Der Markt bleibt heiß

Die leise Hoffnung, dass Wohnen im Zuge von Corona günstiger wird, wird sich wohl nicht erfüllen

Die Entwicklung der Immobilienpreise in der Corona-Krise wird seit Wochen heiß diskutiert. Was bedeutet das für Freiburg? Schlägt sich der „Corona-Effekt“ in sinkenden Mieten und Kaufpreisen nieder? Oder könnten die Preise im Nachklang der Krise sogar erheblich steigen? Der Wochenbericht hat sich bei Experten umgehört. Laut Hugo W. Sprenker, von der Sprenker und Röder Immobilien GmbH, muss man auf dem Markt klar zwischen Gewerbe- und Wohnimmobilien unterscheiden. „Im Wohnungsbereich konnten wir für Freiburg bislang keine sinkenden Preise feststellen. Wir bekommen zwar diesbezüglich häufiger Anfragen, doch die haben keinen Einfluss auf die Preise“, so Sprenker. Letztlich so Sprenker, mache es keinen Unterschied, ob in der Stadt 1.000 oder 900 Leute eine Wohnung suchen würden. Der Handel bei Gewerbeimmobilien sei hingegen im Zuge der Corona-Krise schwieriger geworden, da die Ertragssicherheit, zum Beispiel bei der Gastronomie, in Frage gestellt werde. „Sicherheit ist für Investoren das A und O“, sagt Sprenker. „Im April hat Corona Spuren hinterlassen. Da war der Markt sehr ruhig“, berichtet Christian Müller, Makler für Wohn- und Gewerbeimmobilien. Im Mai sei die Nachfrage aber fast wieder auf Normalniveau gestiegen. „Für Freiburg sehe ich keine nachlassenden Preise“, betont er. Selbst, wenn die Zahl der Käufer und Mieter zurückgehen würde, sei die Nachfrage immer noch größer als das Angebot. Womit jedoch zu rechnen sei, ist, dass Bauvorhaben um ein paar Monate nach hinten verschoben würden. „Die Fachleute sind sich einig, dass man aufgrund der Erfahrungen der letzten sechs bis acht Wochen noch keine signifikante Veränderung bei den Immobilienpreisen feststellen kann, insbesondere nicht bei den Wohnimmobilien“, erklärt auch Oliver Kamenisch, Geschäftsführer der Immobilien-Gesellschaft der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau. Für ihn steht fest: „Was den Wohnungsmarkt angeht, ist und bleibt Freiburg ein Nachfrage-Hotspot in Baden-Württemberg.“ Einen Corona-Crash werde es am Freiburger Immobilienmarkt auch aus einem anderen Grund nicht geben: Es gibt in der Stadt keinen Großkonzern, der im Rahmen der Krise massenhaft Leute entlassen könnte. Wo dies der Fall ist, könne dies tatsächlich erhebliche Auswirkungen auf den regionalen Immobilienmarkt haben. Die Universitäts- und Wohlfühlstadt Freiburg habe in der Krise einen Standortvorteil – und der habe seinen Preis. Begrenztes Flächenangebot treibt Preise

Fortsetzung der Titelgeschichte: Bauunternehmer Unmüßig prophezeit, dass Home-Office-Trend Auswirkungen auf Immobilien haben wird

Der Freiburger Bauunternehmer Peter Unmüßig sieht nur bei Gewerbeimmobilien eine „vorübergehende Delle“. Auch bei künftigen Bauprojekten werde der vorübergehende Shutdown im Zuge der Corona-Pandemie Spuren hinterlassen: „In den zurückliegenden Wochen wurden praktisch keine Entscheidungen mehr für Neubauten getroffen. Das muss erst wieder anlaufen“, so Unmüßig. Was Bürogebäude angeht, werde es in Freiburg auch in Zukunft nur punktuelle Neubauprojekte geben. „Auf Halde und Risiko wird hier nichts gebaut werden“, so der Unternehmer. Bei Wohnimmobilien – sei es zur Eigennutzung oder zum Vermieten – werde es mittelfristig beim Status quo bleiben, langfristig würden die Preise jedoch weiter steigen. „Das Leben in der Stadt bleibt attraktiv, der Zuzugstrend bleibt intakt“, so Unmüßig, der sich vorstellen kann, dass das Anspruchniveau bei Wohnungen in Zukunft noch steigen werde. „Das hat mit dem Trend zum Home Office zu tun. Das wird nach der Krise nicht wieder verschwinden“, ist sich der Projektentwickler sicher. Ein Grund, warum in Freiburg viele unter den hohen Wohnkosten ächzen, ist auch das begrenzte Flächenangebot. Daran wird sich zumindest bis Mitte des Jahrzehnts, wenn die ersten Häuser im neuen Stadtteil Dietenbach gebaut werden, nichts ändern. „Für eine große Entspannung wird auch Dietenbach nicht sorgen. Denn am Ende ist immer die Lage entscheidend und da sind wir als südlichste Großstadt Deutschlands ein klassischer Anziehungspunkt“, sagt Immobilienmakler Hugo W. Sprenker. Sven Meyer

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