90 Jahre stets bergauf

Die Schauinslandbahn feiert einen runden Geburtstag – einst galt sie als technische Sensation

Als sie an den Start ging, sorgte sie weltweit für Schlagzeilen: Eine Umlaufseilbahn mit Fahrgästen, das gab es bis dahin noch nicht. Zwei Rekorde von einst hält sie nun schon 90 Jahre: Die Schauinslandbahn in Freiburg ist die älteste Umlaufseilbahn der Welt im Personenbetrieb. Und sie ist die längste Bahn dieses Bautyps in Deutschland. Am 17. Juli 1930 ging sie in Betrieb. Eine große Party zum 90. Geburtstag gibt es wegen der Corona-Pandemie nun aber trotzdem vorerst nicht. Die Bahn ist ein Industriedenkmal und als solches mehr und mehr eine Attraktion für Freiburg geworden. Die Fahrgastzahlen sind in den vergangenen zehn Jahren von 210.000 auf 365.000 im Jahr in die Höhe geschnellt. Die letzten großen Modernisierungsarbeiten liegen sieben Jahre zurück, damals bekam die Bahn neue Tragseile spendiert, die wohl noch rund 40 Jahre halten werden: Die Bahn ist nicht nur spektakulär, sie gilt auch als sicheres Verkehrsmittel zwischen dem Dörfchen Horben, wo die Talstation bei knapp unter 500 Meter über dem Meer liegt, und dem Gipfel des Bergs auf Freiburger Gemarkung auf einer Höhe von 1.284 Meter.
Auf einer Strecke von rund 1.900 Meter Länge überwindet die Bahn rund 700 Höhenmeter. Der Blick aus jeder der 38 großräumigen Gondeln (1930 startete die Bahn mit zehn Gondeln, in jeder saß ein Schaffner!), die seit über 30 Jahren ihren Dienst zuverlässig versehen, ist mindestens so spektakulär wie die Sonne auf dem Gipfel bei Inversionswetterlage, wenn die Stadt im Nebel versinkt. Bis zu 700 Passagier pro Stunde können in den besonderen Genuss einer Fahrt mit der Bahn kommen, Platz für Fahrräder gibt es obendrein.
Betrieben wird die Bahn von den Freiburger Verkehrsbetrieben VAG, deren Chefs Stephan Bartosch und Oliver Benz sie derzeit wirkungsvoll als „Urlaub vor der Haustür“ anpreisen. Betriebsleiter Günter Voigt, der die Bahn seit rund drei Jahrzehnten in- und auswendig kennengelernt hat, kennt alle Vorteile dieses besonderen Verkehrsmittels: Man könne, so Vogt einst, „den Vöglein ins Nest schauen“ auf der Fahrt, aber eben auch Erlebnis und Abenteuer suchen, beispielsweise im Besucherbergwerk auf dem Schauinsland. Oder bei einer halsbrecherischen Abfahrt mit dem Tretroller, auf der längsten Strecke dieser Art in ganz Europa. Dass der Berg ein Wander- und Ski-Paradies ist und gastronomisch einiges zu bieten hat, versteht sich von selbst.


Eigentlich als reines Verkehrsmittel geplant
Gedacht war die Bahn im späten 19. Jahrhundert, als die Planungen begannen, indes noch als reines Verkehrsmittel, das dann aber von der Verbreitung des PKW bald überholt und zur Gästeattraktion umgemünzt wurde, die heute unter Denkmalschutz steht. Nicht nur die Gebäude, auch die sieben mächtigen Metallstützen der Bahn sind mittlerweile 90 Jahre alt. Und ein Ende ist zum Glück nicht abzusehen. Zumal, wie Freiburgs parteiloser Oberbürgermeister Martin Horn unlängst betont hat, eine Fahrt mit der Bahn nur etwa ein Sechzigstel CO2 produziert im Vergleich zur Bergfahrt mit dem Auto. Was in einer Öko-Metropole wie Freiburg ja auch ein gutes Argument ist.


Bernd Peters

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