäude gebaut. Darüber freuen wir uns sehr. Und: die Suwonallee als Verbindungsachse zwischen Madison- und Granadaallee wird die Elsässer Straße im Stadtteil Mooswald entlasten und auch die Hermann-Mitsch-Straße sowie die Tullastraße.

Ungewöhnlich ist, dass der Kostenrahmen für die Erschließung nicht nur eingehalten, sondern sogar unterschritten worden ist.

Haag: Das ist gar nicht ungewöhnlich. Es wird nur selten darüber berichtet, wenn die Kosten eingehalten werden, sondern immer nur dann, wenn sie überschritten werden. Wir halten in den allermeisten Projekten die Kosten ein. Hier war es nur ganz besonders wichtig, weil wir unter starker Beobachtung standen – durch den Bürgerentscheid und durch die Bürgerproteste, die es im Vorfeld ja gab. Man hatte uns prophezeit, dass der Wolfsbuck, den wir zum Teil abtragen mussten, ein Kostengrab werden würde. Das ist alles nicht eingetreten – im Gegenteil: hier haben wir die Kosten sogar deutlich unterschritten.

Was bleibt ist das juristische Geplänkel. Aktuell besteht aus Lärmschutzgründen ein gerichtliches Nutzungsverbot für Bundesliga-Abendspiele im neuen Stadion. Sind Sie im Rückblick zu optimistisch gewesen, dass Sie diese juristischen Probleme gelöst bekommen?

Haag: Wir haben momentan eine Situation, mit der wir natürlich nicht zufrieden sind und an der wir arbeiten. Aber ich glaube schon, dass es richtig war, an diesen Standort zu gehen. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass so ein Stadion in der Stadt steht, das die Leute zu Fuß und mit dem Fahrrad erreichen können. Wir können nicht etwas bauen wie in Hoffenheim, wo das Stadion auf der grünen Wiese an der Autobahn steht. Das wäre zwar auch ein Stadion, aber keines, das zu Freiburg gepasst hätte. Jetzt haben wir eines, das zu Freiburg passt. Und ich bin weiterhin optimistisch, dass wir diese juristischen Fragen noch geklärt kriegen. Ich würde mir natürlich wünschen, dass wir das in Gesprächen mit den Nachbarn klären können. Das haben wir auch mehrfach angeboten. Das wäre natürlich das Allerbeste. Aber wenn nicht, werden wir das auch auf anderem Wege schaffen.

Und wann geht es hier nun los mit Fußball vor vielen Zuschauern?

Haag: Da fragen Sie mal am besten die Corona-Pandemie. Ich hoffe, dass das möglichst bald der Fall sein wird. Bis wir aber 35.000 Zuschauer im Stadion haben werden, wird wohl noch viel Zeit vergehen. So ehrlich müssen wir, glaube ich, sein.

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