Auf den Spuren von Buffalo Bill

Im Wildtal liegt die Ranch samt Saloon des zweitältesten Westernclubs Deutschlands – ein Ortsbesuch

Das Gelände des „Cowboy Club Buffalo“ liegt etwas versteckt neben dem Flammhof im Wildtal. An einem Wochenende im Juli wurde dort gemeinsam mit Freunden und Familie das 100-jährige Jubiläum in bester Western-Manier gefeiert. Was fasziniert die Mitglieder so sehr am Wilden Westen, dass sie regelmäßig in Kostüme schlüpfen? Der Freiburger Wochenbericht besuchte den altehrwürdigen Verein.Viele Freiburger wissen nicht, dass ihre Stadt in Sachen Westernclubs eine echte Hochburg ist: Insgesamt elf Vereine gibt es in Freiburg. Dazu gehören neben weiteren Cowboyclubs auch Indianervereine. Der „Cowboy Club Buffalo“ ist der älteste in Freiburg und deutschlandweit der zweitälteste Verein. Gegründet wurde er im Jahre 1919 von Franz Faller.
Inspiriert durch den populären Bisonjäger Buffalo Bill gründete er mit einigen Freunden den „Cowboy Club Buffalo“. Nachdem die Clubaktivitäten durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurden, konnten sie 1952 mit Unterstützung von weiteren Clubs aus München und Freiburg das erste „Council“ organisieren, bei dem Westernfans aus der ganzen Welt zusammenkamen und dies bis heute jedes Jahr an Pfingsten immer noch tun.
Die Westernfans aus aller Welt bemühen sich bei den alljährlichen Treffen darum, das Leben der Cowboys so authentisch wie möglich darzustellen. Das bedeutet auch, dass es keinen Strom und kein fließendes Wasser gibt. Wer beim Telefonieren erwischt wird, muss Strafe zahlen, erzählt Clubmitglied Mackes Kehrer.
Besonderen Wert legen die Westernfans auf ihre Kostüme: Karl Held, das älteste Mitglied des Clubs, berichtet, dass das Zusammenstellen der richtigen Accessoires früher noch wesentlich schwieriger war. Deshalb habe er damit begonnen, die Westernartikel selbst herzustellen. Mit einigem Geschick stellt er bis heute Gegenstände wie Messerscheiden aus Leder her.
Karl Held trat dem Club im Jahre 1954 mit 15 Jahren bei und ist mit 60 Jahren Vereinszugehörigkeit das älteste Mitglied. Für sein jahrzentelanges Engagement wurde er bei der Jubiläumsfeier zum 95-jährigen Bestehen geehrt. Zum 100-jährigen Jubiläum im Juli wurden auch Anne und Hans Frank, die den Club jahrelang als Vereinsvorstände mitgestalteten, zu Ehrenmitgliedern ernannt.
Alle drei stehen exemplarisch dafür, was den Club ausmacht. So gehe es in erster Linie darum, „die Tradition zu pflegen“, wie Vereinsvorstand Fritz Schätzle betont. Der Großteil der Mitglieder kommt über die Familie zum Westernhobby. Clubmitglied Mackes Kehrer erzählt, dass ihm das Westernhobby praktisch in die Wiege gelegt wurde. Andere Mitglieder brächten zudem bereits ihre eigenen Kinder zu Aktionen mit.
Über das Fortführen der Tradition sind die Clubmitglieder aber nicht völlig sorgenfrei. So habe es schon Zeiten gegeben, in denen der Club nur noch sieben Mitglieder hatte. Heute sind es zwar über 30, allerdings beobachten die Clubmitglieder, dass junge Menschen heute häufig kein Interesse mehr an solchen Hobbys haben. Zu einer Mitgliedschaft gehört eben auch viel Arbeit und Zeitaufwand, wie Mackes Kehrer erklärt.
Mit über 20 Terminen im Jahr erfordert das Hobby viel Hingabe. Neben der Liebe zum Western verbindet die Mitglieder auch eine häufig langjährige Freundschaft. Zweimal pro Woche – mittwochs und sonntags – treffen sie sich auf ihrer eigens erbauten Ranch am Rande des Wildtals. Und mit etwas Glück werden es zukünftige Generationen wohl auch noch in weiteren 100 Jahren tun.

Felix Reimann

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