„Wir haben noch Luft nach oben“

Europa-Park-Chef Roland Mack, der Pionier der Freizeitparks, der gerade 70 Jahre alt geworden ist, im großen Interview

Herr Mack, stimmt es eigentlich, dass der Europa-Park auf einem Bierdeckel in Los Angeles erfunden worden ist?Roland Mack: Nicht ganz. Aber es ist korrekt, dass die ersten Skizzen in den frühen 70ern auf einem Bierdeckel entstanden sind. Nachdem wir uns in den USA einige Freizeitparks angeschaut hatten, saßen wir abends in einer Bar und schrieben ein paar erste Ideen auf einen Deckel. Die Idee war geboren, Fahrgeschäfte nicht mehr nur selbst zu entwickeln und zu bauen, sondern auch selbst zu betreiben.

1975 wurde der Park dann in Rust gegründet, heute betreiben Sie den zweitgrößten Freizeitpark Europas. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Mack: Es sind mehrere Faktoren, die zusammenkommen: Einmal sind wir zum richtigen Zeitpunkt gestartet. Als wir die Tore öffneten, gab es nur wenige stationäre Freizeitparks. Wir waren Pioniere. Das Zweite ist der richtige Standort: Obwohl wir hier keine Millionenstädte haben, liegen wir an einer stark frequentierten Verkehrsachse und haben ein großes Einzugsgebiet mit vielen kleineren Orten, die wenig Entertainment haben. Dazu kommt natürlich, dass wir vom Klima begünstigt sind. Und schließlich haben wir aufs richtige Konzept gesetzt: auf das Thema Europa und auf unsere große Bandbreite an Fahrgeschäften, von denen viele komplett neu für den Park entwickelt worden sind.

Genau wie Disney hat auch der Europa-Park eine Maus als Maskottchen. War Disneyland Ihr Vorbild oder woher holen Sie Ihre Inspiration?

Mack: Natürlich war Disney ein wichtiger Ideengeber – allein aus dem Grund, weil Disney die ersten waren, die einen Themenpark mit einer in sich geschlossenen Konzeption gebaut haben. Die Art und Weise wie Walt Disney auf Gartenarchitektur, Fahrgeschäfte und ein familienfreundliches Gesamtkonzept gesetzt hat, hat andere beflügelt. Wir sind aber hier in Europa und setzen unsere ganz eigenen Akzente. Heute kommen die Amerikaner zu uns und schauen sich an, was erfolgreich läuft. So entwickelt sich die Branche über den Wettbewerb weiter.

Blickt man auf die Zahlen, dann ist der Europa-Park eine Story stetigen Wachstums – wird es so ewig weitergehen?

Mack: Wir haben sicher noch Luft nach oben. Wir müssen aber dabei Besuchszahlen und Besucherzahlen unterscheiden. Wenn die Aufenthaltsdauer in den Hotels steigt, geht die Besuchszahl nach oben. Durch verlängerte Öffnungszeiten sowie in Zukunft den Ganzjahresbetrieb durch den Wasserpark ist da noch einiges möglich. Ein grenzenloses Wachstum gibt es aber nicht, das ist allein durch das Einzugsgebiet beschränkt.

Wie wichtig ist stete Veränderung im Park?

Mack: Die meisten unserer Gäste sind inzwischen weit gereist, kennen auch andere Attraktionen auf dem Planeten und vergleichen. Für uns herrscht da schon ein gewisser Unterhaltungsdruck. Wir sind zudem darauf angewiesen, dass der Kunde auch zurückkommt. 80 Prozent unserer Gäste sind Wiederholungs-Besucher.

Wie wichtig wäre ein Bahnanschluss für den Park?

Mack: Er brächte große ökologische Fortschritte. Wir wissen, dass 50 Prozent unserer Besucher dann die Bahn nutzen würden. Außerdem wären wir über die Nord-Süd-Schiene noch viel besser an die Schweiz angebunden, ebenso an den Ballungsraum Frankfurt, der dann in nur 1,5 Stunden erreichbar wäre. Im Moment bleibt das unser Wunsch und großes Ziel. Ich wünschte mir, dass der Gesetzgeber daran arbeiten würde, das schneller zu realisieren. Aber es bleibt wohl noch ein weiter Weg.

Ende dieses Monats steht nun die Eröffnung Rulanticas an. Warum ist diese Wasserwelt so wichtig für den Park?

Mack: Seit 20 Jahren verfolgen wir die Vision, den Park mehr zur Destination zu entwickeln. Wir treten damit in den Wettbewerb ein mit Zielen wie Mallorca oder den italienischen Seen, wo viele Leute nur für drei, vier Tage hinfahren. Dazu braucht es ein ganzjähriges Indoorangebot, das wetterunabhängig ist. Wir müssen darüber hinaus im Park aber auch so viele Attraktionen bieten, dass die Leute sagen, wir wollen da gerne zwei oder drei Nächte verbringen. Wir haben auch jetzt schon Gäste, die eine Woche bleiben und unsere Hotels auch als Ausgangspunkt für Ausflüge in die Region nutzen. In diese Richtung soll es gehen.

Sie sind gerade 70 Jahre alt geworden. Wie lange wollen Sie noch in der ersten Reihe stehen?

Mack: Aus dem operativen Geschäft habe ich mich ja bereits weitgehend zurückgezogen. Sukzessive gebe ich Verantwortung an meine Kinder ab. Es ist wichtig, ihnen Luft und Raum zu lassen. Das ist auch ein Ansporn und lässt einen Unternehmer reifen, so war es bei mir auch. Im Moment ist es allerdings etwas schwierig sich zurückzunehmen, da sehr viel Veränderung auf einmal kommt: mit dem neuen Hotel, dem Wasserpark und weiteren großen Investitionen wie den Piraten in Batavia. Es steht so viel an, dass meine Söhne froh sind, dass ich zur Unterstützung da bin. Wenn alles läuft, ziehe ich mich weiter zurück.

Werden Sie sich als Rentner einem ganz neuen Hobby widmen?

Mack: Nein, mein Hobby war immer das Geschäft. Was gibt es Schöneres, als Hobby und Beruf zu vereinen? Andere bauen irgendwann im Ruhestand Modelleisenbahn-Landschaften mit Fallerhäuschen. Im Grunde mache ich das ja jeden Tag im Beruf - nur ein bisschen größer. Also brauche ich das nicht im Keller. Jetzt nochmal irgendwas anzufangen, nur weil ich den Eindruck habe, etwas nachholen zu müssen, sowas gibt es bei mir nicht. Ich liebe den Park immernoch – und solange ich klar denken kann, sind meine Kinder froh, wenn ich Vorschläge und Ideen einbringe. Aber mein Ziel ist es auch, etwas den Fuß vom Gaspedal zu nehmen und einfach mehr Zeit zu haben.

Dann verraten Sie bitte zum Schluss: Wird es demnächst auch mal wieder eine neue große Achterbahn im Europa-Park geben?

Mack: Erstmal kommt im kommenden Jahr die Wiedereröffnung der Piraten in Batavia, die sehr viel Neues beinhalten wird. Das ist eine riesige Herausforderung. Wir haben da einen zweistelligen Millionenbetrag investiert. Aber es wird in absehbarer Zeit auch eine neue Achterbahn geben, dazu gibt es auch schon die ersten Überlegungen. Das Gespräch führte Sven Meyer

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