Skifahren trotz Klimawandels?

Der nahende Beginn der Skisaison befeuert die Debatte über die ökologische Vertretbarkeit des Wintersports

Der Winter naht, was bedeutet, dass bei vielen Skifahrern die Vorfreude auf die Saison rund um den Feldberg steigt. In Zeiten, in denen die Folgen des Klimawandels immer spürbarer und die Debatten um die Bekämpfung der Erderwärmung immer hitziger werden, muss sich die Wintersportbranche jedoch auch kritischen Fragen stellen lassen.Die Debatte um die Nachhaltigkeit des Skisports ist nicht neu: Die Skipisten und die zugehörige Infrastruktur stellen einen erheblichen Eingriff in die jeweiligen Ökosysteme dar. Außerdem braucht es im Zuge des Klimawandels zunehmend Schneekanonen, die den mitunter spärlichen Echtschnee mit künstlichem ergänzen. Die Herstellung des Kunstschnees verbraucht enorme Mengen an Strom und Wasser. Hinzu kommt noch, dass viele Skifahrer mit dem Auto anreisen.
Die Debatte zum Thema Skifahren wurde vor etwa zwei Wochen durch die Eröffnung der Skisaison in Kitzbühel erneut angeheizt. Die dortigen Betreiber hatten bei frühlingshaften Temperaturen einen schmalen Streifen aus konserviertem Kunstschnee in der ansonsten braun-grünen Landschaft zusammengetragen. Ein Bild, das bei vielen für Entrüstung sorgte.
Der Geograph Hartmut Fünfgeld von der Universität Freiburg, der zum Thema Klimawandelanpassung forscht, bewertet die Aktion ebenfalls kritisch. Sie zeuge von einer Respektlosigkeit gegenüber der Natur, die in dieser Form nicht sein müsse. Das Skifahren an sich zu verteufeln, ist für Fünfegeld aber auch nicht der richtige Weg. Nachhaltigkeit bestehe nicht nur aus ökologischen, sondern auch ökonomischen und sozialen Aspekten, die in die Debatte ebenfalls mit einfließen müssten: „Skifahren ist auch ein Naturerlebnis und ein Geschäft, an dem sehr viele Jobs hängen – auch im Schwarzwald.“


Gegenteilige Trends
Dies betont auch Adrian Probst, Vorsitzender des Liftverbundes Feldberg, wo die Saison im Dezember starten soll: Der Wintertourismus ist aus seiner Sicht auch eine Möglichkeit, Touristen für die Natur und die Auswirkungen des Klimawandels zu sensibilisieren. Er betont, dass für die Feldberglifte und zahlreiche andere Betreiber Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle spiele. Beispielsweise nutze man zur Betreibung der Anlagen Ökostrom und bemühe sich sehr darum, die nötigen Ressourcen so effizient wie möglich einzusetzen. Das schlechte Image der Skiindustrie im Bezug auf Nachhaltigkeit bestünde aus seiner Sicht zu Unrecht.
Hartmut Fünfgeld beobachtet in der Skiindustrie derzeit zwei gegensätzliche Trends: Auf der einen Seite stünden die Betreiber, die weiterhin auf Expansion setzen würden und den Temperaturerhöhungen mit weiteren Schneekanonen begegneten. Auf der anderen Seite gebe es auch Betreiber, die verstärkt auf alternativen Wintertourismus setzten und Events, wie beispielweise Fondueessen, Schneeschuhwanderungen und Formen sanften Tourismus – zum Beispiel mit winterlichen Naturbeobachtungen – anböten.
Fünfgeld prognostiziert, dass sich die Skiindustrie zukünftig in beide Richtungen entwickeln werde. Wer Skifahren und Klimaschutz unter einen Hut bringen möchte, müsse sich vorab informieren, welche Betreiber auf neue Schneekanonen setzen und welche nicht. Ski zu fahren, ohne der Umwelt damit zu schaden, sei für Fünfgeld aber illusorisch.
Adrian Probst bestätigt, dass die Betreiber des Liftverbunds Feldberg vermehrt auf alternative Angebote zum Skifahren setzen. So bemühe man sich darum, in der Wintersaison zusätzlich besondere Aktionen wie Fackelwanderungen oder urige Hüttenerlebnisse anzubieten. Zumindest im Schwarzwald würden die klimatischen Veränderungen von niemanden mehr ausgeblendet, betont Probst: „Jeder macht sich Gedanken über den Klimawandel“.


Felix Reimann

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