Von Normalität weit entfernt

Geisterspiel in Leipzig: Wie der SC Freiburg und seine Fans in den Re-Start der Bundesliga gehen

Zwei Monate liegt das letzte Bundesligaspiel des SC Freiburg zurück. Am Samstag (15.30 Uhr/Sky) steht wieder ein Punktspiel an – doch das Spiel in Leipzig steht im Zeichen von Corona. In seiner 7-Tage-Quarantäne bereitet sich der SC auf ein Spiel ohne Fans vor. Alle Beteiligten müssen sich umstellen.Die Bundesliga-Maschine rollt wieder an. Wie vor jedem Spiel, wird sich SC-Trainer Christian Streich in einer Pressekonferenz den Fragen der Journalisten stellen. Die Fragerunde am Donnerstag wird jedoch gänzlich digital über die Bühne gehen, per Online-Videoschalte – die Abstandsregeln wegen des Coronavirus verlangen es.
Es ist eine der unbedeutenderen Maßnahmen, die den Re-Start der Fußball-Bundesliga begleiten. Zweimal pro Woche wird das Team auf das Virus getestet. Noch bis Freitag befindet sich der SC in einem Hotel im Umland in einer einwöchigen Pflicht-Quarantäne. Angereist ist der Tross in zwei Bussen, die Spieler leben in Einzelzimmern, Sauna und Schwimmbad sind tabu, gegessen wird in kleinen Gruppen. „Es sind extrem viele Maßnahmen, die wir einhalten müssen um uns und andere zu schützen“, sagte Streich dem TV-Sender Sky.
Die Restsaison sei eine Gratwanderung, so der 54-Jährige. Wie schnell eine Elf von den Gesundheitsämtern aus dem Verkehr gezogen werden kann, zeigt der Fall von Zweitligist Dynamo Dresden. Zwei neue Corona-Fälle genügten, damit die dortigen Behörden eine zweiwöchige Quarantäne für den Klub verhängten. Für jeden der 36 Erst- und Zweitligisten sind 36 verschiedene Gesundheitsämter zuständig. Streich sagt: „Ich hoffe inständig, dass wir es schaffen regulär bis Ende Juni zu spielen.“
Der Wunsch, dem Beruf nachzugehen, und dazu das finanzielle Überleben der Liga zu sichern, ist groß bei den Profis. Den Kickern stellen sich aber auch ganz praktische Fragen: „Wir haben noch nicht besprochen, was passiert, wenn wir ein Tor schießen“, so Streich. Dürfen die Spieler jubeln? „Natürlich kann man Jubeln verbieten, im Sinne von sich umarmen“, sagt der Freiburger Trainer.
Fußballerisch erwartet er keinen Niveauverlust – auch wenn die Anfeuerungsrufe der Fans fehlen. „Natürlich geht kein Raunen durchs Stadion, wenn der letzte Pass nicht ankommt. Aber ich glaube nicht, dass das Spiel schlechter wird.“ Er selbst wolle im Übrigen weiterhin seinen Spielen Anweisungen zurufen – auch wenn die TV-Mikrofone seine Worte gut hörbar aufzeichnen oder der gegnerische Trainer Taktisches mithören könnte.
Für SC-Anhänger stellt sich derweil die Frage, wie sie das Team unterstützen können – und zwar unter Einhaltung aller Hygiene- und Abstandsregeln. Uwe Stasch, Sprecher der SC Freiburg Fangemeinschaft erklärt, es habe einen eindringlichen Appell an die Fans gegeben. „Es macht keinen Sinn, direkt ans Stadion zu kommen, um den Verein dort zu unterstützen“, sagt er mit Blick auf das Heimspiel gegen Bremen am 23. Mai. Aber es werde noch in dieser Woche einen Austausch der Fanclubs mit dem Sportclub darüber geben, „ob die Fans nicht wenigstens Banner im Stadion aufhängen dürfen“, so Stasch. Das, glaubt er, werde sicher kommen. Pappfiguren auf der Tribüne, wie bei anderen Vereinen, wird es in Freiburg dagegen wohl nicht geben. „Dafür wäre ich nur zu haben, wenn man es mit einem guten Zweck verbindet“, sagt Stasch.
Das Auswärtsspiel in Leipzig werde er zusammen mit seinem besten Kumpel vor dem Fernseher anschauen: „Das Fachsimpeln und Mitleiden gehört zum Fußball einfach dazu.“ Nostalgie-Spiele, mit der viele TV-Sender die fußballfreie Zeit überbrückt hätten, könne Stasch nicht mehr sehen: „Dann lieber ein Geisterspiel meines Vereins“.

Matthias Joers
TV-Hinweis: Die ersten beiden Spieltage der 1. und 2. Liga werden als Konferenz im Free-TV und auf skysport.de gezeigt.

Zurück