Polizei beendet Hausbesetzungen

Brennende Autos, beschmierter Polizeiposten: In Freiburg rief ein linksautonomes Bündnis zu Hausbesetzungen auf

Freiburg hat turbulente Tage hinter sich: Im Zuge einer Aktion, die sich „Squatting Days“ nennt (Anmerkung d. Red.: to squat = besetzen), wurden im Stadtgebiet in den zurückliegenden Tagen Häuser besetzt und Fahrzeuge in Brand gesteckt. Die Aktivisten wollen damit ein Zeichen setzen: „gegen explodierende Wohnraumpreise, Gentrifizierung und Leerstand“, wie sie sagen. Dahinter steht ein linksautonomes Bündnis, das sich „Die WG“ nennt.
Drei Häuser hatte die Gruppierung zwischenzeitlich besetzt – zuletzt ein Haus in der Kronenstraße im Stadtteil Wiehre. Die Eigentümer stellten Strafantrag, die Polizei räumte die Häuser. Zehn Besetzer wurden verhaftet. Dafür wurden Spezialkräfte hinzugezogen. Die Besetzung wurde zuvor zum kurzzeitigen Happening: Rund 800 Sympathisanten hielten vor dem Haus ein spontanes Straßenfest ab. Die Polizei musste die Straße komplett sperren. Auch für die Straßenbahn war kein Durchkommen mehr.
In der Räumungsnacht zum Samstag brannten zwei Fahrzeuge im Stadtteil Weingarten, die laut Polizei im Besitz eines Immobilienunternehmens waren. Das Feuer griff auf zwei weitere Autos über. Schon zuvor waren in der vergangenen Woche in Freiburg Fahrzeuge von Immobilienunternehmen Ziel von Brandstiftung. Zudem versuchten Unbekannte in der Nacht auf Montag zwei Baufahrzeuge in der Gundelfinger Straße anzuzünden, entflammt wurden jedoch nur die Reifen. Die beiden Hebebühnen-Fahrzeuge waren bei der Räumungsaktion in der Kronenstraße im Einsatz. Außerdem wurde der Polizeiposten Stühlinger mit roter Farbe besprüht. Ein Zusammenhang mit den Hausbesetzungen liege nahe, so die Polizei, die intensiv ermittelt.
Am Montag gaben drei Sprecher der „Squatting Days“-Aktivisten, die – um ihre Identitäten nicht preiszugeben – in Tierkostümen auftraten, eine Pressekonferenz, auf der sie eine vorläufige Bilanz zogen. Dabei betonten sie, dass es ihnen vor allem darum gehe, auf die Wohnraumproblematik aufmerksam zu machen. Da viele Menschen davon betroffen seien, sei der Protest aus ihrer Sicht legitim, gleichzeitig wehrten sie sich gegen eine „Kriminalisierung“. Die Aktionen der zurückliegenden Tage werteten sie als Erfolg. „Wir haben den Eindruck, den öffentlichen Diskurs mitgeprägt und die Stadt aufgerüttelt zu haben“, so eine Sprecherin. Eine klare Distanzierung zu abgefackelten Autos und gewaltsamen Widerstand kam ihnen nicht über die Lippen, dafür kritisierten sie ein – aus ihrer Sicht – unverhältnismäßig hartes Vorgehen der Polizei.
„Wir als Polizei müssen Maßnahmen wie eine Räumung umsetzen können. Wenn die Einsatzkräfte beim Zugang zu einem Objekt behindert werden, drängen wir Personen auch ab, um uns den Zugang zu verschaffen“, erklärte Polizeipressesprecherin Laura Riske dazu gegenüber dem Wochenbericht.

Sven Meyer



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