Wohin geht die Reise?

Auch Freiburger Reisebüros und -veranstalter kämpfen wegen der Corona-Pandemie um die Existenz

Viel Arbeit, aber keine Einnahmen: die Corona-Pandemie hat die Reisebranche hart getroffen. Auch wenn Lockerungen geplant sind, die sogar einen Sommerurlaub in Europa möglich machen könnten, ist die Nachfrage der Verbraucher derzeit verhalten. Hoffnung macht allenfalls das Deutschland-Geschäft. Ein Stimmungsbild. Sie kämpfen um ihre Existenz: In der vergangenen Woche demonstrierten Mitarbeiter von Reisebüros und -veranstaltern auf dem Platz der Alten Synagoge, um auf ihre prekäre Lage aufmerksam zu machen.
„Die gesamte geleistete Arbeit seit Sommer letzten Jahres war quasi umsonst, das Geschäftsjahr für Reisebüros wird nicht nur eine Nullnummer, sondern viele rutschen wahrscheinlich ins Minus. Ich habe noch Glück, ich habe ein alteingesessenes Reisebüro und gut gewirtschaftet. Aber sowas haben wir in der Reisebranche noch nie erlebt, das ist für viele ein echter Albtraum. Auch in Bezug auf Urlaub im nächsten Jahr ist der Verbraucher zurückhaltend und will oft keine Umbuchungen oder Gutschriften, sondern sein Geld zurück“, sagt Michael Selzer, Inhaber des Reisebüros Selzer in der Haslacher Straße. Auch im ADAC Reisebüro am Predigertor, „haben wir derzeit viel Arbeit, die nicht belohnt wird“, so ReisekoordinatorAli Tokgöz.


„Viele wollen auch im Sommer nicht reisen“
Im Vergleich zum Vorjahr gebe es enorme Umsatzeinbußen. „Wir haben derzeit außerdem kaum Buchungen und schon Anfragen wegen Stornierungen im Juli oder August, viele wollen auch einfach nicht reisen, auch wenn es möglich wäre. Selbst die Nachfrage für nächstes Jahr ist derzeit noch verhalten.“
Dabei könnte ein Sommerurlaub auch außerhalb Deutschlands dieses Jahr doch noch möglich sein: Die EU plant bereits ab Mitte Juni Lockerungen der Reisebeschränkungen. Österreich, die Schweiz, aber auch Griechenland, Italien oder Portugal bereiten sich derzeit auf Touristen vor. Die hiesigen Reisebüros sehen einen Strandurlaub in Europa im Sommer derzeit aber kritisch.
„Reisen werden nur mit starken Einschränkungen möglich sein. Und selbst bei Buchungen innerhalb Deutschlands können Leistungen, wie sie Verbraucher erwarten, wie ein Buffet, nicht erbracht werden. Ich glaube nicht, dass die Sommersaison für die Reisebüros eine wirtschaftliche Chance ist“, so Michael Selzer.
Auch Ali Tokgöz glaubt nicht, dass im Sommer viele Deutsche ins Ausland reisen. „Deutschland wird im Sommer wahrscheinlich eines der Hauptziele sein, vielleicht auch Österreich oder die Schweiz, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass viele Menschen jetzt Flugreisen buchen würden. Da ist ja auch noch vieles unklar, beispielsweise, ob man einen Mundschutz im Flieger oder vielleicht sogar am Strand tragen muss. Ich kann mir aber vorstellen, dass der Trend im Herbst wieder in Richtung Flugreisen geht“, sagt er.
Das Freiburger Reiseunternehmen „Avanti Busreisen“ ist in Bezug auf den Sommer etwas optimistischer. „So wie es jetzt aussieht, sind Reisen in angrenzende Länder wie Österreich oder Dänemark oder sogar nach Italien – auch mit dem Bus – bald wieder möglich“, glaubt Hans-Peter Christoph, Gründer und Geschäftsführer von „Avanti Busreisen“. Hier stehen die Busse seit Mitte März still, „aber Anfang Juni endet das Fahrverbot, dann können wir voraussichtlich wieder starten, doch unter welchen Auflagen oder Hygienevorschriften ist noch unklar.“ In der Krise geht man hier neue Wege: „Bisher haben wir vorwiegend Fahrten ins Ausland angeboten, jetzt konzentrieren wir uns erstmal vermehrt auf Ziele in Deutschland. Im Sommer gibt es Extratouren, beispielsweise in den Bregenzerwald oder die Sächsische Schweiz“, betont Hans-Peter Christoph. Bei Avanti gebe es zudem auch schon wieder Buchungen, beispielsweise für einen Portugal-Urlaub im November 2020 oder Reisen im nächsten Jahr.

Saskia Schuh

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