Freiburger Sportler erleben US-Corona-Krise

Wegen Corona müssen fünf Footballer aus Freiburg ihr High-School-Jahr in den USA unterbrechen – FT-Nachwuchsteam trainiert per Video

Auch in den USA kommt der Sportbetrieb wegen der Corona-Pandemie zum Erliegen. Für fünf Freiburger Footballer, die ein High School-Jahr in den USA verbringen, findet das sportliche Abenteuer in Übersee damit ein plötzliches Ende. Und die U19-Bundesliga-Footballer in Freiburg müssen umdenken und sich jetzt in den eigenen vier Wänden fit halten. Trainiert wird unter anderem mit einer Klorolle.Eigentlich sollte für die Sacristans-U19-Footballer aus Freiburg am 11./12. April die Bundesliga-Saison beginnen. Doch wie so vielen anderen Sportarten im Land machte das Coronavirus auch den deutschen Football-Ligen einen dicken Strich durch die Rechnung.
Statt sich jetzt im März – wie ursprünglich vorgesehen – in einem Trainingslager und mit Testspielen auf den Saisonstart vorzubereiten, müssen die Nachwuchs-Messdiener daheim bei ihren Familien bleiben. In Freiburg und im Rest des Landes gilt ein behördliches Kontaktverbot, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Der Trainingsbetrieb bei den Freiburger FT-Footballern ist ausgesetzt. Auch der Vereinsbetrieb im FT-Sportpark an der Schwarzwaldstraße ist vorerst augesetzt (siehe Seite 7).
„Wir versuchen unsere Jungs jetzt bei der Stange zu halten und zu motivieren“, sagt Jochen Kern, U19-Headcoach und Pressesprecher der Sacristans. Dennoch ist die Enttäuschung groß. Zum ersten Mal hätten die FT-Footballer ein Vorbereitungsspiel im April in Freiburg ausgetragen. Jetzt ist dagegen Kreativität bei der Trainingsgestaltung gefragt.
„Wir haben Trainingspläne und kleine Videos an die Jungs geschickt“, berichtet Kern. Auf einem der Videos ist zum Beispiel Defensive Line Coach Volkmar Walter zu sehen, wie er Übungselemente – sogenannte Drills – an einer Treppe vorführt („die hat jeder zur Verfügung“): mal hoch, mal runter, mal auf einem Bein, mal eine Stufe überspringend, mal seitwärts. Anhand des kurzen Clips können die jungen Nachwuchs-Footballer lernen, ihren Antritt zu verbessern. Ein anderes Drill-Video zeigt Headcoach Jochen Kern beim Schrittfolgen-Training. Auch eine Klorolle kommt dabei zum Einsatz. „Von denen haben wir zurzeit ja genug“, sagt Kern in Anspielung auf die Hamsterkäufe. Auch die FT-Herrenmannschaft hält sich mit einer Online-Yoga-Session in Form.


Fünf USA-Heimkehrer wegen Corona-Pandemie
Aus Trainersicht sei die jetzige Lage durchaus spannend, sagt Kern – „wenn es bloß nicht so einen dramatischen Hintergrund hätte“. Das bekommt er auch in ganz anderer Hinsicht zu spüren. Denn fünf Footballer mit Freiburger Hintergrund gingen bis zuletzt in den USA auf eine High School – zum Lernen, und zum Football-Spielen. Doch auch in den USA schlägt die Corona-Pandemie mit voller Wucht zu. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität liegt die Zahl der Infizierten bei mehr als 46.400 Fällen, mehr als 590 Menschen starben (Stand: 24. März). Die meisten Todesfälle gibt es in den Bundesstaaten New York, Washington, Louisiana und Kalifornien. Baseball, Basketball und American Football – in vielen populären Sportarten ruht der Trainings- und Spielbetrieb deshalb.
Vier der fünf Sacristans-Footballer mussten daher aus ihren High Schools in den USA zurück nach Deutschland fliegen: Yannick Blank aus Massachusetts (Brooks School in North Andover), Jan Klinger aus Pennsylvania (Kiski School in Saltsburg), Mathis Stein aus Niceville in Florida, den seine Eltern ausgeflogen haben, und Tobias Braun – der erste Freiburger, der ein Football-Stipendium an einer amerikanischen Universität in der Tasche hat (University of Mississippi). Braun sollte eigentlich im Mai seine High-School-Prüfung in Connecticut ablegen. Auch hier ist derzeit unklar, wie es weitergeht. Der Fünfte ist Ben Morton in Overland Park in Kansas. „Der muss jetzt ebenfalls nach Hause“, sagt FT-Coach Jochen Kern.
Immerhin: Am Ende könnten die Freiburger U19-Footballer von dieser neuen Situation personell profitieren. „Yannick Blank und Jan Klinger könnten dieses Jahr wieder für uns spielen“, sagt Kern. Dafür müsste sich die Lage in Deutschland aber erst wieder entspannen.

Matthias Joers

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