Falsche Ausgangslage

Zu viel Erhöhung, zu wenig Alternativen: Einzelhändler kritisieren Parkgebühren

Parken in Freiburg wird ab Februar kommenden Jahres deutlich teuerer, das hat der Gemeinderat frisch beschlossen. Was der Zusammenschluss der Innenstadthändler „z’ Friburg in der Stadt“ von der neuen Regelung hält, hat Claudia Kleinhans von der Geschäftsführerin des Verbandes, Susanne Atila (rundes Bild), in Erfahrung gebracht.

Frau Atila, trotz des gemeinsamen Appells vieler Händler und Institutionen hat sich der Gemeinderat für eine Erhöhung der Parkgebühren für oberirdische Parkplätze in der Innenstadt um bis zu 70 Cent pro Stunde entschieden, zudem sollen die Gebühren alle zwei Jahre um zehn Prozent erhöht werden. Wie war Ihre Reaktion?

Susanne Atila: Ich war in der Gemeinderatssitzung und damit direkt vor Ort als die Entscheidung fiel. Wir waren nicht begeistert. Vor allem die zusätzlichen zehn Prozent die nun alle zwei Jahre hinzukommen sollen, haben unseren Unmut geweckt und stoßen auf Unverständnis.

Inwiefern?

Atila: Im Gegenzug stimmen einfach die Rahmenbedingungen nicht. Gäbe es mehr Park-and-Ride-Plätze oder wäre der öffentliche Nahverkehr günstiger, dann hätten wir eine ganz andere Ausgangslage. Mit dem neu eingeführten Kurzstreckenticket erreicht man von den Park-and-Ride-Plätzen nicht einmal die Innenstadt. Daher können wir diese immense Erhöhung nicht nachvollziehen.

Die Erhöhung würde vor allem Menschen aus dem Umland und Touristen treffen, was bedeutet das für den Handel?

Atila: Genaue Zahlen für die gesamte Innenstadt kann ich nicht nennen, dennoch ist klar, dass Freiburg als Oberzentrum auch von Kaufkraft aus dem Umland profitiert. Die Parkhäuser und oberirdischen Parkplätze sind an Samstagen oder Brückentagen voll. Das Auto wird also gerne genutzt. Wir befürchten, dass höhere Gebühren durchaus Leute abschrecken werden.

In den Parkhäusern werden die Gebühren immerhin nicht erhöht heißt es bis jetzt …

Atila: Ja, das stimmt, allerdings haben wir die Befürchtung, dass auch die Parkhäuser in absehbarer Zeit nachziehen werden.

Lina Wiemer-Cialowicz („Eine Stadt für alle“) sagte im Gemeinderat, der Handel würde letztlich von einer autofreien Innenstadt profitieren können …

Atila: Das sehen wir anders. Das Umland hat hier eine ganz andere Ausgangslage. Wer in der Stadt wohnt, dem fällt es potenziell leichter, auf das Auto zu verzichten. S-Bahn und Bus stehen in ausreichender Frequenz zur Verfügung, auch das Fahrrad ist eine Option. In vielen Umlandgemeinden ist das nicht der Fall und hier sehen wir das Problem.

Wie könnte in Ihren Augen eine Lösung aussehen?

Atila: Erste Schritte wurden ja nun gemacht, beispielsweise mit einer minutengenauen Abrechnung oder dem Bezahlen per Handy. Zusätzlich könnten wir uns eine Kombination aus Park-and-Ride und S-Bahn-Ticket vorstellen. Wir wollen, dass die Kunden mit einem positiven Erlebnis die Stadt verlassen und die hohen Parkgebühren nicht das letzte sind, was sie von ihrem Besuch in Freiburg in Erinnerung behalten.

Zurück