Heiß auf die Rückrunde

SC im Formcheck: Zwei Testspiel-Niederlagen in Spanien – vor dem Rückrundenstart in Mainz ist der SC noch nicht auf Betriebstemperatur

Die Mini-Vorbereitung auf die Rückrunde der Fußball-Bundesliga ist beendet – am kommenden Samstag (15.30 Uhr/Sky) startet der SC Freiburg mit einem Spiel beim FSV Mainz. Im Doppel-Test gegen Borussia Mönchengladbach im Trainingslager zeigte sich, welche Spieler noch Luft nach oben haben. Unser Formcheck vor der Rückrunde.„Wir haben trainiert, was möglich war“, sagt Christian Streich nach dem einwöchigen Trainingslager im spanischen Sotogrande. „Die Pause war sehr kurz, das war schon speziell“, so Streich. Die wichtigste Nachricht ist, dass es keine neuen Verletzten gibt. Nur Rechtsverteidiger Lukas Kübler (Reha nach Verletzung), Nachwuchs-Talent Wooyeong Jeong (bei der U23-Asienmeisterschaft mit Südkorea) und SC-Dauerbrenner Christian Günter (Geburt seiner Tochter) waren nicht mit in Spanien dabei. Beim Doppeltest gegen Mönchengladbach (beide Spiele verlor Freiburg 1:2) zeigte sich, wie die Mannschaft in Form ist:

Tor
Direkt zum Start des Trainingslagers entschieden Streich und SC-Torwarttrainer Andreas Kronenberg, dass Rückkehrer Alexander Schwolow die Nummer eins bleibt – „wenn er zu einhundert Prozent fit ist“, sagt Streich. Mark Flekken rückt wieder in die zweite Reihe. Im ersten Testspiel gegen Gladbach zeigte Schwolow, dass die Entscheidung nachvollziehbar ist: Bis auf eine kleine Unsicherheit zu Beginn spielte er wie eine Nummer 1. Er entschärfte einen Lainer-Schuss in der 28. Minute, klärte kurz vor Ende einen gefährlichen Freistoß der Borussia und strahlte insgesamt große Ruhe aus. Bei den beiden Toren des Gladbachers Plea war der 27-Jährige machtlos. Gleichwohl zeigte auch Flekken im zweiten Match mehrere starke Paraden. Er ist jederzeit in der Lage, ein Bundesligaspiel zu bestreiten.

Innenverteidigung
Hier liegen die geringsten Sorgen des SC. In Abwesenheit von Robin Koch, der ins zentrale Mittelfeld beordert wurde, ließen Manuel Gulde und Dominique Heintz in der Viererkette nichts anbrennen. Gulde spielte kompromisslos gegen Gladbachs Thuram und machte in der 17. Minute fast das 1:0 nach einer Grifo-Ecke. Heintz war gewohnt stark in der Spieleröffnung. Im zweiten Spiel bot Philipp Lienhart ein solides Spiel, Nachwuchspieler Yannick Keitel war aktiv, brachte aber einmal SC-Keeper Flekken in die Bredouille. Bleibt die Frage, ob Streich weiter auf die Viererkette setzt: „Wir können auch Dreierkette spielen. Das werden wir in dieser Woche üben“, sagt Streich.

AußenverteidigungLuca Itter, der wegen einer Verletzung in der Hinrunde nicht zum Zug kam, vertrat im ersten Spiel Christian Günter hinten links. Mit der Zeit wurde er immer sicherer und wagte sich nach vorne. Dort setzte er gute Akzente, legte den Pass für eine Höler-Chance (39. Minute) auf und traute sich Offensiv-Dribblings zu. Der auch offensiv einsetzbare Jonathan Schmid spielte defensiv aufmerksam, klärte einmal in höchster Not, blieb vorne aber blass. Nico Schlotterbeck zeigt sich engagiert im zweiten Spiel, während Nachwuchsspieler Lino Tempelmann wertvolle Erfahrungen sammeln durfte.

