„Gelähmt und verzweifelt“

Die Corona-Krise bedroht die Existenz der Schausteller – schnelle Lösung gefordert

Thomas Koch ist einer von 5.000 Schaustellern in Deutschland, die von März bis Dezember auf Märkten und Messen unterwegs sind. Seit März sind alle diese Geschäfte wegen der Corona-Krise lahmgelegt, eine wirkliche Perspektive ist nicht in Sicht. Sigrid Hofmaier sprach mit dem Vorsitzenden des Schaustellerverbands Freiburg.


Herr Koch, schildern Sie doch bitte die Lage der Schausteller in der Corona-Krise.

Thomas Koch: Wir stecken alle in einer tiefen Depression, fühlen uns gelähmt bis verzweifelt. Bis jetzt ist bereits ein Drittel aller Veranstaltungen weggebrochen, bis Ende August werden es zwei Drittel sein.

Nun hat die Bundesregierung am vergangenen Freitag ein neues Überbrückungshilfe-Programm für freie Berufe, Künstler und Schausteller angekündigt. Würde Ihnen das helfen?

Koch: Das ist zwar gut gemeint, aber die Überbrückungshilfe ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie soll von Juni bis August, also für drei Monate, 80 Prozent der Fixposten bestreiten, die 70 Prozent unserer Kosten ausmachen. Wir haben aber einen Umsatzverlust von 100 Prozent und nur wenige Betriebe haben Rücklagen.

Das ist dann eine echte Existenzbedrohung für viele?

Koch: In der Tat! Schätzungen von Experten gehen davon aus, dass diese Krise bis zu 80 Prozent der Schausteller ihre Existenz kosten könnte.

Was heißt das konkret?

Koch: Wenn wir nicht bald eine Perspektive haben, dann werden in Zukunft keine Kirmes- und Jahrmarktveranstaltungen in der bekannten Form mehr möglich sein. Sollte unsere Existenz von einem Impfstoff abhängen, dann kann man’s komplett vergessen – bis der entwickelt ist, gibt es uns schon nicht mehr.

Sie sind ja sicher in Kontakt mit den Kollegen. Gibt es Alternativen zum klassischen Geschäft?

Koch: Ja, die gibt es! In einigen Städten wurden kleine temporäre Märkte mit kontrolliertem Zutritt und Einhaltung aller Corona-Regeln genehmigt, die wenigstens einen Teil der Ausfälle wettmachen. Ich werde mir das mal anschauen.

Wäre das auch eine Möglichkeit für Freiburg?

Koch: Wir haben bereits am 20. April eine entsprechende Eingabe für temporäre und 14-tägig wechselnde Stände bei der Stadt Freiburg gemacht. Das wäre auch eine Attraktion und würde sehr belebend auf die Innenstadt wirken.

Wie lautete die Antwort?

Koch: Man wollte die Vorgaben von Bund und Ländern abwarten und wie sich die Öffnung der Gastronomie auswirkt. Wir sind dem Europa-Park sehr dankbar, dass es ihm gelungen ist zu beweisen, wie Vergnügen in einem Freizeitpark auch mit Corona-Verordnungen möglich ist.

Die Geschäftsführerin der FWTM, Hanna Böhme, hat im Interview in unserer Ausgabe vom 10. Juni gesagt, dass der Weihnachtsmarkt stattfinden soll. Glauben Sie, dass das klappt?

Koch: Das ist weniger eine Glaubensfrage als eine große Hoffnung: Von dieser Veranstaltung hängt viel ab – nicht nur für uns, sondern auch für die Stadt Freiburg. Der Weihnachtsmarkt ist nicht zuletzt ein wesentlicher Tourismusfaktor.

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