Eine Stadt im Krisenmodus

Schulen, Kinos und Kneipen sind dicht – wegen der Corona-Krise sollen die Bürger ihre Sozialkontakte einschränken

Die drastischen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus bringen das öffentliche Leben in Freiburg zum Erliegen. Nach Schulen und Kitas schließen auch Kinos, Bäder, Fitnessstudios, Bibliotheken, Bars und Diskotheken. Das Land Baden-Württemberg erließ eine entsprechende Rechtsverordnung, die bis zum 15. Juni gültig ist.Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn begrüßte die Verordnung der Landesregierung ausdrücklich: „Die Regelungen sind weitreichend, sie werden uns alle treffen und das öffentliche Leben weitgehend lahm legen“. OB Horn sei „dennoch zuversichtlich, dass wir das gemeinsam meistern, wenn Freiburg zusammen hält. Für diese Solidarität gibt es jetzt schon eine Menge positiver Signale.“


Wilde Gerüchte kursieren
Voraussichtlich bis zum 15. Juni bleibt das öffentliche Leben drastisch beschnitten. Schon in der vergangenen Woche verbot die Stadt alle Veranstaltungen ab 50 Personen. „Wir sind kein Risikogebiet, aber wir verhalten uns jetzt wie eines“, sagte Freiburgs Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach. Seit Dienstag sind alle Schulen und Kitas bis zum Ende der Osterferien am 19. April geschlossen. Am Montag folgte der Rechtserlass des Landes, der die Schließung von Kinos, Bädern, Fitnessstudios, Bibliotheken, Bars und Diskotheken zur Folge hat. Auch Besuche in Krankenhäusern, Reha-Einrichtigungen, Dialyse-Einrichtungen und Tageskliniken sind verboten. Besuche im Seniorenheim sind nur mit ausdrücklicher Erlaubnis der jeweiligen Heimleitung möglich. Seit Dienstag sind auch alle Mensen und Cafeterien des Freiburger Studentenwerks geschlossen. Und auf den Recyclinghöfen in Freiburg sind maximal zehn Fahrzeuge gleichzeitig erlaubt – auch Fahrräder zählen dazu.
Ausdrücklich geöffnet bleiben Lebensmitteleinzelhändler, Getränke- und Wochenmärkte, Arztpraxen, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Garten- und Baumärkte, Frisöre, Reinigungen und Waschsalons, sowie Banken und Sparkassen. „Es gibt im Moment ja wilde Gerüchte, dass Geschäftsstellen der Sparkassen zu seien. Aber bei uns läuft der Betrieb ganz normal“, betont Manfred Mayer, Sprecher der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau. Auch Restaurants müssen nicht schließen, sofern sie gewisse Hygieneregeln einhalten. So sollen Tische mit einem Abstand von 1,5 Metern zu einander aufgestellt werden. Restaurantbetreiber Silvio Bonacasa von der Pizzeria I Trulli im Stühlinger hat die Regeln umgesetzt und desinfiziert Tische, Stühle und Türgriffe regelmäßig. Trotzdem bleiben die Kunden weg. „Seit einer Woche kommen kaum noch Gäste, die hier im Restaurant essen wollen“, sagt er. Stattdessen würde viele Kunden vermehrt zum Mitnehmen bestellen oder sich das Essen nach Hause liefern lassen (mehr über die Corona-Krise in der Hotellerie und Gastronomie auf Seite 2).
Auch Spargelbauern müssen um ihr Frühjahrsgeschäft fürchten – ihnen drohen die Erntehelfer auszufallen. Zwar gebe es noch Flüge aus Rumänien, berichtet der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer am Dienstag. Doch viele Polen und Rumänen würden vor einer Reise nach Deutschland zurückschrecken, da sie fürchten nach ihrer Rückkehr in Quarantäne zu müssen. Die Versorgung mit landwirtschaftlichen Grundnahrungsmitteln sei aber sichergestellt, meldet der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband.
Die Zahl der amtlich bestätigten Corona-Infektionen in der Region Freiburg ist am Dienstag auf 128 gestiegen. Noch am Montag lag sie bei 103 Fällen. Auch in Freiburg wurde ein Abstrichzentrum eingerichtet, an dem Coronatests per Mundabstrich durchgeführt werden. Der Start verlief allerdings holprig. Weil die Teststelle im Freiburger Westen sich schnell als zu klein erwies, wurde sie nun an die Messe verlegt. Dort standen am Dienstagmorgen rund 40 Autos in der Warteschlange. Die Regel ist klar: „Die Patienten müssen sich unbedingt vorher an ihren Hausarzt wenden, der sie dann gegebenenfalls zur Abstrichstelle schickt“, sagt Kai Sonntag, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung. Einfach hinfahren, „ohne vorherige Konsultation mit dem Arzt, darf nicht passieren“, so Sonntag.
Zwölf Corona-Patienten aus Freiburg seien inzwischen wieder gesund, berichtete Frederik Wenz, Ärztliche Direktor der Uniklinik am Montag. Doch es gebe keinen Grund zur Entwarnung: „Da rollte eine Welle auf Freiburg zu“, sagt Wenz. Sein Appell und auch der von allen Behörden ist deutlich: „Bleiben Sie möglichst zuhause.“

Matthias Joers

Lesen Sie mehr über die Corona-Krise ab Seite 2 sowie im Sportteil. Wichtige Verhaltens- und Hygienetipps finden Sie auf Seite 11.

Zurück