Abschied vom weißen Winter

Schlechte Nachrichten für Wintersportler:

Die Schneetage werden im Schwarzwald weniger

 

Der Schwarzwald ist ein Paradies für Skilangläufer und auch Anhänger des alpinen Skisports finden an den höhergelegenen Hängen ansehnliche Pisten. Der Feldberg kann es dank Abfahrten wie der FIS-Weltcup-Strecke sogar mit einigen Skigebieten in den Alpen aufnehmen. Doch im Schwarzwälder Winterwunderland, wie es auf Postkarten und auf Youtube-Clips präsentiert wird, herrscht derzeit eher Katerstimmung. Selbst am Feldberg, dem höchsten Gipfel des Schwarzwaldes war zuletzt noch nicht mal ein Drittel der Skilifte geöffnet. Dazu passt, dass das geplante Skispringen in Titisee-Neustadt am 3. und 4. Januar wegen fehlendem Schnee abgesagt werden musste.
Das Problem des bisherigen Winters: Wenn es mal richtig kalt ist, fehlt oft der Niederschlag, sobald dann doch mal eine bescheidene Schneedecke vorhanden ist, klopft schon die nächste Warmfront an – und schon ist die bescheidene weiße Pracht dahin. Der Dezember lag bis Weihnachten drei Grad über dem langjährigen Mittel. Auf dem Feldberg können die Pistenbetreiber aufgrund der Höhenlage häufig noch mit Schneekanonen Kosmetik betreiben, doch die kleineren und niedriger gelegenen Skigebiete sind der warmen Witterung hilflos ausgeliefert.
„Der Schwarzwald sowie alle deutschen Mittelgebirge sollten sich auf Dauer etwas anderes überlegen“, rät der Freiburger Meteorologe Andreas Matzarakis vom Deutschen Wetterdienst im Hinblick auf den Wintersport. Natürlich werde im Schwarzwald auch diesen Winter noch weiterer Schnee fallen, die Frage sei jedoch, ob es für die Liftbetreiber reichen wird, um reibungslosen Skibetrieb zu gewährleisten. Statistiken mit einem Zeitraum von den 1940er-Jahren bis heute zeigten, so Matzarakis, dass der Schnee im Schwarzwald tendenziell weniger werde. Besonders betroffen seien die Lagen unterhalb von 900 Metern. Dort werde langfristig kein Skibetrieb mehr möglich sein.
In Bezug auf den Wintertourismus, so Matzarakis, gebe es eine 100-Tage-Regel: Damit sich die Infrastruktur lohne, brauche es pro Saison 100 Schneetage. Wenn man davon ausgehe, dass 30 Zentimeter Schneedecke die Voraussetzung für Skisport sind, dann sei die 100-Tage-Regel in den zurückliegenden 30 Jahren in etwa einem Drittel der Jahre nicht erfüllt worden. „Wie es ausschaut, werden nur der Feldberg und der Belchen im Südschwarzwald in Zukunft dieses Kriterium erfüllen“, erklärt der Freiburger Meteorologe. Und auch hier ist die Frage, wie lange noch, denn in einem sind sich alle Klima-Prognosen einig: Die Temperaturen werden steigen.
Im Schwarzwald hat die Neuausrichtung des Wintertourismus indes längst begonnen: „Wer rund um Weihnachten in den Schwarzwald kommt, weiß, dass er nicht sicher mit Skisportbedingungen rechnen kann“, betont Pressesprecher Wolfgang Weiler von der Schwarzwald Tourismus GmbH. Der Winterurlaub im Schwarzwald entwickle sich immer mehr zum Frischlufturlaub in der Natur gepaart mit Kulinarik und Wellness. „Die Touristen, die dringend Schnee wollen, haben von vorneherein etwas in den Alpen gebucht. Deshalb haben wir jetzt auch keine kurzfristigen Stornierungswellen“, so Weiler.
Adrian Probst, Vorsitzender des Liftverbundes Feldberg bestätigt indes, dass der Klimawandel ein großes Thema bei allen Tourismustreibenden im Schwarzwald sei. Auch am Feldberg setze man zusätzlich auf alternative Angebote zum Skifahren. So bemühe man sich darum, in der Wintersaison zusätzlich Aktionen wie Fackelwanderungen oder urige Hüttenerlebnisse anzubieten. Fakt ist jedoch auch: Der Wintertourismus macht am Feldberg derzeit noch über 60 Prozent des Jahresumsatzes aus und Schnee ist die wichtigste Währung. Zudem schläft die Konkurrenz in den Alpen nicht und hat aufgrund der Höhe schon gewaltige Standortvorteile.
Noch aber ist nicht aller Tage Abend: „Um ein Urteil über diesen Winter zu fällen, ist es noch zu früh“, sagt Andreas Matzarakis. Das bange Warten auf Väterchen Frost geht weiter.

Sven Meyer


„Die Touristen, die dringend Schnee wollen, haben von vorneherein etwas in den Alpen gebucht.“
Wolfgang Weiler, Tourismussprecher

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