„Städtepartnerschaften sind wichtig“

Freiburg-Madison-Gesellschaft erhält Preis für die aktivste deutsch-amerikanische Städtepartnerschaft – Interview

Die Steuben-Schurz-Gesellschaft mit Sitz in Frankfurt hat es sich zur Aufgabe gemacht, die deutsch-amerikanischen Beziehungen zu stärken. Seit 2011 lobt sie einen Preis für die aktivste deutsch-amerikanische Städtepartnerschaft aus. Einstimmig fiel die Wahl 2019 auf die Freiburg-Madison-Gesellschaft, die seit 1988 existiert. Sven Meyer sprach mit dem Vorsitzenden Toni Schlegel.

Herr Schlegel, wann haben Sie erfahren, dass die Freiburg-Madison-Gesellschaft in Frankfurt für die aktivste deutsch-amerikanische Städtepartnerschaft ausgezeichnet wird und was war dafür ausschlaggebend?

Toni Schlegel: Anfang Januar haben wir davon erfahren und waren alle sehr stolz und glücklich, da wir uns gegen eine ganze Reihe von Bewerbern durchgesetzt haben. Ich denke, ein wichtiger Grund war, dass wir eine Städtepartnerschaft haben, die sehr vom bürgerschaftlichen Engagement getragen wird – hier bei uns, aber ebenso in Madison, vom dortigen Sister City Committee. Dazu kommen die Breite der Aktivitäten und die engen Beziehungen zur Universität.

Sie selber waren in Madison Student, als die Städtepartnerschaft 1988 begonnen hat, und sind seither aktiv dabei. Was verbindet die beiden Städte?

Toni Schlegel: Vom Charakter her sind sich beide Städte sehr ähnlich. Madison hat etwa 20.000 Einwohner mehr und ist ebenfalls eine bedeutende Universitätsstadt. Das gesellschaftliche Klima ist auch in Madison sehr liberal und durchaus grün geprägt – im Sinne von ökologischem Bewusstsein. In Sachen Nachhaltigkeit und Mobilität hat sich Madison durchaus etwas von Freiburg abgeschaut. Ebenso wie Freiburg gilt Madison in den USA als Stadt mit besonders hoher Lebensqualität. Eine starke Verbindung besteht auch über die Universitäten, die in diesem Jahr das 60-jährige Jubiläum des Programms „Academic Year in Freiburg“ begehen.

Wie gestaltet sich die Partnerschaft konkret?

Toni Schlegel: Das gegenseitige Besuchen ist natürlich ein extrem wichtiger Aspekt. Es gab schon Jahre, da sind wir mit hundert Leuten rübergeflogen – inklusive Musikvereinen. Wir haben zudem viele Jahre Schüleraustausch organisiert, vermitteln Praktikanten und machen uns für den kulturellen Austausch stark, zum Beispiel im Bereich Klassik. Es kamen tolle Ensembles nach Freiburg, aber auch umgekehrt von hier nach Madison. Immer wieder denken wir uns besondere Sachen aus. Zum Beispiel hatten wir mal Köche ausgetauscht. Bei mir im Greiffenegg Schlössle gab es für die amerikanischen Gäste unter anderem einen Crashkurs im Spätzleschaben. Einmalig dürfte unsere deutsch-amerikanische Band sein, die Black Forest Badgers, die in wechselnder Besetzung auftreten. Ein wesentlicher Bestandteil sind natürlich die Austauschstudenten.

Es heißt oft, dass sich Deutsche und Amerikaner zusehends entfremden. Trifft das auf die Studenten zu?

Toni Schlegel: Nein, ich habe den Eindruck, dass das ganz und gar nicht der Fall ist. Von Entfremdung kann da wirklich nicht die Rede sein. Der Austausch läuft wie immer. Tendenziell sogar offener als früher, weil die jungen Studenten, die hierher kommen, viel mehr über Deutschland wissen als dies früher der Fall war. Die Differenzen, die es auf staatlicher Ebene gibt, existieren meines Erachtens im Kontext des universitären und kommunalen Austauschs überhaupt nicht. Abgesehen davon muss man in Madison erstmal Leute finden, die Trumps Angriffe auf langjährige Verbündete gut finden. Über 70 Prozent haben dort nicht Trump gewählt, bei den Studenten sind es vermutlich eher 90 Prozent.

Das heißt, Deutsche und die Amerikaner im Mittleren Westen sind sich eigentlich gar nicht so fremd?

Toni Schlegel: Dafür gibt es viel zu viele Gemeinsamkeiten. Das gegenseitige Interesse ist auf jeden Fall da. Worum es geht, ist das gegenseitige Verständnis zu schärfen. Darum sind Städtepartnerschaften so wichtig.

Was ist für die Austauschstudenten aus Madison besonders prägend, wenn sie hier sind?

Toni Schlegel: Letztlich sind das sicher die Menschen, mit denen sie zu tun haben. Bei uns in der Madison-Gesellschaft unternehmen wir regelmäßig Wanderungen mit den Studenten. Was immer für ein Aha-Erlebnis sorgt, ist die Einkehr in die Wirtschaft. Urige badische Gemütlichkeit, zünftiges Vespern mit Wein oder Bier, das gibt es drüben so nicht. Als sehr prägend empfinden sie zudem das Erlebnis des Dreiländerecks mit drei doch sehr unterschiedlichen Kulturen.

Wie wird sich die Madison-Gesellschaft in das Stadtjubiläum einbringen?

Toni Schlegel: Unser Thema werden die Lieder der südbadischen Amerika-Auswanderer sein. Im 19. Jahrhundert sind aus ganz unterschiedlichen Gründen, wie Armut oder politischer Verfolgung, viele Menschen aus der Region in die neue Welt aufgebrochen. Auf der Überfahrt sind Lieder entstanden. Wir haben eine Kiste mit Texten ausfindig gemacht. Unser Vorstandsmitglied Herbert Schiffels lässt Studierende dazu Melodien komponieren, und zwei Gymnasien recherchieren außerdem die Geschichte der Auswanderer.

Wie sieht die Zukunft der Madison-Gesellschaft aus?

Toni Schlegel: Ich hoffe doch rosig. Aber wie alle Vereine haben auch wir ein Problem, neue, jüngere Mitglieder zu finden. Auch wenn die sozialen Netzwerke sicher für internationale Freundschaften vieles vereinfachen, bin ich überzeugt, dass die Möglichkeit des persönlichen Austauschs vor Ort nicht zu ersetzen ist. Ich hoffe, dass wir einige Studenten, die für ein Austauschjahr in Madison waren, künftig einbinden können.

Info
Die Freiburg-Madison-Gesellschaft wurde 1989 ein Jahr nach Unterzeichnung des Städtepartner-schaftsvertrages zwischen Madison, der Hauptstadt von Wisconsin, und Freiburg gegründet. Regelmäßig gibt es einen deutsch- amerikanischen Stammtisch. Er findet jeden ersten Mittwoch im Monat ab 20 Uhr im Greiffenegg-Schlössle, Schloßbergring 3 statt. Mehr Informationen gibt es unter www.freiburg-madison.de

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