Zähe Integration

Noch immer leben die meisten Flüchtlinge in Notunterkünften – Grund ist der Freiburger Wohnungsmarkt

Das Thema Flüchtlinge ist in Freiburg in den Hintergrund gerückt. Doch wie stellt sich eigentlich die Lage in den Unterkünften, die ursprünglich als zeitlich begrenzte Übergangslösung gedacht waren, dar? Der Freiburger Wochenbericht hat bei der zuständigen Amtsleiterin nachgefragt.Die Lage bezüglich neu ankommender Flüchtlinge in Freiburg ist überschaubar: Bis auf humanitäre Einzelfälle und Familiennachzug ist deren Zahl praktisch zum Erliegen gekommen. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise in den Jahren 2015 und 2016 kam die Stadt hingegen an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Anspannung in Rathausspitze, Verwaltung und Bevölkerung war damals greifbar.
Um die geflüchteten Menschen unterzubringen, entstanden zahlreiche Flüchtlingsunterkünfte quer über alle Stadtteile verteilt – in der Regel, so hieß es, handele es sich dabei um zeitlich begrenzte Einrichtungen, die irgendwann wieder geschlossen werden sollten. Die Anfang 2016 errichteten Wohncontainer am Kappler Knoten etwa sollten zwei Jahre lang genutzt werden. Doch hier, wie auch an den meisten anderen Standorten, wird es auf unabsehbare Zeit bei den Containerlösungen bleiben. Der Grund dafür ist der überlaufene und teure Wohnungsmarkt. Für größere Familien ist die Lage fast aussichtslos, während Studenten wie auch die meisten Akademiker mit abgeschlossener Berufsausbildung relativ schnell eine Bleibe finden konnten.
Im März 2016 gab es in Freiburg rund 3.700 Menschen mit Fluchthintergrund in öffentlich-rechtlicher Unterbringung. Jetzt sind es noch knapp 2.500. Über 600 Personen haben seitdem privat Wohnungen gefunden, andere sind im Zuge von Familienzusammenführungen in andere Städte gezogen.


„Ziemlich ausgelastet“
Das Problem: Generell haben fast alle der Suchenden eine Wohnsitzauflage, das heißt, sie dürfen sich nur im Stadtkreis Freiburg eine Wohnung suchen, was die Suche extrem erschwert. Katja Niethammer, Leiterin des städtischen Amts für Migration, beschreibt die Situation wie folgt: „Der Rückgang ist sehr langsam, aber stetig. Wenn man sich den Wohnungsmarkt anschaut, ist das auch nicht anders zu erwarten.“
Von den einst mehr als 20 Gemeinschaftsunterkünften in Freiburg existieren aktuell noch 16. Dabei wird es mittelfristig auch bleiben, einzig die Unterbringung in Hochdorf wird zum Jahresbeginn 2021 abgebaut. Zu Hochzeiten der Flüchtlingskrise waren die Gemeinschaftswohnheime sehr dicht belegt, häufig mussten sich Fremde ein Zimmer teilen. Es gab sogar Fälle, in denen alleinstehende Männer gemeinsam mit Familie untergebracht werden mussten. Das, so Niethammer, habe sich jetzt zum Glück entzerrt.
Dennoch seien die Wohnheime immer noch „ziemlich ausgelastet“. „Dass man tagsüber in den Wohnheimen weniger Menschen sieht, liegt daran, dass inzwischen alle halbwegs angekommen sind. Die Menschen besuchen entweder Sprach- oder Integrationskurse oder gehen zur Arbeit, die Kinder besuchen die Schule oder den Kindergarten“, erläutert Niethammer.
Die Mehrheit der Bewohner stellen derzeit Syrer und Iraker. „Natürlich wünschen sich die Leute eine eigene Wohnung. Etwas Frust ist schon da, jeder wünscht sich Privatsphäre“, so Niethammer und betont: „Es ist nicht der Plan, diese Einrichtungen jahrzehntelang stehenzulassen. Wenn die Leute nicht in echte Quartiere kommen, können sie sich auch nicht gesellschaftlich voll integrieren. Wir tun alles dafür, dass dies geschieht, aber kurzfristig werden wir dieses Ziel nicht erreichen.“

Sven Meyer


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