Eine Partnerstadt in Krisen-Zeiten

Interview: Was bedeutet die Iran-Krise für die Städtepartnerschaft zwischen Freiburg und Isfahan?

Die Iran-Krise wirft ein Schlaglicht auf die seit 20 Jahren existierende Städtepartnerschaft mit Isfahan, der einzigen zwischen einer deutschen und einer iranischen Stadt. 2020 plant der Freundeskreis Freiburg-Isfahan e.V. mehrere Bürgerreisen in den Iran. Im Interview erklärt die Vereinsvorsitzende Fatima Chahin-Dörflinger, weshalb die Reisen nicht abgesagt werden.

Der Iran erlebt hochemotionale Zeiten: Da war die Wut über das Agieren der USA, und da sind jetzt die Proteste gegen das iranische Regime wegen des Abschusses eines Passagierflugzeugs. Wie schlägt sich diese Stimmung bei Ihnen im Verein nieder?

Fatima Chahin-Dörflinger: Im Verein selber sind wir gar nicht so viel Iraner. Aber in Freiburg leben rund 400 Iraner und natürlich sprechen wir darüber. Diese Kriegsbedrohung gab es die letzten 20 Jahre immer wieder mal. Jetzt war es doch sehr brenzlig. Gerade die Ankündigung der USA, dass kulturelle Einrichtungen zu militärischen Zielen werden könnten, war ein Schreck. Wir haben ein recht gutes Netzwerk mit Kulturschaffenden in Isfahan. Auch die waren entsetzt.

Und welche Schlüsse ziehen Sie?

Chahin-Dörflinger: Wir haben uns gefragt, was können wir tun? Wir sind ja nicht in der großen Politik unterwegs. Wir sind unterwegs in der Städtepartnerschaft und dem Kulturaustausch. Nach kurzer Schockstarre war für uns klar: Gerade jetzt dürfen wir unsere Kulturpartner, also Wissenschaftler, Bildungsvertreter, Künstler, Handwerker, Musiker nicht alleine stehen lassen. Gerade jetzt schauen wir, dass wir unsere Projekte organisiert bekommen.

Sie planen an Ostern eine Jubiläums-Mountainbiketour von Isfahan nach Persepolis, außerdem stehen im April und im Oktober zwei Bürgerreisen an. Wie ist die Resonanz angesichts der politischen Krise?

Chahin-Dörflinger: Am Freitag hatten wir einen Infoabend und wir waren schon in Sorge, dass kaum jemand kommt, weil es diese ganzen furchtbaren Nachrichten gibt. Trotzdem sind rund 25 Leute erschienen. Das hat mich sehr gefreut.

Das heißt, die Bürgerreisen und die Radtour finden statt?

Chahin-Dörflinger: Wir führen das auf jeden Fall durch. Auch unsere letzte Bürgerreise im September wurde von negativen Nachrichten begleitet und es waren nur acht Teilnehmer dabei. Normalerweise sind 20 bis 30 Reisende dabei. Trotzdem haben wir die Reise durchgeführt. Das ist mit unserem Reiseveranstalter „Die Brücke“ so besprochen: Egal wie kompliziert es wird, wir versuchen unsere kulturellen Projekte weiterzuführen.

Obwohl das Auswärtige Amt von Reisen in den Iran derzeit abrät?

Chahin-Dörflinger: Natürlich kann ich verstehen, dass die Menschen hier Besorgnis haben, wenn das Auswärtige Amt die Reisewarnung verschärft. Die Menschen fragen uns, ob es denn sicher ist. Da müssen wir Überzeugungsarbeit leisten. Aber wir pflegen einen bürgerschaftlichen Austausch. Die Menschen in Isfahan brauchen weiterhin den Kontakt. Die Iraner, mit denen wir zu tun haben, also Personen, die im Kulturaustausch tätig sind, leiden unter dieser Situation. Es wäre vollkommen kontraproduktiv, wenn wir das jetzt unterbinden würden. Interview: Matthias Joers

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