Kein Leben ohne Fußball

Interview: Swamp-Wirt Carmelo Policicchio über sein neues Buch und das Stadion

Swamp-Betreiber Carmelo „Chico“ Policicchio ist SC-Fan durch und durch. Jetzt hat der Kneipenwirt ein neues Buch mit persönlichen Geschichten aus seinem Fußball-Kosmos veröffentlicht. Matthias Joers hat ihn interviewt.

Herr Policicchio, vergangene Woche war die offizielle Buchvorstellung. Ein schöner Abend?

Carmelo Policicchio: Es war ein sehr schöner Abend und auch ein erfolgreicher. Wir hatten über 100 Leute da, deshalb mussten leider ein paar Leute draußen bleiben. Wir haben alle Bücher verkauft, die wir dabei hatten. Und das Publikum war echt klasse.

Ihr Buch ist ja ein Sammelband Ihrer Kolumnen, die im SC-Stadionheft erschienen sind. Hätte jemand, der wenig mit Fußball am Hut hat, auch Freude daran?

Policicchio: Würde ich schon sagen. Natürlich drehen sich die Geschichten um den SC und den Fußball. Aber Fußball ist ja mehr als nur Fußball, was spätestens seit Nick Hornbys Buch „Fever Pitch“ den meisten Menschen bekannt sein dürfte. Fußball ist eine Art zu leben und reflektiert das Leben. Ich glaube, da findet jeder etwas.

Woher holen Sie Ihre Ideen?

Policicchio: Ein Bezug ist zum Beispiel die Musik. Fußball und Musik hängen für mich eng zusammen. Wenn der SC zum Beispiel in München gekickt hat, haben wir immer bei einem Kumpel übernachtet. Der war totaler Musiknerd und Fan der britischen Rockgruppe The Fall. Der hatte alle Platten, alle Bootlegs, alles von denen. Jedes Mal wenn wir schön verloren haben bei den Bayern, sind wir durch die Kneipen gezogen und haben nachts The Fall gehört. So kommen diese Geschichten zustande.

Deswegen ist es auch kein Fußballbuch im reinen Sinne, sondern es geht um das Leben?

Policicchio: Ja. Es ist ja fast tragisch, dass ich mich an manche Ereignisse nur deshalb erinnere, weil an dem Tag ein Fußballspiel war. Oder umgekehrt: Die Hochzeit meines besten Freundes, war an dem Tag, als der HSV in Freiburg spielte und „Richie“ Golz in der fast letzten Minute einen Elfer hielt. Und dass einer meiner Söhne geboren wurde, als der SC in Sevilla spielte, und ich nicht hinfahren konnte.

Ein Leben ohne Fußball – wäre das für Sie überhaupt vorstellbar?

Policicchio: Für andere akzeptiere ich das voll und ganz. Ich verstehe, dass manche diesen Wahnsinn nicht nachvollziehen können. Der ist bei mir ja auch weniger geworden. Aber ein Leben ohne Fußball? Das wäre zwar möglich, würde aber viel weniger Spaß machen. Und es wäre anders verlaufen, weil ich viele Menschen über den Fußball kennen gelernt habe.

Voraussichtlich nächstes Jahr zieht der SC in ein neues Stadion im Freiburger Westen. Was bedeutet dieser Umzug für Ihre Kneipe, in der Sie die SC-Spiele zeigen?

Policiccio: Für die Auswärtsspiele gar nichs. Zumindest wenn ich Sky weiterhin behalte und den SC weiter übertrage. Bei den Heimspielen wird es sich herausstellen, ob die Leute nach dem Spiel quer durch die Stadt noch ins Swamp fahren. Das weiß ich nicht. Erleichtern wird sich vielleicht die Terminplanung für die Konzerte. Künftig kann ich auch bei Heimspielen eher mal ein Konzert terminieren. Bisher ging das nicht so einfach.

Freuen Sie sich auf das neue Stadion oder sind Sie zwiegespalten?

Policicchio: Zwiegespalten. Ich glaube, jeder Fan wird das alte Stadion irgendwie vermissen. Man weiß in dieser Sache nicht, was eigentlich genau auf uns zukommt. Mein Gefühl liegt da irgendwo zwischen Erwartung und Verlustangst. Es wird auf jeden Fall spannend.Carmelo Policicchio: Worte kommen meist zu spät – 2. Halbzeit. Strzelecki Books, Köln 2019. 160 Seiten, 14,80 Euro. Erhätlich in der Jos Fritz Buchhandlung, Freiburg

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