„Die FT steht nie still“

6.500 Mitglieder, 19 Wettkampf-Abteilungen: Wie ein Freiburger Großsportverein mit dem Corona-Shutdown umgeht – Interview

Auch bei der Freiburger Turnerschaft von 1844 ruht das Vereinsleben aufgrund der Corona-Krise. Welche Folgen hat das für den Großsportverein? FT-Geschäftsführer Peter Gerspach spricht im Interview mit Matthias Joers über Umsatzrückgänge und hoffnungsvolle Entwicklungen.

Der FT-Sportpark ist ein kleiner Kosmos, mit Hallenbad, mehreren Sporthallen, Grundschule, Kindergärten und vielem mehr. Was bedeutet die Schließung für die FT?

Peter Gerspach: Wenn man die Schließung des Vereins isoliert betrachtet, ist es natürlich in vielerlei Hinsicht eine Katastrophe. Die FT ist für viele so etwas wie eine zweite Heimat. Neben dem Aspekt der sozialen Interaktion ist der Besuch des Vereins für viele Menschen schlichtweg notwendig. Dabei denke ich an unsere Kinder in den Kindergärten oder der Schule und deren Eltern, aber auch an unsere Mitglieder, die die Bewegung dringend für ihre Gesundheit oder Rehabilitation benötigen. Ich könnte hier Dutzende Beispiele aufzählen. Aber in dieser Situation ist der Gesamtkontext deutlich wichtiger. Für den Verein und seine Mitglieder bedeutet die Schließung in diesem Moment also, dass sie ihrer Aufgabe, dem Gemeinwohl zu dienen, nachkommen.

Sie beschäftigen 110 hauptamtliche Voll- und Teilzeitkräfte. Wie geht es für Ihre Mitarbeiter weiter?

Gerspach: Fast alle Mitarbeiter/innen arbeiten, manche bauen Überstunden ab. Unsere Lehrkräfte beschulen die Kinder aus der Ferne. Wir halten Notgruppen in den Kindergärten bereit. Die Erzieher/innen arbeiten vieles auf und bereiten bereits neue Projekte vor. Unsere Ehrenamtlichen in den Abteilungen fahren teilweise zweigleisig, da zum Beispiel bei manchen Sportarten nicht klar ist, ob eine laufende Saison noch weitergeführt wird oder nicht. Dieser Umstand bedeutet für alle Mehrarbeit, den sie in ihrer Freizeit bewältigen müssen. Zwar findet aktuell kein Sportangebot statt, dennoch wird gerade nach- und vorbereitet. Außerdem produzieren wir derzeit mit unseren Trainer/innen digitale Sportangebote, bei denen unsere Mitglieder von zu Hause aus mitmachen können. Unser Technikteam ist voll im Einsatz. Wir möchten die Chance nutzen und unsere Anlage und unser Angebot auf Vordermann bringen, damit wir am Tag X wieder voll startklar sind.

Mit welchen finanziellen Folgen müssen Sie rechnen?

Gerspach: Eine seriöse Antwort möchte und kann ich hier nicht geben. Wir haben aber bereits kurz vor der Schließung in bestimmten Bereichen Umsatzrückgänge verzeichnet, die auf die Corona-Krise zurückzuführen sind. Mit der Schließung fallen von jetzt auf gleich erhebliche Einnahmen weg, zum Beispiel aus Anmietungen, Nutzungsgebühren, Kursen und vielem mehr. Die Fixkosten bleiben jedoch fast auf dem selben Niveau. Es wird ein finanzieller Kraftakt und wir sind mehr denn je auf die laufenden öffentlichen Zuschüsse angewiesen. Der finanzielle Schaden wird immens sein und wir hoffen sehr, dass die gemeinnützigen Vereine im Nachgang der Krise nicht vergessen werden. Bislang lese ich nämlich stets von Hilfen und Entschädigungen für die Wirtschaft, nicht aber für den gemeinnützigen Sportverein.

Wird der Vereinsbetrieb über den 29. März hinaus ruhen müssen?

Gerspach: Ja, der gewöhnliche Vereinsbetrieb ruht bis zum Außerkrafttreten der Landesverordnung. Aber wie bereits gesagt, steht die FT nie still. Das Vereinsleben geht auch in dieser Zeit weiter. Wir sind zum Beispiel gerade dabei, einen Einkaufsservice für Menschen aus der Risikogruppe zu organisieren und hoffen hier auf Mithilfe unserer Mitglieder. Das Schöne dabei ist, dass sich bereits von sich aus Menschen als „Einkäufer/innen“ gemeldet haben. Außerdem möchten wir unsere Vereinsmitglieder ermutigen, anzurufen, wenn sie Fragen zum „Training zu Hause“ haben oder Hilfestellung benötigen. Hier werden wir Wege finden, die Mitglieder auch aus der Ferne gut zu betreuen.

6.500 Mitglieder, die keinen Sport mehr treiben können: Welche Botschaft haben Sie an die FT-Familie?

Gerspach: Man kann es nicht oft genug wiederholen: Wahrt Distanz, auch wenn es schwer fällt. Wenn wir uns alle gemeinsam daran halten, sehen wir hoffentlich in ein paar Wochen eine Verbesserung der Fallzahlen und das hilft uns allen. Dann kann das öffentliche Leben wieder sukzessive voranschreiten. Halten wir uns nicht daran, wird aus einer Ausnahmesituation ein längerer Ausnahmezustand, ganz einfach. Für die FT-Familie bedeutet das: durchhalten, zusammenhalten, Solidarität zeigen und in Bewegung bleiben. Wir werden unser Bestes dafür tun, in dieser Zeit für unsere Mitglieder da zu sein.

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