„Wenige Minuten können entscheidend sein“

Repressiv oder notwendiger Selbschutz? An den geplanten Schlagstöcken für den kommunalen Vollzugsdienst scheiden sich die Geister

Trotz heftiger Kritik aus den Reihen des Gemeinderats und von verschiedenen Jugendorganisationen werden die insgesamt 15 Männer und Frauen des kommunalen Vollzugsdienst in Freiburg ab Anfang November mit Schlagstöcken ausgerüstet. Claudia Kleinhans hat mit Ramon Oswald, dem Leiter der Truppe, über seine Arbeit und die hitzige Diskussion gesprochen.

Herr Oswald, was steckt hinter der etwas sperrigen Bezeichnung „Vollzugsdienst der Polizeibehörde“?

Ramon Oswald: Wir sind ein gemeindlicher Vollzugsdienst (GVD) und haben dieselben Rechte. In Freiburg ist es aber so, dass der GVD für den ruhenden Verkehr zuständig ist und wir als Vollzugsdienst (VD) der Polizeibehörde uns seit 2017 um sonstige Ordnungsstörungen, sei es Lärm, Müll oder Ähnliches, kümmern.

Wie sieht Ihre Arbeit und die Ihrer Kollegen aktuell aus?

Oswald: Momentan sind wir am Wochenende bis 6 Uhr morgens auf Streife. Im Sommer unter der Woche bis 2 Uhr. Wir arbeiten präventiv, mahnen bei Ruhestörungen beispielsweise in Gaststätten, schlichten Streit. Wir sind Ansprechpartner, der Schutzmann um die Ecke.

Kommt es dabei regelmäßig zu Bedrohungslagen?

Oswald: Während unseres Dienstes kann es immer wieder zu unvorhergesehenen Situationen kommen. Es kann jederzeit alles passieren. Als Beispiel sei der psychisch auffällige Mann genannt, der vor einiger Zeit mit einem Messer durch die Freiburger Innenstadt unterwegs war. Hier waren wir zur Stelle und haben eingegriffen. Übrigens ein Exempel, warum alleine Pfefferspray manchmal nicht ausreicht: Der Mann war auch mit zwei Dosen nicht zu stoppen und lief weiter.

Anfang November soll der VD mit Schlagstöcken ausgerüstet werden. Die Debatte dazu lief vor allem auf den Sozialen Netzwerken sehr hitzig ab...

Oswald: Wir hatten schon länger den Wunsch geäußert, wie landesweit üblich, zum Eigenschutz mit Schlagstöcken ausgerüstet zu werden. Es ging vor allem darum, das persönliche Sicherheitsgefühl der Kolleginnen und Kollegen zu stärken. Das sind alles Leute, die Familie zuhause haben, die gesund zu ihrem Mann oder ihrer Frau zurück wollen. Manche der Aussagen in den Sozialen Netzwerken haben uns hart getroffen. Wir halten hier Abends regelmäßig unseren Kopf hin. Sowas kratzt dann auch an der Motivation.

Haben die Krawalle in Stuttgart oder die „Black lives Matter“- Bewegung mit dem Fokus auf Polizeigewalt bei dem Wunsch nach der Ausstattung mit einem Schlagstock auch eine Rolle gespielt?

Oswald: Nein, die Diskussion gab es bei uns schon länger, sie kam bereits im Sommer vergangenen Jahres auf.

Nun heißt es oft, der VD solle in solchen Situationen die Kollegen von der Polizei kontaktieren...

Oswald: Natürlich ist unser erster Schritt, dass wir die Kollegen der Landespolizei hinzurufen. Es gilt jedoch die Zeit bis zum Eintreffen der Kollegen zu überbrücken. Und hier zählt im Sinne des Selbstschutzes jede Sekunde für uns. Wenn mich jemand mit einer abgebrochenen Flasche angreift, muss ich ihn abwehren können.

In der Debatte wurde kritisiert, die Ausrüstung mit einem Schlagstock wirke repressiv und drehe die Gewaltspirale nach oben. Wie beurteilen Sie die Lage?

Oswald: Wir sind ganz klar auf Deeskalation und Anti-Konfliktraining geschult. Das ist unser Freiburger Weg. Wir suchen immer zuerst das Gespräch. Pfefferspray oder den Schlagstock würden wir nur zur Selbstverteidigung einsetzen.

Haben Sie dafür ein spezielles Training durchlaufen?

Oswald: Bereits während unserer zweijährigen Ausbildung wurde die Handhabung des Schlagstocks regelmäßig geübt und auch jetzt haben wir weiterhin Trainingseinheiten. Das ist nichts, was man mal schnell übers Knie bricht.

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