Kaum Flächen für Firmen

Freiburg gehen die Gewerbeflächen aus – Betriebe würden gerne in die Höhe bauen

Wohin mit dem Gewerbe? Diese Frage stellt sich zusehends in Freiburg, wo es kaum noch Platz für neue Gewerbeflächen gibt. Lösungsansätze gibt es viele. Interessenvertreter fordern von der Stadt, die Bedürfnisse des Gewerbes nicht zu vergessen.Für Thomas Stoffel, Leiter der FWTM-Wirtschaftsförderung, ist Freiburg ein Opfer seines eigenen Erfolgs: „Ein Grund für den Mangel an Gewerbeflächen ist die ausgesprochen gute wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre, die zu vielfältigen Investitionen und Arbeitsplatzwachstum geführt hat.“ Die städtischen Gewerbeflächen, die es noch gab, seien nahezu ausverkauft, so Stoffel – „trotz sehr zurückhaltender Vergabe“.
Die Zahlen sind unmissverständlich: Lediglich eine Reserve von zwei Hektar im Gebiet Haid-Süd befindet sich noch in städtischem Besitz. In den vergangenen knapp 25 Jahren sind gerade 15 Hektar Gewerbeflächen im Vergleich zu rund 200 Hektar Wohnfläche neu entstanden.
Christian Schulz, Sprecher der Interessengemeinschaften von Industriegebiet Nord und Gewerbegebiet Haid, will der Stadt keinen Vorwurf machen: „Sie kann die Flächen ja nicht aus dem Hut herauszaubern.“ Dennoch wünscht er sich bei der Lösung des Dilemmas mehr Mut: „Die Stadt kann versuchen, durch Bebauungsplanänderungen neue Gewerbeflächen zu erschließen oder die vorhandenen Möglichkeiten in Industrie- und Gewerbegebieten zu erweitern.“ Diesen Ansatz verfolge die IG Haid sehr stark: „Warum können wir auf der Haid nicht generell in die Höhe bauen?“, fragt er und verweist auf große Firmen, die über Sondergenehmigungen für Bebauungsplanänderungen in die Höhe bauen durften.

Quartiersgarage als Idee
Ihm ist klar, dass das im Umkehrschluss mehr Menschen und mehr Verkehr für die Haid bedeuten würde. „Aber dafür sind Gewerbegebiete ja auch gebaut: Sie sollen Frequenz haben, sie sollen Arbeitsplätze bieten. Dann muss die Stadt eben eine vernünftige Infrastruktur schaffen“, sagt Schulz und schlägt eine Quartiersgarage für das Gewerbegebiet Haid vor. Dazu sei es ihm zufolge auch nicht notwendig Bäume abzuholzen, wie es in der Diskussion um die neuen Parkflächen für das Keidelbad angedacht war. Schulz sagt: „Es gibt bereits unbefestigte Flächen, auf denen heute schon Autos parken, die für eine Quartiersgarage in Frage kommen.“
Eine Wunderlösung hat auch Thomas Stoffel nicht parat. Er schlägt vor, die verbleibenden Flächen „sehr restriktiv“ zu vergeben, nur an produzierendes Gewerbe und Handwerksbetriebe, die viele Arbeitsplätze und eine flächensparende Bauweise vorweisen können. Er sagt aber auch: „Perspektivisch müssen jedoch ebenfalls neue Gewerbeflächen entwickelt werden, um dem Bedarf nachkommen zu können.“ Große Hoffnung setzt die Stadt in den Flächennutzungsplan 2040, wie Baubürgermeister Martin Haag bei einem Fachgespräch mit rund 100 Gewerbever-tretern anmerkte: „Das Thema Wohnen allein reicht nicht aus, wir müssen Gewerbe und Wohnen miteinander verbinden.“

Matthias Joers

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