„Wir haben demütig gewartet“

Es läuft bei Eishockey-Zweitligist EHC Freiburg – doch dass die Betriebserlaubnis für die Eishalle 2024 endet, trübt die Stimmung. Ein Interview

Zehn Siege auf dem Konto und Platz sieben: Nach dem ersten Saisondrittel in der DEL 2 ist es Zeit für eine Zwischenbilanz beim EHC Freiburg. Mit dem neuen Sportlichen Leiter, Daniel Heinrizi und dem EHC-Präsidenten Michael Müller sprach Matthias Joers über den Umbruch im Verein, den sportlichen Erfolg – und das große Dauerthema, die Eishalle.

Die Wölfe haben in Jake Ustorf kürzlich einen 22-jährigen Angreifer unter Vertrag genommen. Was sind die Beweggründe dafür?

Daniel Heinrizi: Das hat bereits schon perspektivische Gründe, da im kommenden Jahr in der DEL 2 eine Ü24-Stelle je Team reduziert wird. Jake wollte nach Freiburg und passt von seinen läuferischen Fähigkeiten gut zu uns.

Das verschärft auch den Konkurrenzdruck. Pushen sich die Spieler gegenseitig?

Heinrizi: Ja, denn sie wissen jetzt, dass der Trainer die Qual der Wahl hat, denn jedes Spiel müssen zwei von ihnen auf der Tribüne sitzen.

Wie fällt Ihr Fazit nach dem ersten Saisondrittel aus?

Heinrizi: Ich glaube, dass wir über unserem Potenzial spielen. Keiner unterschätzt mehr Freiburg, dafür mussten wir einiges investieren und der gute Start war der Lohn dafür. Das ist eine schöne Momentaufnahme, aber dafür muss man jeden Tag weiter hart arbeiten. Wenn wir es schaffen, uns zu steigern, glaube ich, dass wir die Überraschung der Liga sein können.

Sie haben einen neuen Trainer verpflichtet, eine neue Spielidee implementiert und den Kader umgebaut. Sind Sie überrascht, dass es so gut läuft?

Heinrizi: Wenn es so gut laufen würde, hätten wir ein paar Siege mehr und wären vielleicht Tabellenzweiter. Es gibt schon ein paar Sachen, die uns nicht gefallen und woran wir arbeiten müssen, um uns zu verbessern und konstanter zu werden, dies ist ein Prozess. Natürlich sind wir unglaublich zufrieden damit, wie die Mannschaft zusammenwächst. Da zahlt sich die Arbeit, die der Trainer und ich im Sommer in Gespräche investiert haben, aus.

Sie spielen sehr direktes Eishockey. Welchen Anteil hat Trainer Peter Russell daran?

Heinrizi: Einen sehr großen. Ich haben ihn im Sommer bewusst geholt, weil er diesselbe Spielidee hat wie ich. Wir wollen schnörkelloses Eishockey spielen, weil es effizienter und erfolgreicher ist. Dass es im Moment so gut funktioniert, ist auch der Anteil der Spieler, weil sie dem System vertrauen. Wir sind definitiv nicht die talentierteste Mannschaft der Liga. Sondern wir müssen uns dem, was uns erfolgreich macht, treu bleiben.

Herr Müller, Ihnen müsste das Herz aufgehen angesichts des Erfolgs?

Michael Müller: Als Fan kann man immer mehr fordern. Wir als Vorstandschaft und ich als Präsident sind dagegen zufrieden, sehr zufrieden. Erstens, sind wir realistisch genug, um zu sehen, woher wir kommen. Und zweitens, solange wir in der Tabelle weit über unserem Budget platziert sind – so wie im Moment – können wir mehr als zufrieden sein.

Sie sind seit einem Jahr Präsident. Was ist seither geschehen?

Müller: Ich bin ja schon lange im Verein, über zehn Jahre. Wir, der Vorstand, haben den Verein auf links gedreht. Zum Glück weiß man vorher nicht alles, was auf einen zukommt.

Bereuen Sie Ihr Amt etwa schon?

Müller: Nein, ich bereue nichts. Mein Engagement erfordert sehr viel Zeit und Kraft. Aktuell bauen wir Strukturen auf, die bitter notwendig sind, um diesen Verein zu steuern. Nur aus dem Ehrenamt schaffst Du das irgendwann nicht mehr. Du brauchst gute Leute und Profis. Wir sind der drittgrößte DEL 2-Standort und wir als Verein betreiben die meistgenutzte Sportstätte in Südbaden.

Inzwischen haben Sie viel bewegt.

