Smarte Frischzellenkur

Lastenräder-Akkus im Abo: Die Badenova testet in Freiburg drei neue gewerblich nutzbare Akkuwechselstationen

Drei graue, 2,30 hohe Meter Säulen stehen neuerdings in Freiburg: eine am Solar-Info-Center, eine am Güterbahnhof-Areal, eine an der Badenova-Zentrale in Freiburg. Es handelt sich Akkuwechsel-stationen, entwickelt vom Berliner Start-up Green Pack. Der Freiburger Energiedienstleister Badenova will das System in einem auf 24 Monate angelegten Projekt auf seine Alltagstauglichkeit testen.
„Wir suchen nach Lösungen zur Reduzierung der Emissionen, die durch den täglichen Waren- und Pendlerverkehr in der Stadt erzeugt werden“, sagt Peter Majer, Leiter Innovation bei der Badenova. Doch die langen Wartezeiten für das Aufladen der Akkus sind bislang ein Hindernis für den kommerziellen Durchbruch von E-Lastenrädern für die innerstädtische Logistik. Ein weiteres Problem: „Auf Dauer werden wir mit den Lastenrädern und ihren Akkus ein Haltbarkeits- und Recycling-Problem bekommen“, sagt Majer. Vor allem unsachgemäßes Aufladen der Akkus verringt deren Lebenszyklen drastisch.
Hier kommt die Firma Green Pack mit ihrem smarten Akkuwechsel-System ins Spiel. Es hört auf den Namen „Swobee“. Die in den Wechselfächern verstauten Akkus werden beim Ladevorgang ständig überwacht. Das wirkt sich positiv auf die Lebensdauer der Batterien aus. E-Lastenrad-Nutzer, die auf das Green Pack-System umrüsten, können vier Mal pro Woche an der Station den Akku wechseln. Kostenpunkt im Basistarif: 29,90 Euro monatlich. Mit seiner persönlichen Chipkarte kann man sich an der Wechselstation anmelden, und den leeren gegen einen voll geladenen Akku tauschen. Demnächst soll auch eine Smartphone-App darüber informieren, ob die gewünschte Station auch über genug volle geladene Akkus verfügt. Außerdem soll man sich eine Batterie vorab reservieren können. Innerhalb von drei Stunden sind die 1,4 Kilowatt-Akkus aufgeladen. Auf seiner Internetseite stellt der Berliner Anbieter Infos bereit, welche E-Lastenräder und E-Gefährte sich auf die Green Packs umrüsten lassen.
Badenova-Innovationschef Peter Majer schätzt, dass es aktuell rund 40 verschiedene Anwendungsysteme gibt, die mit den Säulen kompatibel sind. Darunter auch Ungewöhnliches, wie eine mobile Energieversorgung für Handwerker: eine schwarze Box mit 230 Volt-Anschluss, in der ein Akku von Green Pack steckt.
In Berlin ist Green Pack inzwischen mit zwölf Säulen vertreten. Dort kooperiert das Unternehmen auch mit Paketlieferdiensten wie DPD und Hermes. In Freiburg wollen der E-Lastenrad-Dienstleiter Roc-Ket und der Lastenanhänger-Entwickler Firma Carla Cargo die neue Ladestruktur ausprobieren. Roc-Ket-Inhaber Tom Ketterer, der unter anderem für das Logistikunternehmen Dachser in Freiburg ein Lastenrad mit 500 Kilo Gesamtgewicht betreibt, sagt: „So langsam bekommen wir mit der Lebensdauer unserer Akkus ein Problem. Gerade im Winter verlieren wir vom Ladezyklus bis zu 30 Prozent“. Er ist angetan von den Wechsel-Säulen: „Mit dem neuen System müssten wir nicht mehr über Nacht aufladen.“

Matthias Joers

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