„Es wird funktionieren“

Fitnessstudios dürfen bald wieder öffnen – Rückgrat-Gründer Rudolf Plüddemann gibt einen Ausblick, was sich jetzt ändert

Herr Plüddemann, die Fitnessbranche und damit auch Ihre Rückgrat-Center wurden durch die Corona-Pandemie komplett ausgebremst und mussten schließen. Wie haben Sie das erlebt?Rudolf Plüddemann: Wir haben diese Zeit und vor allem dann die Nachricht, dass wir unsere Betriebe schließen müssen, mit großer Sorge um die Zukunft aufgenommen. Was uns Zuversicht gegeben hat, sind unsere Kunden. Wir haben auf breiter Front Zustimmung bekommen, die Leute haben uns die Treue gehalten und gesagt, dass sie sich darauf freuen, wenn wir wieder öffnen können. Nun freuen wir uns sehr darauf, unsere Mitglieder bald wieder persönlich bei uns begrüßen zu dürfen.

Wann dürfen Sie wieder aufmachen?

Plüddemann: Die Landesregierung hat bekannt gegeben, dass wir direkt nach Pfingsten, am 2. Juni, wieder eröffnen können. Damit fällt uns allen ein Stein vom Herzen.

Wie planen Sie den Trainingsablauf in Ihren Studios für die Zeit ab der Wiederöffnung?

Plüddemann: Wir werden uns da an Nordrhein-Westfalen orientieren, wo die Studios ja bereits wieder offen sind. Das bedeutet konkret: Auf sieben Quadratmeter wird eine Person trainieren können. Jeder Trainingsgast wird beim Betreten des Fitness-Centers an einem Begrüßungspunkt in Empfang genommen und kurz darüber instruiert, wie die Corona-Regeln sind und bekommt auch einen Flyer, auf dem diese schriftlich festgehalten sind. Außerdem bekommt jeder ein Fläschchen mit Desinfektionsmittel, mit dem er alles, was er anfasst, desinfiziert. In den Umkleiden wird nur jeder dritte Spind geöffnet sein, so dass der Sicherheitsabstand gewahrt bleibt. So machen wir es auch mit den Geräten, die wir entsprechend entzerren werden. Zwischen den Geräten werden immer drei Meter Abstand sein. Außerdem halten wir alle Kunden an, ihr Training auf eine Stunde am Tag zu begrenzen, so dass möglichst viele Leute trainieren können. Einen Mundschutz müssen die Leute – Stand jetzt – nicht tragen. Sollten wir jedoch weitere Regeln bekommen, werden wir diese natürlich umsetzen.

Wird es auch weiterhin Getränke geben?

Plüddemann: Ja, allerdings darf der Kunde die Getränke nicht mehr selbst zapfen, sondern ein Mitarbeiter übernimmt dies. Dieser Mitarbeiter wird selbstverständlich Handschuhe und Mundschutz tragen.

Wird es auch ein Kursangebot geben können?

Plüddemann: Wenn Baden-Württemberg so verfährt wie Nordrhein-Westfalen, ja. In den Kursräumen werden wir dann mit Klebeband Kreuze auf dem Boden markieren, die zeigen, wo sich die Kursteilnehmer mit dem entsprechenden Abstand platzieren dürfen. Sollten alle Kreuze belegt sein, muss man leider auf den nächsten Kurs warten. Um der begrenzten Teilnehmerzahl Rechnung zu tragen, begrenzen wir die Kurzzeiten. Im Endeffekt gibt es also mehr Kurse, niemand muss verzichten. Wie es aussieht, werden wir allerdings erstmal weiterhin auf den Saunabetrieb verzichten.

Wie wollen Sie dafür Sorge tragen, dass der Ansturm zum Training nicht so groß wird, dass sie wieder Leute nach Hause schicken müssen, weil die Kapazitätsgrenze erreicht ist?

Plüddemann: Da feilen wir noch dran. In Nordrhein-Westfalen haben einige Studios Live-Ticker, wo sich die Leute vorab erkundigen können, wieviel gerade los ist. Wir erkundigen uns gerade nach einer passenden Software-Lösung. Schön ist, dass wir in unseren Studios am Alten Zollhof auch Außenbereiche haben, wo man an der frischen Luft trainieren kann.

Was passiert mit dem Körper eines regelmäßigen Fitnessstudio-Gängers, wenn er auf einmal wochenlang nicht mehr trainiert?

Plüddemann: Erstmal sind Training und Gesundheit eng miteinander verwoben. Sowohl von jungen wie von älteren Kunden bekomme ich mit, dass sie sich derzeit unwohl fühlen und ihnen der Muskelabbau zu schaffen macht. Leider baut der Körper doppelt so schnell ab, wie er Muskeln und Kondition aufbaut. Die Fasern nehmen ab und der Muskel verkürzt sich. Dadurch wird man schwächer, aber auch unbeweglicher. Das macht sich schnell auch mit Schmerzen am Bewegungsapparat bemerkbar.

Und wenn man dann wieder einsteigt?

Plüddemann: Nun sollte man natürlich auf keinen Fall von null auf 100 starten, sondern ganz langsam wieder einsteigen. Man darf am Anfang nie vergessen, dass man die alte Leistungsfähigkeit nicht mehr hat. Wer sich überschätzt, verletzt sich entsprechend schnell. Diesbezüglich werden wir die Kunden entsprechend beraten. Leider braucht man Geduld, um wieder auf den Stand von vorher zu kommen. Wenn man drei Monate nichts gemacht hat, braucht man in der Regel auch drei Monate, um mit regelmäßigemn Training wieder in Form zu kommen.

Wird sich die Fitnessbranche nach der Coronakrise wieder je ganz berappeln können?

Plüddemann: Für unsere Betriebe gehe ich davon aus. Wir haben auch alle unsere Mitarbeiter gehalten, weil jeder wichtig ist und wir fest an die Zukunft glauben. Wie es anderswo aussieht, kann ich nicht beurteilen. Eine völlige Normalisierung wird es aber erst geben, wenn es auch eine Impfung gibt. Mit den Regeln werden wir also in naher Zukunft leben müssen und ich denke, es wird funktionieren. Die meisten haben ja nun gelernt, dass man nicht jedem gleich um den Hals fällt und Hygiene gerade wichtiger ist denn je. Das hat ja auch was Gutes. Persönlich denke ich, dass am Anfang vielleicht bei den älteren Kunden noch eine gewisse Zurückhaltung zu spüren sein wird, aber das ist auch normal. Das Gespräch führte Sven Meyer

Zurück