„So ein Problem habe ich gerne“

Flekken, Sallai, Kwon und Borello: Die zweite Reihe beim SC macht Druck und drängt mit guten Leistungen in die Startelf

Wer hätte das gedacht: Just vor dem Heimspiel gegen Bayern-Schreck Eintracht Frankfurt wird beim SC Freiburg in aller Öffentlichkeit über die Torhüter diskutiert: Mark Flekken oder Alexander Schwolow? Nur eine von vielen Fragen, die sich gerade beim SC stellen. Grund dafür sind die starken Leistungen der zweiten Reihe.Schon nach seinem Bundesligadebüt gegen Leipzig ließ Ersatztorwart Mark Flekken durchblicken, das ihm der Platz zwischen den Pfosten beim SC ganz gut gefällt – „ich werde das Tor sicher nicht freiwillig räumen“, sagte der sympathische 26-Jährige damals. Mit seinen kessen Aussagen sorgte er für den einen oder anderen Lacher unter den Journalisten in der Mixed Zone.


Flekken lässt aufhorchen
Überzeugen muss Flekken aber nicht die schreibende Zunft, sondern SC-Torwarttrainer Andreas „Krone“ Kronenberg. Nicht zuletzt deshalb legte sich der Niederländer beim 2:2 in Bremen so ins Zeug und hatte mit seinen starken Paraden großen Anteil am Punktgewinn an der Weser.
Flekken möchte also im Tor bleiben, auch dann, wenn die von seinem Muskelfaserriss wiedergenesene Nummer eins Alexander Schwolow wieder zurück ist.
Hat Freiburg jetzt ein Torwartproblem? Das wurde Christian Streich nach dem Bremen-Spiel gefragt. „Ja“, sagte er, „so ein Problem habe ich aber gerne.“ Ob er schon wisse, wer am Sonntag gegen die Eintracht im Tor steht? „Nein“, das wisse er nicht, aber letztlich sei Kronenberg da „der entscheidende Mann“, so Streich: „Das wird erst mit dem Krone gesprochen, danach mit mir.“ Interviews geben durfte Flekken nach der Partie jedenfalls keine mehr – ein klares Zeichen dafür, dass eine Entscheidung kurz bevor steht. Leicht zu moderieren wird das nicht werden – hier der tadellos spielende Alexander Schwolow. Und dort der aufstrebende Mark Flekken, der längst bewiesen hat, dass er das Zeug zum Bundesligatorwart hätte.
Entscheiden muss sich das Freiburger Trainerteam aber nicht nur auf der Torhüterposition. „Man merkt, dass wir in der Breite Spieler haben, die von der Bank reinkommen und richtig etwas bewegen können“, beschreibt Christian Streich sein Dilemma. Roland Sallai ist so ein Fall. „Er musste lange auf Einsätze warten. Er war ja verletzt“, so Streich. Jetzt aber sei der Ungar in Bremen „95 Minuten durchmarschiert“. Auch der Koreaner Changhoon Kwon und der Australier Brandon Borello heimsten ein Extralob vom SC-Trainer ein. „Beide haben so viel Theater gemacht, dass sie gefoult werden mussten“, sagt der SC-Trainer über die Einwechselspieler. „Ich freue mich sehr für die drei“, sagt Streich über Sallai, Borello und Kwon. Der Konkurrenzdruck, den die drei mit ihren Leistungen anfachen, kann Streich nur recht sein – auch wenn das bedeutet, dass es wieder Enttäuschte geben wird. Streich sagt jedenfalls: „Das hilft uns brutal.“


Freiburg jetzt Fünfter
Der viel beschworene Teamgeist und die starken Leistungen haben den SC mittlerweile auf Rang fünf gespült – punktgleich mit den Bayern. Erst zwölf Gegentore fingen sich die Breisgauer ein. Und es ist nicht auszuschließen, dass die erfolgreiche Reise der Freiburger so weitergeht. Am offiziellen Saisonziel Klassenerhalt schrauben die Breisgauer nicht. Zumindest noch nicht.

Matthias Joers

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