Digitalisierung: Quo vadis Freiburg?

Wie smart ist die Green City und welchen Einfluss hatte Corona auf den aktuellen Stand in Stadt und Unternehmen?

8,3 Millionen Euro an Fördergeldern fließen in den kommenden fünf Jahren in den „Urbanen Datenraum“, genauer die „Connected Urban Data Architecture“ (CUDA), ein Basisprojekt der Freiburger Digitalisierungsstrategie. Damit ist Freiburg Modellstadt im Programm „Smart Cities 2020“. Grund genug, einmal nachzuhaken, wie es um die Digitalisierung in Freiburg, speziell in Bezug auf die Wirtschaft, eigentlich bestellt ist.

Das sagt die Stadt Freiburg
Mit dem Urbanen Datenraum wolle die Stadt Freiburg die Grundlage für die Digitalisierungsstrategie der kommenden Jahre schaffen, erklärt Bernd Mutter, Digitalisierungsbeauftragter der Stadt Freiburg. Hier werden in Zukunft alle digitalen Fäden zusammenlaufen – und dann einiges möglich machen, zum Beispiel ein 3D-Stadtmodell, Mobilitätssteuerung oder Bürgerbeteiligung. „Hieraus sollen sich außerdem neue Anwendungen für Tourismus oder Wirtschaft entwickeln“, ergänzt Mutter.
Vorbehaltlich der Zustimmung des Gemeinderats will die Stadt Freiburg bis 2026 rund 18,5 Millionen Euro plus Folgekosten in ihre im vergangenen Jahr beschlossene Digitalisierungsstrategie investieren. Allein in den Urbanen Datenraum werden in den kommenden fünf Jahren zusätzlich zur Förderung weitere 4,5 Millionen Euro fließen. In Sachen Infrastruktur sieht man aber durchaus noch Nachholbedarf, wie Mutter bestätigt. „Wir haben keine flächendeckende Versorgung von 5G und auch bei der Breitbandversorgung ist noch Luft nach oben – vor allem beim Glasfaserausbau“, so der Digitalisierungsbeauftragte, „wir halten den weiteren Ausbau der Infrastruktur von Breitband und Mobilfunk für erforderlich und sehen hier noch Perspektiven für Verbesserungen.“


Das sagt das Digihub Südbaden
Julia Mohrbacher ist Leiterin des Digihub Südbaden. Hier finden kleine und mittlere Unternehmen einen Ansprechpartner, wenn sie Hilfe bei der Digitalisierung benötigen. „Wir beraten bei vielen verschiedenen Fragestellungen, vernetzen mit Experten, bieten eine kostenlose und neutrale Erstberatung“, erklärt Mohrbacher. Gerade in den Anfangszeiten des Corona-Lockdowns sei die Nachfrage nach Hilfe und Beratung groß gewesen. „Vor allem ging es bei vielen Firmen natürlich darum, wie man Homeoffice schnell und stabil auf die Beine stellen kann“, so Mohrbacher.
Einen Zwischenstand bezüglich der Digitalisierung zu geben, fällt Mohrbacher schwer, die Bandbreite sei einfach zu groß. „Von der kleinen Schreinerei, die die Digitalisierung nutzt um nachhaltiger zu wirtschaften, bis zum großen Mittelständler, der vieles noch per Post macht, ist hier in der Region alles dabei“, stellt sie fest. Häufig wüssten Unternehmen nicht, wo sie genau ansetzen können, welche Fördermittel man beantragen und an welchen Stellschrauben man drehen könne. „Schlusslicht sind wir aber mit Sicherheit nicht“, unterstreicht sie. Sehr viele Unternehmen seien bereits sensibilisiert und auf einem guten Wege. Das Stadt-Land-Gefälle in Sachen Infrastruktur sei aber ein großer Klotz am Bein für jene, die Richtung Digitalisierung schritten. Hier sieht man beim Digihub Südbaden, das auch weit über die Region Freiburg hinaus tätig ist, durchaus noch großen Handlungsbedarf.


Das sagt die IHK
„Bei vielen Unternehmen in der Region hat die Corona-Krise einen Digitalisierungsschub ausgelöst“, berichtet André Olveira-Lenz, Leiter des Geschäftsbereichs Innovation und Umwelt bei der IHK Südlicher Oberrhein, „man war gezwungen zu handeln.“ Zudem habe der Lockdown offengelegt, wo es noch Nachholbedarf gebe, beispielsweise in Sachen Homeoffice. „Als die Pandemie begann, herrschte an vielen Stellen natürlich erst einmal großes Chaos“, so Olveira-Lenz. Hunderte Anfragen täglich erreichten die IHK Südlicher Oberrhein in dieser Zeit. „Hier gab es sehr große Fortschritte“, konstatiert Olveira-Lenz, „aktuell können sicher die meisten Unternehmen, bei denen Homeoffice möglich ist, auch aus der Ferne den Betrieb aufrechterhalten.“ Was Produktionsprozesse in Unternehmen betreffe, herrsche seiner Meinung nach aber aktuell eher Stagnation. „Bedingt durch Umstände der Corona-Krise wie mangelnde Auftragslage und Kurzarbeit haben hier überwiegend keine großen technologischen Sprünge, wie beispielsweise bei der Vernetzung von Maschinen sowie der Datennutzung für neue Geschäftsmodelle, stattgefunden“, schildert Olveira-Lenz die Lage. Aber viele Unternehmen in der Produktion und vor allem auch in der Dienstleistung seien sehr kreativ geworden und hätten zusätzliche digitale Dienstleistungen angeboten.
Der von der Stadt geplante Urbane Datenraum hat laut Olveira-Lenz bei der IHK Südlicher Oberrhein großes Interesse geweckt und eine Kooperation mit der Stadt bewirkt: „Das könnte Grundlage für neue, datengetriebene Geschäftsmodelle für Unternehmen sein oder auch den Behördenkontakt erleichtern.“

Claudia Kleinhans

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