Haferboom im Milchregal

Warum man Milchersatzprodukte weniger als Konkurrenz, denn als Ergänzung sehen sollte

Hafer-, Mandel- oder Sojadrinks erobern die Supermarktregale – auch in Freiburg. Die Schwarzwaldmilch ist mit einer Tochterfirma seit Frühjahr ebenfalls im Segment vertreten. Was bedeutet der Boom für die Milchbauern der Region?Keine Milchalternative hat derzeit mehr Fans als Haferdrinks: Gut 34 Millionen Liter davon verkauften Lebensmittelhändler und Drogeriemärkte 2018 – eine Verdoppelung im Vergleich zu 2016.
Auch die Black Forest Nature GmbH, eine Tochter der Schwarzwaldmilch, ist seit dem Frühjahr mit einer Haferdrink-Produktlinie in den Supermarktregalen zu finden. Andreas Schneider, Geschäftsführer der Schwarzwaldmilch begründet die Entscheidung so: „Aufgrund der sich verändernden Ernährungsgewohnheiten und der Zunahme an Flexitariern und Veganern war es für uns wesentlich, dass wir uns mit diesem Thema auseinandersetzen. Wir haben uns dann entschieden, den Verbrauchern mit Haferdrinks ein Produkt aus der Region zu bieten.“ Für Schneider sind die Milchersatzprodukte weit mehr als nur eine kurze Laune der Kundschaft: „Das Segment sehen wir nicht als Modeerscheinung, sondern als stabilen Trend – unsere Marke ’Velike!’ ist für uns ein neues, innovatives Standbein“, unterstreicht er. Die ’Velike!’ Bio Haferdrinks stoßen bei den Kunden auf sehr positive Resonanz. Das bemerken auch die Lebensmittelhändler.
Christian Deutscher, von der Pressestelle der Edeka Südwest-Gruppe bestätigt den Trend: „Wir stellen grundsätzlich ein gestiegenes Kundeninteresse an Alternativen zu Milch, zum Beispiel Haferdrinks, fest. Die Anzahl an angebotenen Artikeln ist im Lauf der letzten Jahre stetig gestiegen, ebenso die abgesetzte Menge.“ Laufen die Milchersatzgetränke der herkömmlichen Milch den Rang ab? Und was würde das für die vielen Milchbauern in der Region bedeuten?
Dorothea Mayer vom Jungbauernhof in Kirchzarten hält 20 Milchkühe plus Nachzucht auf 33 Hektar Grünland, die Hälfte davon in Steillage. Sie produziert Bio-Heumilch für die Schwarzwaldmilch. „Ich kann nachvollziehen, dass Konsumenten, die zu Allergien neigen oder sich einfach gesund und vegan ernähren möchten, Alternativen zu tierischen Produkten suchen. Ich sehe im Grunde keinen Widerspruch, dass eine Molkerei diese Nachfrage bedient – schließlich sind die technischen Voraussetzungen und Vermarktungswege bereits vorhanden und die gewonnene Wertschöpfung auf der einen Seite kann die Einbußen auf der anderen unter Umständen ausgleichen“, bewertet sie die Situation, „für die viehhaltenden Bauernhöfe in der wunderschönen und vielseitigen Landschaft des Schwarzwaldes mit ihren kleinen Tälern und steilen Hängen wird es aber nicht einfacher und rentabler wenn der Verbraucher auf Hafermilch umsteigt.“
Ähnlich sieht das auch Rainer Bank vom Thaddäushof in Kirchzarten. Er hält aktuell 22 Milchkühe und bringt einen weiteren Aspekt zur Sprache: „Auch die Landschaft des Schwarzwaldes profitiert von der Milchviehaltung, sie verhindert die Verbuschung und Verwaldung.“ Dass viele Verbraucher auch die Tierhaltung kritisch sehen, könne er zwar verstehen, doch für Bank ist klar: „Meinen Tieren geht es gut, ich sage immer, sie sind meine Mitarbeiter auf vier Beinen.“
Dass es dem Verbraucher vor allem um Nachhaltigkeit, Ethik, Gesundheit und Körperästhetik geht, kann auch Anja-Katharina Theobald aus der Praxis für Ernährungstherapie und Supervision bestätigen. Die Diplom-Oecotrophologin erlebt auch in ihrem Beratungsalltag, dass mehr Menschen auf tierische Produkte verzichten wollen. Milchersatzprodukte, wie zum Beispiel Haferdrinks könnten eine gute Alternative sein, meint die Ernährungsexpertin. Geht es nach den Inhaltsstoffen, hätten beide Seiten ihre Vor- und Nachteile, so Theobald: „Die herkömmliche Milch hat eine bessere Proteinqualität und Calcium vorzuweisen. Haferdrinks hingegen enthalten weniger Kalorien und gesättigte Fettsäuren.“ Als gleichwertigen Milchersatz sieht sie die Trinkprodukte aus Nüssen, Getreide beziehungsweise Soja zwar nicht, wohl aber als sinnvolle Ergänzung.
Bei der Schwarzwaldmilch sieht man sich auf jeden Fall im Kurs der Tochterfirma bestätigt, weitere Drinks sind in Planung, wie Andreas Schneider bestätigt: „Bereits Anfang Oktober können die Verbraucher auf zwei weitere ’Velike!’-Produkte zurückgreifen – und zwar auf einen frischen Bio Haferdrink im Kühlregal in den Sorten Mandel und Calcium. Darüber hinaus sind für das Jahr 2021 weitere Neuheiten geplant.“
Dennoch weiß Schneider: „Milchprodukte sind auch in Zukunft nicht wegzudenken. Als Schwarzwaldmilch haben wir mit LAC, Weidemilch, Bio-Milch und Bio-Heumilch zukunftsfähige Produktlinien etabliert und sehen weiterhin viel Potenzial in diesen Mehrwertkonzepten mit regionaler Herkunftsgarantie.“



Claudia Kleinhans

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