Müller: Die Stadt und der Verein haben Enormes geleistet in den letzten 18 Monaten. Das Gebäudemanagement der Stadt Freiburg hat das Stadion neu streichen und eine LED-Beleuchtung einbauen lassen und wird acht neue Container aufbauen lassen. Der Verein hat das Stadion neu beschriftet mit dem Wölfe-Logo, wir haben die Mannschaft umgekrempelt und neues Personal eingestellt, es gibt einen neuen Mannschaftsbus und außerdem zwei neue Busse für den Nachwuchs. Wir haben den VIP-Raum nochmals umgebaut sowie die Geschäftsstelle renoviert und die Halle in Echte Helden Arena umbenannt, in Kooperation mit der Initiative der Kinder- und Jugendklinik Freiburg und unserem Sponsor AHP Merkle. Es freut uns sehr das die VAG den neuen Namen an der Haltestelle „Echte Helden Arena“ als Ansage durchsagt.

Was war Ihr Antrieb für all das?

Müller: Es haben viele engagierte Menschen, über Jahre, im Verein mit geholfen das der Verein überlebt hat. Nehmen Sie z.B. die hervorragende Arbeit von Thomas Dolak, der leider nicht mehr lebt, wir im Verein und in der ersten Mannschaft profitieren heute noch von seiner hervorragenden Arbeit im Nachwuchs. Nun müssen der aktuelle Vorstand und ich als Präsident die Verantwortung übernehmen. Wir versuchen alles, was in unserer Macht steht, dafür zu tun, brauchen aber auch die Hilfe von Sponsoren, Mitgliedern, Ehrenamtlichen, Fans und der Stadt Freiburg.

2024 endet die Betriebserlaubnis für die Eishalle. Sind Sie besorgt?

Müller: Ja, natürlich. Wir als Vorstand haben die ganz klare Aufgabe und das Votum des Vereins für den Bau einer neuen Halle zu werben und zu kämpfen. Man muss es so sehen: Die erste Mannschaft nutzt die Halle zu zehn Prozent, der Nachwuchs zu 20 Prozent. Der Rest ist alles öffentlicher Publikumslauf. Wir haben eine Para-Mannschaft für Behindertensportler, die eine Spielgemeinschaft mit Berlin eingegangen ist. Würde es diese Kooperation nicht geben, dürften sie nicht spielen, weil unsere Halle nicht behindertengerecht ist. Seit diesem Jahr haben wir wieder eine sehr engagierte Damenmannschaft, die hart trainiert und sich auf den regulären Spielbetrieb vorbereitet. Das freut uns alle sehr im Verein. Die Halle ist von morgens bis abends ausgebucht.

Warum braucht es einen Neubau?

Müller: Erstmal wäre es für die Stadt selbst sehr wichtig. Die ganze Technik ist vom letzten Jahrtausend. Wir haben nicht mal einen Wärmetauscher für unsere Geschäftsstelle. Wir kaufen 10.000 Liter Heizöl zu. Da wird eine Energie verpulvert, das ist nicht mehr normal. Und die sanitären Anlagen und Umkleiden sind nicht vorzeigbar. Es geht auch gar nicht um die erste Mannschaft – das ist nur die Kirsche auf der Torte. Es geht um den Nachwuchs, alle angliederten Vereine und Mannschaften im Eisstadion und um über 80.000 Besucher pro Jahr im Publikumslauf. Wir als EHC halten dies alles aufrecht.

2009 gab es einen Gemeinderatsbeschluss für eine neue Halle. Passiert ist seither nicht viel.

Müller: Vielleicht hat der Verein ab 2009 demütig auf eine neue Halle gewartet und gehofft. Das ist nicht meine Art. Ich sehe es so: Das, was jetzt eingeläutet ist, kann das letzte Spiel für die Eishalle und den EHC sein. Dieses „Spiel“ wird nicht in der Eishalle stattfinden, sondern im Gemeinderat. Der Gemeinderat muss sich auch nicht nur zum EHC bekennen, sondern in erster Linie zu den Bürgern der Stadt: Eissport, Breitensport und Publikumslauf in Freiburg, ja oder nein? Mit aller Konsequenz. Es gibt durchaus positive Signale von Seiten der Stadt und des Gemeinderates. Wir haben eine kleine Zuschusserhöhung, für den Betrieb der Halle, 2019 erhalten. Dafür bedanke ich mich auch im Namen des Vereins. Die letzte Zuschusserhöhung davor war vor 15 Jahren im Jahr 2004. Weitere Zuschusserhöhungen werden wir vorbereiten, um den Betrieb der Halle zu sichern.

Macht es überhaupt noch Sinn, Geld in die Halle zu investieren?

Müller: Das, was jetzt getan worden ist, denke ich, wird bis 2024 halten. Da läuft unsere Genehmigung aus. Nur ich kann mir nicht vorstellen, dass der Sachverständige das deutlich über 2024 hinaus weiter genehmigen wird. Die Stadt und der Verein sollten dieses Zeitfenster also nutzen. Zumal wir ein Grundstück benötigen und wir brauchen eine Machbarkeitsstudie. Das sieht die Stadt genauso. Es laufen bereits intensive und konstruktive Gespräche zwischen der Stadt und dem Verein.

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