Mittelfeld defensiv
„Wir haben einen guten Kader und es wird auch in der Rückrunde für den ein oder anderen Phasen geben, in denen er nicht so viel spielt“, sagt Christian Streich. Im defensiven Mittelfeld wird es am Samstag zwangsweise zur Rotation kommen, da Nicolas Höfler aufgrund einer fünften Gelben Karte fehlen wird. Janik Haberer war stets anspielbar und auch Robin Koch forderte häufig den Ball. Er leistete sich jedoch auch gefährliche Ballverluste. Bei der Ballsicherheit sieht Christian Streich mit den größten Handlungsbedarf. Im zweiten Spiel zeigte sich Amir Abrashi als giftiger Zweikämpfer mit Drang nach vorne, ohne viel Gefahr auszustrahlen und Nicolas Höfler war als Ballverteiler mit gewohnt großer Übersicht auffällig.

Mittelfeld offensiv
In der Offensive herrscht beim SC das größte Gedränge. Im ersten Spiel trat Roland Sallai kaum in Erscheinung. Vincenzo Grifo, der mit Sallai häufiger die Seiten tauschte, war offensiv stets anspielbar, agierte dort aber glücklos. Grifos Eckbälle waren gefährlich und er arbeitete auch nach hinten. Die auffälligste Leistung zeigte Einwechselspieler Changhoon Kwon. Im zweiten Spiel, das die Gladbacher wie die erste Partie über weite Strecken dominierten, hatten Mike Frantz und Jerome Gondorf ihre Schwierigkeiten. Forian Kath traf zum 1:0 nur eine Minute nachdem er für Gondorf kam.

Angriff
Auch die Angriffsreihe hatte einen schweren Stand: Nils Petersen und Lucas Höler versuchten die Gladbacher früh zu stören. Höler machte fast das 1:0 nach 39 Minuten, während Petersen nach einer Grifo-Ecke akrobatisch einnetzte. Der nach seiner Mehrfachverletzung wiedergenesene Luca Waldschmidt holte sich im zweiten Spiel die Bälle tief in der eigenen Hälfte ab. Ihm gelang nach einer Einzelaktion ein abgefälschter Schuss (39.). „Er muss sich jetzt die Kraft holen, damit er nach vorne und hinten alles abarbeiten kann“, sagt Streich. Von Brandon Borello sei vor allem Geduld gefragt, so Streich, jetzt, da Grifo und Waldschmidt wieder fit seien: „Wenn er reinkommt, muss er zeigen, was er drauf hat.“

Nachwuchsspieler
Reinschnuppern bei den Profis durften im Trainingslager die U23-Spieler Yannick Keitel, Carlo Boukhalfa, Fabian Rüdlin und Marvin Pieringer. Für sie ging es vor allem, sich zu zeigen und das Gelernte aufzusaugen. In der Bundesliga-Rückrunde dürften sie kaum eine Rolle spielen.

Der Spieler
der Stunde
Neben Alexander Schwolow, dem die SC-Trainer den Rücken stärkten, ist das vor allem Changhoon Kwon. Mit aller Macht drängt der Südkoreaner in die Anfangself. Nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung für Sallai wurde es gefährlich: Mit einer Körpertäuschung brachte sich Kwon in Schussposition und setzte einen Flachschuss knapp am Gladbacher Kasten vorbei (47). Der 25-Jährige war offensiv aktiv und klärte bei einem Borussen-Konter auch hinten in höchster Not. Kwon, der in der Hinrunde nur ein Spiel von Beginn an machte, hätte sich einen Startelf-Einsatz verdient.

Das Fazit
Defizite machte Streich vor dem Bundesligastart gleich mehrere aus: „Spielaufbau, Positionsspiel, Laufwege – das haben wir anders geübt. Zudem hat mir der Mut und die Überzeugung gefehlt“, sagte Streich nach den Spielen gegen Gladbach. Wie schon in der Hinrunde gilt: Der große Konkurrenzkampf könnte bei einer hoffentlich verletzungsfreien Freiburger Mannschaft für weitere Leistungssprünge sorgen – vorausgesetzt, alle Spieler ziehen wie bisher an einem Strang. Und die Bedeutung des ersten Spiels ist nicht zu unterschätzen: Bei einem Dreier am Samstag hätte Freiburg 29 Zähler auf dem Konto. Das wäre die Initialzündung für eine endgültig sorgenfreie Saison, die vielleicht in Richtung Europa führen kann. Christian Streich sagt: „Wir haben einen stabilen Kader. Aber auf dem Platz liegt die Wahrheit.“

Matthias Joers

Zurück