Region droht die Wohlfühl-Falle

IHK: Südbaden hat ein starkes Fundament, aber es gibt auch Schwächen, die angegangen werden müssen

Eigentlich ist doch alles prima in Freiburg und um Freiburg herum: Die Lebensqualität stimmt, die Leute wollen hier wohnen und der Wirtschaft geht es – aller aktuellen Krisenstimmungen zum Trotz – gut. Doch der Region zwischen Ortenau, Freiburg und Schwarzwald droht die „Wohlfühl-Falle“, wie es IHK-Hauptgeschäftsführer Dieter Salomon nennt.„Man kann binnen weniger Jahre alles verspielen“, so Salomon dieser Tage bei der Vorstellung der Studie „Zukunftsstrategie Südlicher Oberrhein“, die die Prognos Wirtschaftsberatung im Lauf der vergangenen eineinhalb Jahre im Auftrag der Freiburger Industrie und Handelskammer erarbeitet hat und die aufzeigen soll, wo die Wirtschaft in und um Freiburg auf der Hut sein muss, wenn sie ihre Zukunftsfähigkeit erhalten will.
Der Südliche Oberrhein sei eine mittelständisch geprägte Region, die wirtschaftlich breiter aufgestellt ist als andere, so Strategie-Experte Tobias Koch von Prognos in Stuttgart. Lebensqualität, Tourismus, Wirtschaft und Wissenschaft seien prägend. Doch der Fachkräftemangel und die Situation am Wohnungsmarkt seien belastend: Mit einem Bevölkerungsplus von 5,8 Prozent seit 2011 liege die Region beim Zuzug zwar über dem Bundesschnitt, dennoch drohe eine Gefahr der Überalterung der Bevölkerung mit der Folge, dass Betriebe abwandern und vor allem der ländliche Raum ausbluten könne.
Ein weiteres, typisch badisches Problem: die Region wird in den Zentren der Macht in Stuttgart und Berlin kaum wahrgenommen. Oder wenn, dann „als SC Freiburg und als die Region, in der der Wein wächst und jeder etwas anderes will“, wie IHK-Hauptgeschäftsführer Salomon die Lage umreißt.
Um die Attraktivität der Oberrheinregion zu stärken und zu erhalten, sei daher unter anderem ein Abschied vom Kirchturmdenken in den Kommunen nötig, so IHK-Präsident Steffen Auer. „Wir müssen Kooperation lernen“, so Auer. Und das sei kein leichtes Unterfangen.


Acht Handlungsfelder
Insgesamt hat die Kammer zusammen mit den Prognos-Experten acht Handlungsfelder für die kommenden zehn Jahre herausgearbeitet, mit denen der Wohlstand im Dreiländereck gesichert werden soll: die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Politik soll gestärkt und die „politische Sichtbarkeit“ der Region als Standort für Nachhaltigkeitsthemen, Wissenschaft und Tourismus soll unterstützt werden. Der digitale wie auch der verkehrstechnische Infrastrukturausbau muss zusammen mit der Ausweisung von Wohn- und Gewerbeflächen vorankommen, gerade auch, um ein Ausbluten der kleineren, entlegeneren Gemeinden im Schwarzwald zu verhindern. „Ohne Breitband gehen erst im Schwarzwald und dann im Rheintal die Lichter aus“, warnte Dieter Salomon eindringlich, während Präsident Auer „intelligente Lösungen für die Verkehrsanbindung“ vorschlug. „Warum zum Beispiel nicht eine Regio-Karte, die Ortenau und Freiburg verbindet?“
Den Betrieben will die Kammer bei der Suche nach Fachkräften und bei der oftmals vernachlässigten Nachfolgeregelung in den Firmen unter die Arme greifen. Auch an der mühsamen Suche nach Auszubildenden jenseits des Rheins im Elsass gelte es festzuhalten. „Diese Punkte sind essentiell für die Region“, so Salomon abschließend. Häufig fehle in Freiburg und am Oberrhein das Bewusstsein für die Herausforderungen der Zeit: „Solche Debatten, wie beispielsweise jetzt in Freiburg um das G5-Handynetz können wir uns in einer Industrienation wie Deutschland eigentlich gar nicht leisten.“

Bernd Peters

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