Verhängnisvoller Trend

Feldberg-Ranger schlägt Alarm: Mikro-Abenteurer sind ein Fluch für die geschützte Natur

Die Abenteuerlust lockt: Mini-Auszeiten brauchen weder viel Zeit noch Vorbereitung und kosten auch kein Geld. Außerdem liefern sie effektvolle Bilder fürs Internet. Der Trend zu „Microadventures“ begeistert immer mehr junge Leute und treibt Naturschützern die Sorgenfalten auf die Stirn. Denn die Spontantouristen gefährden bedrohte Tierarten. „Wir sehen uns momentan einem Trend gegenüber, der mir etwas die Sorgenfalten auf die Stirn treibt“, berichtet Feldberg-Ranger Achim Laber. Das Problem sind die sogenannten Microadventures. Die Idee dahinter: Ein kleines Abenteuer in der Natur erleben, ohne dafür weit zu reisen und viel Geld auszugeben. Hat man einen reizvollen Spot ausgemacht, packt man ein Zelt ein, vermutlich einige Biere und zieht mit Freunden los. Diese kleinen Abenteuer sind eine Modeerscheinung, die durch schöne Fotos in den sozialen Netzwerken immer weiter angefacht wird. Dabei gehen die Abenteuerhungrigen, wie im Fall des Feldbergs und anderer Schwarzwaldziele, auch den Schutzgebieten zu Leibe. Oft ist es so, dass schöne Aussichtspunkte gleichzeitig auch Naturschutzgebiete sind. Das trifft nicht nur für den höchsten Berg des Schwarzwalds zu, sondern auch auf andere Gipfel wie den Belchen, den Schauinsland, das Herzogenhorn oder wilde Orte wie die Wutachschlucht.
Es gibt momentan kein Wochenende, an dem diese Orte nicht von überwiegend jungen Menschen belagert werden. „Sie sind ausgerüstet unter anderem mit guter Fotoausrüstung, um bei ihren Instagramfollowern Eindruck zu machen, die dann am folgenden Wochenende ähnliche Abenteuer erleben wollen“, berichtet Laber. Corona hat diesen Trend noch verstärkt, da die Campingplätze bis vor kurzem geschlossen waren.
„Richtig problematisch wird es, wenn die Leute in den Naturschutzgebieten auch noch während der Brut- und Aufzuchtzeit übernachten“, weiß Laber. Im Feldberggebiet betrifft dies vor allem die Auerhühner, deren Bestand stark gefährdet ist. „In diesen Gebieten muss es einfach ruhig sein, sonst ist das Auerhuhn weg“, betont der Ranger. „Auch dem Bergpieper, der sein einziges Vorkommen in Deutschland außerhalb der Alpen bei uns auf dem Feldberg hat, können wir gerade beim Aussterben zugucken“, erklärt er.
Müll und Fäkalgeruch an schönen Aussichtspunkten können weitere Folge dieser neuen Freizeitaktivität sein. Nicht umsonst ist das wilde Campen in Deutschland rechtlich stark eingeschränkt. „Wir sind ein kleines Land mit vielen Menschen, da muss man andere Maßstäbe anlegen als beispielsweise in Schweden, mit seinen unendlichen Weiten“, wirbt der Ranger um Einsicht.
Da der Trend sämtlichen Naturschutzgedanken zuwider läuft und zudem noch strikt illegal ist, versuchen Achim Laber und seine Kollegen den Wildcampern Herr zu werden. „Wir gehen jetzt regelmäßig Streife: morgens und abends. Dabei bekommen wir Unterstützung durch die Polizei. Wen wir illegal zeltend dort erwischen, dem droht eine kostenpflichtige Verwarnung oder ein Bußgeldverfahren.“

Sven Meyer

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