Der Anpfiff ist vertagt

Zwei Stadien, viele offene Fragen: Wie der SC Freiburg mit der Ungewissheit plant

Oliver Lekis Laune könnte schlechter sein. „Ich bin ganz guter Dinge“, sagt der Finanzvorstand des SC Freiburg. In Lekis Rücken ragt das Hauptgebäude des neuen Stadions des Fußball-Erstligisten empor. Irgendwo da drinnen liegt sein künftiges Büro. Auch SC-Pressesprecher Sascha Glunk weiß schon, wo sein neuer Arbeitsplatz sein wird – ein Büro „mit Blick auf den Rasen“ wird es werden. Wenn es doch nur schon fertig wäre. Oder doch nicht?


Start mit 20 bis 30 Prozent?
Die zurückliegenden Monate haben so manches durcheinander gewirbelt auf der Baustelle draußen am Flugplatz. „Durch die Coronakrise hatten wir einen Zeitverlust hinzunehmen“, sagt Leki. Vor allem der Innenausbau hinkt hinterher. Der ursprüngliche Fertigstellungstermin im Sommer 2020 wurde längst ad acta gelegt. Jetzt heißt es, im Dezember könnten die Baufirma Köster und ihre Subunternehmer fertig werden. Nur offiziell sagt das niemand. „Eine Prognose ist zum aktuellen Zeitpunkt schwer, da sich innerhalb weniger Wochen viel verändern kann“, sagt Leki. Dann ist da noch die alles überwölbende Frage, die Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag stellt: „Niemand kann uns heute genau sagen, wann wir dieses Stadion mit 35.000 Zuschauer brauchen werden“. Schuld hat auch hier Corona.
Nach den Geisterspielen der vergangenen Runde sollen nach dem Willen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) die Fans in die Stadien zurückkehren – und zwar „angepasst an das lokale Infektionsgeschehen“, heißt es im Konzept der DFL. „Ein Start mit 20 bis 30 Prozent der Kapazität, die sukzessive ausgebaut werden könnte, wäre sicher ein guter Anfang“, sagt Leki auf die Frage, wie sich der SC Spiele mit Zuschauern vorstellen kann. In das alte, 24.000 Zuschauer fassende Schwarzwald-Stadion, das der SC vorerst weiter nutzen wird, dürften nach Lekis Rechnung zunächst maximal 7.200 Fans Einlass bekommen. In Stein gemeißelt ist das aber nicht. Den Dauerkartenverkauf hat der SC dennoch gestoppt – „weil nicht absehbar ist, wann wir diese Saison wieder mit voller Kapazität spielen können“, sagt Leki.
Das letzte Wort werden ohnehin die lokalen Gesundheitsbehörden haben. Das für Freiburg zuständige Gesundheitsamt will sich aber noch nicht dazu äußern, unter welchen Voraussetzungen die Fans wieder ins SC-Stadion dürfen. „Die Gespräche mit dem SC Freiburg und dem Gesundheitsamt finden erst noch statt“, erklärt Matthias Fetterer, Pressesprecher im Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald. Gedankenspiele gibt es viele: Bei Borussia Dortmund denkt man an verschiedene Zeitfenster für Ein- und Auslass der Fans ähnlich der Flughafen-Abfertigung. Und DFB-Präsident Fritz Keller brachte in der Badischen Zeitung Corona-Massentests für Fans ins Gespräch: „Es muss einen Weg geben, über Tests wieder eine gewisse Normalität zu erlangen“, sagte Keller. Für Baden-Württembergs Sportministerin Susanne Eisenmann dagegen kämen „Stadionbesuche mit möglichst vielen Zuschauern Anfang September allerdings eindeutig zu früh“.
Finanziell immerhin geht es dem Verein gut. Während Aufsteiger VfB Stuttgart staatliche Hilfe beantragt hat, habe sich der SC dagegen entschieden, erklärt Leki. Was aber fehlt ist ein Name für das neue Stadion. „Die Corona-Krise hat den Vermarktungsprozess gestoppt“, sagt Leki. Das Namensrecht für das Stadion sei „mit das wichtigste Sponsoring-Paket. Aber wir sind in guten Gesprächen“, sagt Leki. Wenigstens in dieser Frage will der Verein bald Vollzug melden.

Matthias Joers
Weitere aktuelle Bilder von der Stadionbaustelle sehen Sie auf Seite 10.

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