Endlich! Kitas öffnen wieder

Ab diesem Montag: Rückkehr zur Normalität für viele Freiburger Kinder und Jugendliche

Nach mehr als drei Monaten im Notbetrieb soll es ab kommenden Montag wieder voller werden in den Kitas und Schulen der Stadt. Auch wenn die Freude über die Öffnung überwiegt, bleiben dennoch viele Fragen offen.Beim Gesamtelternbeirat Freiburg herrschen trotz anstehender Öffnung gemischte Gefühle vor. Sprecher Simeon Stephan ist die Erleichterung über den kommenden Regelbetrieb zwar anzumerken, dennoch sieht er noch viele Baustellen, die es zu beackern gelte. So sei aktuell beispielsweise der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz ausgesetzt, „der muss unbedingt zurück kommen“, so Stephan. Auch bei den Elternbeiträgen und hinsichtlich der Betreuungszeiten gäbe es noch einiges nachzuarbeiten. Trotzdem: „Wir sind froh, dass es nun endlich wieder losgeht“, unterstreicht der dreifache Vater. Allerdings hätten viele Eltern sich diesen Schritt schon früher gewünscht, stellt Stephan klar, „es war für einige von uns wirklich unverständlich, wieso nach und nach alles öffnen durfte, nur die Schulen und Kitas nicht“.
Vor etwa vier Wochen entschied die Landesregierung, am 29. Juni mit dem „Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen“ zu beginnen. Grund dafür war unter anderem eine Studie, durchgeführt von vier baden-württembergischen Unikliniken, darunter auch die Uniklinik Freiburg. Dr. Roland Elling, Funktionsoberarzt im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin war einer der Co-Studienleiter der Kinderstudie, auf die sich die Landesregierung bezieht. Deren Ergebnis: „Wir hatten kaum akut Infizierte und auch nur wenige Eltern-Kind-Paare, welche bereits Antikörper gebildet hatten“, so der Mediziner. Lediglich 64 von bisher 4.932 untersuchten Teilnehmern, davon 19 Kinder und 45 Erwachsene, hatten bereits Antikörper gebildet. „Auf Grund der sehr niedrigen Nachweisrate von SARS-CoV-2 im Rachenabstrich – nur bei zwei Teilnehmern war das Virus nachweisbar – gehen wir davon aus, dass die momentane Gefährdung für Covid-19 hier aktuell sehr gering ist. Auch haben wir in den Antikörperuntersuchungen deutliche Hinweise dafür gefunden, dass sich Kinder eher seltener anstecken als Erwachsene“, fasst Elling zusammen. Elling hält die Öffnung deshalb für richtig, auch der Zeitpunkt stimme: „Jetzt im Sommer herrschen weniger andere Infektionskrankheiten vor, das macht die Identifikation von Covid-19 weitaus leichter.“
Was die Öffnung in der Praxis bedeutet, schildert Simone Reich-Disch, Leiterin der Kindertagesstätten „Klara-Kinder“ mit insgesamt drei Standorten im Stühlinger. Für sie war die Pandemie-Zeit vor allem geprägt von Unsicherheit, schnellen Entscheidungen – und vielen schlaflosen Nächten. Doch insgesamt sei die Stimmung gut: „Ich empfand und empfinde unsere Erzieherinnen, gerade auch die, die von Anfang an durchgearbeitet haben, ohne Schutzmaske, Plexiglasscheibe oder sonstige Schutzmaßnahmen, alle als sehr tapfer, zuversichtlich, flexibel und optimistisch. Und die allermeisten freuen sich über die zurück gewonnene Normalität mit den Kindern und Kolleginnen.“

Kitas und Schulen: Sauberkeit als Pflichtfach

Fortsetzung der Titelgeschichte: Trotz aller guten Neuigkeiten gilt es, weiter die bestehenden Hygienemaßnahmen einzuhalten

Doch Reich-Disch hat angesichts der Öffnung auch Bedenken: „Leider beobachte ich, sehr stark auch in den Medien, dass die Erzieher, deren Gesundheit und deren Ängste, bei der ganzen Debatte kaum wahrgenommen werden, viel weniger noch, als es bei den Lehrern der Fall ist. Wir sollen, wenn möglich, bitte einfach unseren Job machen und nicht auch noch kritisch sein oder Bedenken haben. Das finde ich ziemlich traurig. Auch wir haben Familie, Eltern oder Großeltern, die wir schützen wollen.“ Abstand halten sei bei Kleinkindern nicht möglich. Regelmäßiges Händewaschen und Lüften werde man natürlich umsetzen – „und die Erwachsenen, Eltern und Erzieher sollen zueinander den erforderlichen Abstand einhalten“, verspricht Reich-Disch. Ob das genüge, werde erst die Zukunft zeigen. Denn es herrschen immer noch Pandemie-Bedingungen. Die aktuellen Ausbrüche unter anderem in Gütersloh machen zudem gerade klar, wie wichtig die Hygienemaßnahmen weiterhin sind um diesen fragilen Zustand nicht zu verletzen. Um die Wirksamkeit solcher Maßnahmen weiß auch die Freiburger Bürgermeisterin Gerda Stuchlik, zuständig für Umwelt, Jugend, Schule und Bildung: „In den Grundschulen findet ab dem 29. Juni wieder regulärer Schulbetrieb statt. In den weiterführenden Schulen wird weiterhin in einem rhythmisierten Unterrichtsmodell mit jeweils der Hälfte der Schülerschaft in Präsenzunterricht und mit der anderen Hälfte in Fernlernunterricht unterrichtet.“ Zudem seien im Bereich der Kitas alle Vorbereitungen getroffen worden, so dass alle Kinder ab dem Montag wieder die Kitas besuchen können. Man halte sich dabei an die Landesverordnung und ein Konzeptpapier zur Öffnung der Kitas, dass das Kultusministerium allen Trägern zukommen hat lassen. Stuchlik: „Die Reinigung haben wir nochmals intensiviert und die Hygienepläne aktualisiert. Grundsätzlich bin ich jedoch überzeugt, dass wir in Freiburg auf die Vorgaben angemessen reagiert und diese gut umgesetzt haben. Die Krise ist aber noch nicht vorbei. Wir müssen wachsam bleiben.“ (clk)

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