Ein kleines Stück Gartenglück

Schrebergärten sind beliebt wie nie – die Chance, einen zu bekommen, ist in Freiburg aber gering

Von wegen Gartenzwerge und Spießertum: Die Schrebergärten sind ihren unverdienten Ruf endlich losgeworden und erleben in Zeiten von Corona ein furioses Comeback. Die Gartenparzelle ist gefragt wie schon lange nicht mehr. Auch in Freiburg ist die Nachfrage hoch – doch das Angebot ist überschaubar.„Fünf bis zehn Jahre auf die Warteliste oder Sie bringen jemanden um“, Klaus Faist ist Vorsitzender des Vereins der Gartenfreunde der Kleingartenanlage Freiburg-Weingarten e.V. und nimmt den Ansturm auf die Schrebergärten seines Vereins mit Humor. 28 Plätze sind in dem schön gelegenen Gebiet an der Bugginger Straße zu vergeben. In der Nähe locken der Dietenbachsee und ein Abenteuerspielplatz. „Die Nachfrage ist riesig“, so Faist, und durch Corona sei es noch mehr geworden. „Wir könnten hier locker 50 Gärten mehr verpachten“, stellt Fais klar. Frei wird ein Garten nur selten: „Nur wenn jemand stirbt oder aus beruflichen Gründen, das kommt aber selten vor“, schildert der Kleingärtner die Situation.


Wer einen hat, will ihn nicht wieder hergeben
„Aktuell gibt es in Freiburg insgesamt 3.522 Gartenparzellen. 412 davon verpachtet die Stadt über das Garten- und Tiefbauamt (GuT) direkt, 3.110 indirekt über die insgesamt 13 Kleingartenvereine per Generalpacht“, erklärt Toni Klein von der Pressestelle der Stadt. Allein auf der Warteliste für die städtischen Anlagen stehen zur Zeit rund 400 Personen, die Vereine führen zudem ihre eigenen Wartelisten. Jutta Herrmann-Burkart ist Abteilungsleiterin Grünflächen im GuT und muss auch den Bewerbern für die städtischen Gärten leider jede Hoffnung nehmen. „Aktuell werden keine neuen Bewerber aufgenommen“, stellt Herrmann-Burkart klar, „für jeden, der jetzt noch nachrückt, würde das eine Wartezeit von rund zehn Jahren bedeuten.“ Dass die Parzellen so beliebt sind, liegt nicht zuletzt an den doch überschaubaren Kosten. „Wir von der Stadt nehmen in etwa den Durchschnitt an Pacht, das sind rund 48 Euro im Jahr“, so die Kleingartenverwalterin.
„Unsere Warteliste ist mehr als voll“, das bestätigt auch Siegfried Schmelzer vom Verein der Gartenfreunde Freiburg-Wonnhalde e.V. „Die Anfragen haben seit Corona explosiv zugenommen“, schildert er die aktuelle Lage, „anfangs, im März und April, war es noch gar nicht so wild, doch dann stieg die Nachfrage massiv an.“ Für Schmelzer liegt der Grund klar auf der Hand: „Die Leute sind durch unser Gartengelände gelaufen und haben gesehen, dass man sich hier mit genug Abstand frei bewegen kann“, so Schmelzer, „das war für viele sehr verlockend.“ Deshalb herrscht hier momentan ebenfalls Aufnahmestopp: Nichts geht mehr. „Auf unserer Warteliste sind noch so viele Bewerber, das reicht für zwei bis drei Jahre, ohne dass ein Neuer hinzukommt“, erklärt Schmelzer, „es nutzt doch nichts, wenn wir jetzt 1.000 oder 2.000 Leute auf die Warteliste setzen und sagen, in 75 Jahren bekommt ihr einen Garten“, scherzt Schmelzer.
So sieht das auch Andrea Kiss, Vorsitzende des Vereins der Gartenfreunde Freiburg-Moosacker e.V.. Auch wer einen der 95 Gärten ihres Vereins ergattern will, muss jede Menge Geduld mitbringen: „Auf unserer Warteliste stehen auch mehr als 50 Leute, das dauert Jahre bis etwas frei wird.“ Fakt ist, wer erstmal einen Schrebergarten hat, der gibt ihn so schnell nicht wieder her. „Wenn die Leute nicht umziehen oder sterben wird nichts frei“, so Kiss.


Claudia Kleinhans


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