„Tatkräftige Unterstützung“

Was hinter Bildungspatenschaften an Freiburger Schulen steckt, erklärt Koordinatorin Karin Eble im Interview

In Freiburg begleiten rund 40 ehrenamtliche Bildungspaten jeweils ein Kind mit Fluchtgeschichte auf dem Weg in ein Leben in Deutschland. Dabei bieten sie mehr als nur Deutsch-Nachhilfe, erklärt Karin Eble, Koordinatorin für schulische Bildungspatenschaften an Freiburger Schulen, im Interview mit Anna Henschel.

Frau Eble, warum reicht schulisches Personal für die Bildung geflüchteter Kinder nicht aus?

Karin Eble: Hier geht es nicht um eine sonderpädagogische Begleitung, sondern um eine Begleitung für Kinder mit Fluchthintergrund. Das heißt die Kinder und Jugendlichen können wenig Deutsch. Sie haben zwar schon viel gelernt, aber sie brauchen noch tatkräftige Unterstützung. Es ist etwas anderes, wenn man eine persönliche Ansprechperson hat, eine individuelle Begleitung. Das kann Schule einfach nicht leisten. Eine Patenschaft ersetzt nicht Schule, ersetzt auch nicht das Elternhaus, es ist etwas Zusätzliches.

Wie kann man sich die Zusammenarbeit zwischen Paten und Schülern vorstellen?

Eble: Zunächst einmal melden sich die ehrenamtlichen Helfer beim Freiburger Bildungsmanagement an, wenn sie sich für eine Patenschaft interessieren. Bedingung ist, dass sie sich einmal die Woche mit einem Kind treffen, möglichst über ein Schuljahr. Die Ehrenamtlichen entscheiden selbst, wann sie ihre Zeit einbringen, das heißt am Vormittag während des Unterrichts, in der Nachmittagsbetreuung oder gegebenenfalls auch in der Freizeit.

Was macht eine erfolgreiche Patenschaft aus?

Eble: Eine erfolgreiche Patenschaft ist, wenn eine Person sich auf eine Patenschaft einlässt, das heißt auch Interesse und Neugierde an einem Kind hat und diese Tätigkeit gerne ausübt. Hier kommt es immer ein bisschen darauf an, die Interessen des Kindes und des Paten aufeinander abzustimmen. Da ist jede Patenschaft anders. Da gibt es zum Beispiel eine Patin, die begleitet seit drei Jahren ein Mädchen. Zu ihrem 18. Geburtstag sind sie gemeinsam nach Paris gereist. Nun wurde die Patin zur Hochzeit eingeladen. In einem anderen Fall hat ein Junge mithilfe seiner Patin den Sprung aufs Gymnasium geschafft. Diesen Weg hätte er allein nicht bestreiten können, seine Eltern waren nicht in der Lage, ihn zu unterstützen.

Womit haben die Kinder und Jugendlichen am meisten Probleme, wenn sie mit einem Paten zusammenkommen?

Eble: Erstmal muss man sich aufeinander einlassen. Da kommt ja eine fremde Person. Das Kind muss auch selbst Interesse an einem Paten haben und dann kommt’s zum Prozess der Annäherung. Viele haben natürlich auch einiges erlebt. Manchmal ist es auch herausfordernd, wenn ein Kind zum Beispiel sehr zurückhaltend ist. Dem wirken wir aber auch mit gemeinsamen Aktivitäten entgegen: Wir gehen einmal im Jahr gemeinsam mit allen Kindern und Paten ins Theater oder ins Planetarium. Das ist natürlich immer etwas ganz Besonderes. Im Prinzip geht es darum, mehr Alltagserfahrung zu teilen, ins Sprechen zu kommen und die Sprache zu lernen: Das ist eigentlich das Hauptziel. An manchen Veranstaltungen nehmen auch die Eltern der Patenkinder teil.

Welche Bilanz ziehen Sie aus 2,5 Jahren Bildungspatenschaften?

Eble: Ich find’s total Klasse, dass die Paten so lange dabei sind, viele oft länger als ein Schuljahr. Das ist ein Erfolgskriterium.

Was wünschen Sie dem Projekt für die Zukunft?

Eble: Wir können nur so viele Patenschaften vermitteln wie Ehrenamtliche zur Verfügung stehen. Daher wünsche ich mir, dass sich möglichst viele Ehrenamtliche melden und viele Kinder eine Begleitung bekommen, wo Bedarf besteht: derzeit insbesondere an der Schauinslandschule in Kappel, aber auch in Landwasser. Am besten ist es, wenn die Paten in der Nähe wohnen, das lässt sich besser in den Alltag einbinden.

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