Händler sauer wegen Profibettlern

Tut das Rathaus zu wenig gegen professionelle Bettler? Freie Wähler werfen OB Horn Verharmlosung des Problems vor

Profi-Bettler sorgen seit geraumer Zeit in der Innenstadt für Unmut bei den ansässigen Händlern. Durch einen Brief an das Rathaus und eine Replik von Oberbürgermeister Martin Horn ist das Thema aktuell zum Politikum geworden.„Wir haben alles fotografiert, das Problem ist alles andere als erledigt!“ Jochen Simko vom Antiquariat Nonnenmacher in Freiburg ist sauer: immer wieder campieren mutmaßlich aus Osteuropa stammende Profibettler im Umfeld des Geschäfts in der Bertoldstraße. Zusammen mit einem weiteren Händler hat er einen Brief ans Rathaus initiiert und Missstände aufgezählt: Hinterlassene Essenreste und zurückgelassene Matratzen in Abwasserschächten gehören dazu. Aber auch Fäkalien in Hauseingängen. Täglich, so der Brief ans Rathaus, könne man den Bettelprofis dabei zuschauen, wie sie sich morgens für ihren Arbeitstag organisieren und abends zur Abrechnung und Einzahlung der Tageseinnahmen wieder treffen. Spätestens ab 20 Uhr abends sei das Bettlerlager im Bereich zwischen Stadttheater und der Stadtbahnbrücke am Hauptbahnhof gut bevölkert. „Mit den entsprechenden Hinterlassenschaften“, so Simko. Und: „Das geht seit Monaten so. Vom Ordnungsamt heißt es zwar, das Thema sei erledigt, aber das stimmt nicht: Sie sind jeden Tag da. Es hängt einem zum Hals raus. Und die Polizei fühlt sich nicht zuständig.“
Das ist sie auch nicht in erster Linie, wie Polizeisprecher Özkan Cira betont: Zunächst einmal seien Probleme mit Bettlern eine Sache des Gemeindevollzugsdienstes. „Die Polizei wird in der Regel dann verständigt, wenn durch den Vollzugsdienst oder andere Zeugen Straftaten festgestellt werden – beispielsweise Hausfriedensbruch. Zu weiteren Einsätzen der Polizei kam es aufgrund interner Streitigkeiten in diesem Milieu“, so Cira.


Verwaltung nimmt das Thema „sehr ernst“
Simkos Brief Ende Juli haben zahlreiche Geschäftsleute und Anwohner mit unterzeichnet. Anfang September hat Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) geantwortet und eingeräumt, dass das Problem dem Rathaus seit Ende 2019 bekannt sei. Bettelbanden seien in Freiburg ja bereits seit 2005 verboten, zumal durch die Profis wirklich bedürftige Personen von ihren Stammplätzen vertrieben würden.
Doch die Profibettler würden sich nicht um Platzverweise und Verbote kümmern und gegenüber „Streetworkern“ allenfalls versuchen, ihren Bedarf an Markenkleidung und Sportschuhen geltend zu machen. Horns Brief hat nun die Freien Wähler im Stadtrat in Rage gebracht, die dem OB basierend auf seiner Antwort vorwerfen, er verharmlose die Probleme, schließlich würden von den Gruppen strafbare Handlungen wie Diebstahl und weitere Ordnungswidrigkeiten begangen. Man wolle nun im Detail wissen, was die Stadt dagegen tut.
Dem hält Rathaussprecher Sebastian Wolfrum entgegen, dass die Verwaltung das Thema „sehr ernst“ nehme: Der Gemeindevollzugsdienst gehe jeder einzelnen Beschwerde nach, immer wieder würden Hausverbote erlassen und Zwangsmaßnahmen angedroht, nahezu täglich gebe es Kontrollen, illegale Lagerstätten würden aufgelöst und Ordnungswidrigkeiten kämen zur Anzeige. Ein Problem: Durch „großzügiges Spenden“ sei es eben attraktiv für die betroffenen Personen, in Freiburg zu „arbeiten“, so Wolfrum.
Jochen Simko ist trotzdem entrüstet: „Es ist nichts passiert, sie sind immer noch da.“ Horns Antwort sei „ein Witz“. Man wolle sich aber nicht länger von der Stadt vertrösten lassen. Und er betont: Gegen „richtige“ Bettler habe keiner was. Aber durch die Bettler-Camps werde Hausrecht gebrochen, und das sei eben eine ganz andere Sache.

Bernd Peters

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