Ein letzter Tanz

Vor dem letzten Heimspiel gegen Schalke stellt der SC erste personelle Weichen

Ein Spiel noch, dann ist die Bundesliga-Saison 2019/20 für den SC Freiburg Geschichte. Trotz verpasster Europa League ist die Stimmung vor dem Heimspiel gegen die Schalker Knappen (15.30 Uhr/Sky) gut. Auch in personeller Hinsicht hat sich bereits etwas getan. Bleibt die Frage, wie die Mannschaft künftig aussieht.Dem verpassten Sprung auf das internationale Parkett werden sie beim SC Freiburg wohl nicht allzu lange nachtrauern. „Heute sind wir extrem enttäuscht“, sagte Christian Streich direkt nach der 1:3-Niederlage in München und dem Verpassen der Europa-League-Plätze. „Wir waren so vermessen zu sagen, dass wir hier gewinnen wollen“, so der 55-Jährige über den eigenen Anspruch. Doch obwohl der SC-Trainer im Nachgang überraschend deutlich über das Saisonziel Europa sinnierte („Wir wollten alles“), richten sich einen Spieltag vor Ende der Saison bereits die Augen auf die nähere Zukunft. Und die sieht für den SC auch ohne Europa-Abenteuer recht vielversprechend aus.


16-Jähriges Talent von Paris St. Germain verpflichtet
So konnte die Klubführung personell in der Vorwoche wichtige Weichen stellen. Erst verlängerte Rechtsverteidiger Lukas Kübler (27) seinen Vertrag, tags darauf folgte Mittelfeldspieler Amir Abrashi (30). Den einen, Kübler, adelte SC-Vorstand Jochen Saier als „Stabilitätsfaktor für den Defensivverbund“. Und Abrashi bringe laut Sportdirektor Klemens Hartenbach eine Energie mit, die „für unsere Mannschaft und ihr Gefüge sehr wichtig“ sei. Kurzum: Zwei Personalien, die den Kader in der Breite stärken.
Denn genau diese Tatsache, dass „wir vom Personal breiter aufgestellt waren“, so Streich, sei eine der Erfolgsfaktoren dieser Runde gewesen.
Keine Abstiegsnöte, und mindestens Platz neun in der Abschlusstabelle: Weitere Gründe für die „tolle Saison“ seien die gute Entwicklung der Mannschaft, die vergleichsweise wenigen Verletzten, „eine herausragende Arbeit“ des medizinischen Stabs und eine im „Großen und Ganzen sehr stabile“ Mannschaftsleistung mit guten individuellen Entwicklungen, so der SC-Coach.
Mit Blick auf die neue Saison sprach der Freiburger Trainer auch über die nachrückende Generation: den Wolfsburger Neuzugang Luca Itter, der seit dem 10. Spieltag fast immer im Kader gestanden hatte und in München zum dritten Mal in dieser Saison eingewechselt wurde. Und über die SC-Eigengewächse Lino Tempelmann und Yannick Keitel, die dem SC-Trainer zufolge in den letzten Wochen sehr gut trainiert hätten. Nur eine Muskelverletzung beim Warmmachen direkt vor Anpfiff hatte Tempelmanns Einsatz in München verhindert. Statt dessen spielte Yannick Keitel, „der die Bundesliga wirklich packen kann“, so Streich: „Ich habe große Hoffnungen, dass wir uns von den Jungs für die Zukunft etwas versprechen können“. Es wächst also etwas zusammen beim SC. Und Freiburg tut viel dafür, dass das so bleibt: Für die Nachwuchsteams der Freiburger Fußballschule nahm der Verein gerade das 16-jährige Defensivtalent Gloire Bunga Capitao unter Vertrag. Der U16-Kapitän des französischen Serienmeisters Paris St. Germain wagt den Sprung zum Sportclub, von dem er sich eine bessere Perspektive als vom Millionenklub PSG erhofft.
Alles rosig also beim SC? Noch nicht: Samstag um 15.30 Uhr folgt ein letzter Tanz gegen Schalke. „Wir haben noch ein Spiel“, sagt Christian Streich, „das wollen wir unbedingt gewinnen“.

Matthias Joers

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