Eine Schnellstraße für Radfahrer

Der RS 6 soll der erste Radschnellweg werden, der Freiburg mit den nördlichen Gemeinden verbindet

Eine eigene, durchgängig 3 bis 4 Meter breite Trasse für Fahrradfahrer-Pendler soll in Zukunft Freiburg mit den Gemeinden Denzlingen, Emmendingen und Waldkirch verbinden. Im Herbst beginnt die Öffentlichkeitsbeteiligung für den Radschnellweg, Ende 2021 soll der endgültige Trassenverlauf feststehen. Alle Beteiligten sprechen von einer kniffligen Aufgabe. Freiburgs Fahrradfahrer sind es gewohnt, auf den Rad-Vorrang-Routen FR 1 (Dreisamradweg) oder FR 2 (Güterbahn-Radweg) zügig das Stadtgebiet zu durchqueren. Der RS 6 sei im Vergleich dazu von „ganz anderer Qualität“, sagt Georg Herffs, leitender Verkehrsplaner der Stadt Freiburg. Der 26 Kilometer Radschnellweg sei eher vergleichbar mit herkömmlichen Straßenbauprojekten, so Herffs. Mit all den planerischen Schwierigkeiten. So verwundert es nicht, dass als Baubeginn das Jahr 2027 angegeben wird. Nur einzelne Teilabschnitte könnten schon vorher fertig sein.


12.000 Radfahrer am Tag
Bei einer Radtour ließen sich Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn, dessen Amtskollegen der Umlandgemeinden sowie Bundes- und Landtagsabgeordneten die Pläne vorstellen. Fünf Kilometer der Ypsilon-förmigen Trasse liegen im Freiburger Stadtgebiet. Allein dafür betragen die geschätzten Kosten zehn Millionen Euro. „Die Dimensionen des RS 6 sind enorm“, sagt Horn. Der größte Brocken liegt beim Regierungspräsidium Freiburg (RP), das die 21 Kilometer nach Denzlingen, Waldkirch und Emmendingen plant. Allein die Planung verschlingt 1,4 Millionen Euro, 1,1 Millionen Euro zahlt das Land. Die genaue Trassenführung ist noch ungewiss – so steht noch nicht fest, wo genau sich die Route hinter Gundelfingen aufteilen soll. Im Herbst soll die Bürgerbeteiligung starten, Ende 2021 die endgültige Trassenvariante feststehen.
Wie notwendig bessere Radwege für Pendler sind, erfuhr Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer am eigenen Leib auf dem Weg zum Treffpunkt in Gundelfingen. Die Anfahrt sei „ein Spießrutenlauf“ gewesen, sagt sie. Enge Kurven, eine unübersichtliche Verkehrsführung und Querungen von Autostraßen prägen heute die ausgeschilderten Radwege raus aus der Stadt. Dabei wird die Strecke schon heute viel genutzt: bei 12.000 Radfahrern am Tag liegt das Potenzial der Strecke laut einer Machbarkeitsstudie. Damit belegt sie von allen geplanten Radschnellwegen in Baden-Württemberg den Spitzenplatz. Die Rad-Schnellstraßen sollen nicht nur dem Klimaschutz dienen, sondern auch dem E-Bike-Boom Rechnung tragen. „Die Elektro-Mobilitätswende findet bisher nicht auf vier Rädern statt, sondern auf zwei“, sagt OB Martin Horn.
Ob der RS 6 aber wirklich ein Vorzeige-Schnellweg nach holländischem Vorbild wird, bleibt abzuwarten. Die Kriterien für Radschnellwege sind klar definiert: 3 Meter breit sollen sie sein, mit Gegenverkehr 4 Meter, auf Landwirtschaftswegen 5 Meter und in Kombination mit Fußgängerwegen sogar 6 Meter breit. Die Route soll kreuzungsfrei sein und geringe Steigen aufweisen. „In Reinkultur werden wir das nicht schaffen“, sagt Projektleiter Martin Laufer vom RP.
Auf Freiburg sieht Verkehrsplaner Georg Herffs auch Schwierigkeiten bei der Planung zukommen: etwa die alten Baumbestände zwischen Burgdorfer Weg und Hinterkirchstraße oder die geplante Querung der Habsburgerstraße. Bei aller Euphorie gibt er zu Bedenken, die anderen Verkehrsteilnehmer, „gerade Fußgänger“ nicht zu vergessen. Auch Oberbürgermeister Martin Horn rechnet mit „kniffligen Entscheidungen“. Ein gutes Omen gibt es: Im September wird ein neuer Radwegplaner seine Arbeit für die Stadt aufnehmen. „Er ist Holländer“, sagt Horn.

Matthias Joers
„Die Elektro-Mobilitätswende findet bisher nicht auf vier Rädern statt, sondern auf zwei“
Martin Horn, Oberbürgermeister der Stadt Freiburg

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